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2002-12-09 09:46:03

Büros sollten nie überheizt sein



Hamburg/Dresden (/gms) - Wenn mit dem Wintereinbruch in den Büros die Heizung aufgedreht wird, ist das oft Grund für Uneinigkeiten. «Es gibt nicht die eine Temperatur, die von allen als angenehm empfunden wird», sagt Ralf Wegner vom Zentralinstitut für Arbeitsmedizin in Hamburg. Auch am Arbeitsplatz entscheidet die gefühlte Temperatur, und die ist eben oft sehr unterschiedlich.

Ein paar Faustregeln aber lassen sich aufstellen: «Idealerweise sollte es so sein, dass die Temperatur möglichst niemandem unangenehm auffällt», erläutert Wegner. «Werte um 21 Grad werden im Winter von den meisten als angenehm empfunden.» Temperaturen über 26 Grad seien am Arbeitsplatz dagegen generell zu vermeiden, sagt Kersten Bux von der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin in Dresden.

«Sonst fängt man an zu schwitzen, die Arbeitnehmer werden weniger aufmerksam, die Hautdurchblutung wird erhöht, auch die Herzfrequenz steigt und damit die Belastung für den Kreislauf.» Auch die Gefahr von Arbeitsunfällen erhöhe sich. «Überhitzung ist also eindeutig schlecht», so Bux.

Solche Probleme seien, anders als im Hochsommer, im Winter aber eigentlich nicht zu erwarten, sagt Jens Knissl vom Institut für Wohnen und Umwelt in Darmstadt. Kollegen, die die Heizung so aufdrehen, dass die Temperaturen regelmäßig über 26 Grad liegen, sollten höflich, aber bestimmt gestoppt werden.

Das Thermometer im Büro sollte aber auch nie arktische Temperaturen zeigen: «Es empfiehlt sich, auf ordentliches Isolierglas zu achten», sagt Bux. «Und es sollte keine kalten Wände geben.» Wenn es draußen um die 0 Grad sind, werde das im Freien oft noch gar nicht als ausgesprochen kalt empfunden, so der Experte. «Aber ob es im Büro dann 19 oder 21 Grad warm ist, macht schon einen gewaltigen Unterschied.»

Bei «sitzender geistiger Tätigkeit», wozu etwa Schreibarbeiten zählen, seien 21 Grad zu empfehlen, sagt Ralf Wegner, bei «sitzender leichter Arbeit» 19 Grad. Die Mehrzahl der Arbeitnehmer empfinde Werte, die leicht darüber liegen, als behaglich, sagt Jens Knissl. In der Regel sei die Heizung auch so einzustellen.

Entscheidend ist aber nicht nur die richtige Temperatur: «Auf Zugluft reagieren viele sehr empfindlich», sagt Wegener. «Das kann die Arbeit beeinträchtigen.» Und noch etwas spricht dafür, die Fenster nicht ständig aufzureißen: die Luftfeuchtigkeit: «Sie lässt sich mit einem Hygrometer messen», erläutert Kersten Bux. «Das ist nicht teuer und am Arbeitsplatz durchaus zu empfehlen.»

Arbeitsräume seien häufig zu trocken. «An Sommertagen nimmt die Luft leicht 30 mehr als 20 Gramm Wasser pro Kubikmeter auf, an kalten Wintertagen sind es nur 5 Gramm und weniger.» Die Luft ist daher sehr trocken. «Wenn das Fenster oft auf ist, kommt kalte und trockene Luft rein», sagt Arbeitsmediziner Bux.

«Werte von 40 bis 60 Prozent Luftfeuchte sind zu empfehlen, weniger als 30 Prozent sind bedenklich», warnt Bux: «Dann trocknet die Haut aus und spannt. Nase und Rachen werden trocken. Die Atmungsorgane werden gereizt.» Der Körper werde anfälliger für Infektionen. Trockene Luft sei außerdem auch schlecht für die Augen.

Das sieht auch Knissl so: «Der Mensch hat leider keine Sinnesorgane für relative Luftfeuchtigkeit.» Die Luft kann daher sehr trocken sein, ohne dass das gleich bemerkt wird: «Dann trocknen die Schleimhäute aus», warnt der Experte. «Das ist ein ernst zu nehmendes Problem.»

n diesem Fall sollte die DIN-Verordnung 1946 Teil II «Raumlufttechnik/Gesundheitstechnische Anforderungen» beachtet werden: Sie legt fest, dass 30 Prozent Luftfeuchtigkeit die untere zu tolerierende Grenze sind. Darauf können sich dann auch diejenigen berufen, die sich eher aus Temperaturgründen am häufigen Lüften stören - die trockene Luft bringt schließlich auch die Kälte ins Büro.


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