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2002-12-09 09:38:29 Handwerker mit Zylinder im StaatsauftragErfurt/Sankt Augustin (/gms) - Mit schwarzer Kluft, einem Zylinder auf dem Kopf und einer große Drahtschlinge über der Schulter sehen Schornsteinfeger aus wie eh und je. Die Symbolfigur des Glücks geht allerdings mit der Zeit. «Auch in diesem Beruf kommt zunehmend modernste Technik zum Einsatz», sagt Johannes Töx vom Zentralverband Deutscher Schornsteinfeger (zds) in Erfurt. Schornsteinfeger gibt es seit dem Mittelalter. Ursprünglich mussten sie nur die Kamine kehren, das heißt den Ruß entfernen, damit dieser sich nicht entzünden konnte. Nicht gesäuberte Rauchfänge waren häufig der Grund für Feuersbrünste, die in Städten verheerend wüteten. Weil die durch ihre Tätigkeit rußgeschwärzten Männer vor den Bränden bewahrten, umgab sie bald der Nimbus eines Glücksbringers. Brandverhütung ist auch heute eine wesentliche Aufgabe. «In Deutschland gibt es derzeit zwischen 18000 und 19000 Schornsteinfeger und Schornsteinfegerinnen», sagt Obermeister Christian Schmal vom Zentralinnungsverband in Sankt Augustin bei Bonn. «8054 von ihnen sind selbstständig.» Doch im Branchenverzeichnis der Telefonbücher finden sie sich, im Gegensatz zu Klempnern und Tischlern, kaum. Schmal bedauert, dass es für das ehrwürdige Handwerk noch keine eigenen Spalten gibt, zumal die Schornsteinfeger Arbeiten im öffentlichen Interesse verrichten. Die Ausbildung in diesem staatlich anerkannten Beruf dauert drei Jahre und endet mit der Gesellenprüfung. «Derzeit gibt es etwas mehr als 1300 Lehrlinge, etwa zehn Prozent sind junge Frauen», sagt Schmal. Die Meister und Meisterinnen vermitteln in der Ausbildung, wie «Feuerungs- und Lüftungsanlagen auf ihre Funktions- und Betriebssicherheit nach bau- und umweltschutzrechlichen Vorgaben zu überprüfen sind», heißt es etwas schwerfällig beim Arbeitsamt. Während der Lehrzeit muss der angehende Geselle sich im Betrieb und in der Berufsschule ein breites Wissen aneignen. Dazu kommen nach Bedarf überbetriebliche Fachlehrgänge. Vor dem Ende des zweiten Ausbildungsjahres findet eine Zwischenprüfung statt. Dann heißt es, auch auf die Dächer zu steigen und Kamine zu inspizieren. «An die Höhe gewöhnt man sich», sagt der in der Hamburger Innung für die Ausbildung zuständige Schornsteinfegermeister Uwe Hofstädter. «Den jungen Leuten wird selbstkritisches Verhalten bezüglich der eigenen Sicherheit vermittelt.» Seit Öl- und Gas vor gut drei Jahrzehnten die Kohle als Brennstoff weitgehend abgelöst haben, ist das Kaminkehren nicht mehr die wichtigste Tätigkeit. «Doch es macht immerhin noch etwa ein Drittel der Arbeit aus», sagt Hofstädter. «Die Hände muss man sich schon schmutzig machen wollen.» Eine der wesentlichen Aufgaben ist der Umweltschutz durch die regelmäßige Kontrolle der Heizungsanlagen. Hier kommt es darauf an, dass der Ausstoß der Schadstoffe, besonders das klimaschädliche Kohlenmonoxid, auf das gesetzlich zulässige Maß beschränkt wird. Eine richtig eingestellte Heizung hilft überdies, den Verbrauch einzuschränken und damit Kosten zu sparen. «Wenn die Anlagen nur ein Prozent schlechter arbeiten, würden jährlich gut eine Milliarde Liter Heizöl mehr verbraucht werden», sagt Frank Weber, Vorsitzender des zds. Vor diesem Hintergrund sind die Schornsteinfeger auch Berater ihrer Kunden in Heizungsfragen und beim Energiesparen. Die Aussichten für die Zukunft sind nach Angaben der Handwerksvertreter gut: «Schornsteinfeger haben einen staatlichen Auftrag, sie sind für den vorbeugenden Brandschutz und den Umweltschutz verantwortlich», erläutert Obermeister Schmal. Der Staat besitzt das Monopol für diese Tätigkeit und betraut die Handwerker mit der Aufgabe. Mit einer bestandenen Meisterprüfung können sich Schornsteinfeger laut Töx um einen so genannten Kehrbezirk bewerben, wie die von den jeweiligen Landesgesetzen festgelegten Gebiete heißen. «Einfach selbstständig machen, wie in anderen Handwerksberufen, das geht hier nicht.» Durchschnittlich 2500 Euro verdient ein Geselle, der Lohn ist abhängig von den jeweiligen Tarifgebieten. «Ein Meister mit Kehrbezirk wird nach der Besoldungsgruppe A 9 vergütet», sagt Schmal. Die Zahl der Kehrbezirke entspricht der Zahl der Fegerbetriebe: 8054. Die anderen sind als Gesellen oder Meister angestellt. «Von denen, die nach erfolgreich abgeschlossener Lehre weiter im Beruf bleiben, machen 90 Prozent auch die Meisterprüfung», sagt Töx. Mit der Gesellenprüfung erhalten die Männer und Frauen das Recht zum Tragen des Zylinders zur schwarzen Arbeitskleidung aus Leder oder besonders strapazierfähigem Stoff. «Die Tradition geht auf eine Zeit zurück, da in deutschen Landen das Tragen des hohen Hutes das Privileg des Adels war», erläutert Schmal. «Schornsteinfeger waren königlich privilegiert, sie gehörten quasi zum Hofstaat, und durften im Unterschied zu anderen Handwerkern den Zylinder tragen. Auch Hofstädter pflegt diesen Brauch: «Ich bin stolz darauf.» Eine Übersicht aller News gibts hier. |
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