<< Zurück zur JOBBER-Startseite >>

2001-07-17 10:13:39

Fremdsprachenlernen am Gymnasium



«How are you?», «Ca va?», «Qué tal?» «Quomodo vales?»: An den Gymnasien wird eine immer breitere Palette an Fremdsprachen angeboten. «Wann soll man welche Sprache lernen? Und wie viele Sprachen?», fragen sich viele Schüler und Eltern angesichts der Wahlmöglichkeiten.

«Nicht zuletzt wegen des europäischen Einigungsprozesses haben Fremdsprachen in der Schule eine zentrale Bedeutung», sagt Horst Günther Klitzing, bildungspolitischer Referent des Deutschen Philologenverbandes (DPV) in Unterhaching bei München. Bedenklich sei der bei Schülern in ganz Europa zu beobachtende Trend, alle Sprachen außer Englisch möglichst schnell wieder abzugeben.

Gerade begabte Schüler sollten die Chance wahrnehmen, schon auf der Schule Kenntnisse in bis zu vier Sprachen zu erwerben. Latein sollte dabei sein: «Viele Schüler leben nur in der Jetztzeit. Lateinschüler haben einen besseren Zugang zu Kultur-, Religions- und Musikgeschichte», so Klitzing, «und außerdem gehört Latein einfach zu einer fundierten Bildung.»

Der Vorsitzende des Deutschen Altphilologenverbandes mit Sitz in Berlin, Helmut Meißner, bestätigt: «Latein ist eine solide Grundlage für das Erlernen weiterer Sprachen. Nur im Lateinunterricht, der nicht auf das Kommunizieren in der Fremdsprache ausgerichtet ist, kann man sich den Luxus leisten, sich wirklich auf die Grammatik zu konzentrieren. Wenn man durch Latein Grammatik und Sprachverständnis erworben hat, kann man andere Sprachen sehr rasch lernen, auch wenn später einmal ein Arbeitgeber sagt: "Lernen Sie schnell Italienisch".» Daher empfiehlt der Latein- und Alt-Griechischlehrer am Bismarck-Gymnasium in Karlsruhe Latein als erste oder zweite Fremdsprache.

Franz-Joseph Meißner, Professor für Didaktik des Spanischen, Französischen und Italienischen an der Universität Gießen sieht die Sache anders: «Latein sollte man belegen, aber als dritte Fremdsprache.» Das Lateinische sei unerlässlicher Schlüssel zur Geistesgeschichte Europas, doch enthalte der Lateinunterricht oft noch zuviel Kriegsberichte Caesars und zuwenig philosophische, politische und dichterische Texte.

Eine ideale Grundlage zum Erlernen weiterer Sprachen sei das Lateinische jedoch nicht: «Die beste Basis, eine moderne Fremdsprache zu lernen, ist die Kenntnis einer anderen modernen Fremdsprache.» Wer Französisch könne, lerne besser Spanisch als jemand, der Latein beherrsche. Die Lernerfahrung sei eine andere: In den modernen Fremdsprachen gehe es um Hören, Verstehen und Sprechen. All dies schule der Lateinunterricht nicht.

Maren Bogs unterrichtet Latein und Französisch am Gymnasium Gernsbach südlich von Karlsruhe. Sie empfiehlt kommunikativ veranlagten Schülern Französisch oder Spanisch und tendenziell naturwissenschaftlich begabten Schülern Latein. Latein sei ferner «eher etwas für leistungsbereite Schüler: Wenn man einmal den Anschluss verliert, ist es vorbei. Bei einer lebenden Fremdsprache kann man sich durch das Mündliche retten», erklärt Bogs. Den Vorteil des Spanischen gegenüber dem Französischen sieht Bogs darin, dass Spanisch weltweit verbreiteter ist und Aussprache und Rechtschreibung nicht so auseinander klaffen wie im Französischen.

Für entscheidend hält Ludger Schiffler, Professor für Didaktik der romanischen Sprachen an der Freien Universität Berlin, den Zeitpunkt des Lernbeginns: Oft werde die zweite Fremdsprache gerade am Anfang der Pubertät aufgenommen und habe daher einen schweren Stand. Folglich rät Schiffler: «Man sollte Angebote von Kindergärten, Grundschulen und weiterführenden Schulen nutzen, Fremdsprachen schon vor der Pubertät zu beginnen.»


Eine Übersicht aller News gibts hier.



<< Zurück zur JOBBER-Startseite >>