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2001-07-30 10:05:54

Archivar im Informationszeitalter



Alte Dokumente konservieren, Handschriften entziffern und historische Quellen auswerten - so stellen sich viele archivarische Tätigkeiten vor. Doch auch im Archivwesen bestimmt die Technologie der Gegenwart und Zukunft zunehmend den Alltag.

Norbert Reimann, Vorsitzender des Verbands Deutscher Archivarinnen und Archivare und Leiter des Westfälischen Archivsamtes, betont die zentrale Rolle von Informationstechnologien in der heutigen Archivarbeit: «Die Tage, in denen man sich ausschließlich mit Quellen aus zurückliegenden Zeiten beschäftigt hat, sind vorbei.» Die Problematik der Dauerhaftigkeit moderner Medien ist eine Herausforderung, die es für Archivare zu bewältigen gilt. Betriebssysteme veralten schnell und sind nicht mehr kompatibel. Außerdem muss das Wesentliche aus der Masse heutiger Informationsmedien selektiert werden.

Im klassischen Ausbildungsweg zu archivarischer Tätigkeit übernimmt die Archivschule Marburg bundesweit die theoretische Ausbildung künftiger Archivare für den öffentlichen Dienst. Nur in Bayern wird die Ausbildung an den Archiven des Freistaats von der Beamtenfachhochschule München unterstützt.

Eine der Voraussetzungen, um hier beim Entziffern alter Urkunden und Schriften mithalten zu können, sind Latein- und Französischkenntnisse. Professor Rainer Polley, Studienleiter der Archivschule Marburg, betont jedoch den Wandel der Archivarbeit in den vergangenen Jahren: «Man sollte für die archivarische Laufbahn auf jeden Fall historisches Interesse mitbringen. Wichtig ist aber auch ein modernes Verwaltungsmanagement, die Fähigkeit systematisch zu arbeiten und Dinge zu ordnen.» Neben Archiv- und Verwaltungswissenschaften wird in Marburg historisches Methodenwissen vermittelt.

Ausgebildet werden hier jährlich ungefähr 50 Beamtenanwärter für den gehobenen und höheren Dienst. «Die praktische Ausbildung findet an einem staatlichen Archiv statt, wo die Teilnehmer während der Ausbildung angestellt sind. Die theoretischen Studien finden an der Archivschule statt», erklärt Polley. Die Ausbildungszeit zum Archivar ist je nach angestrebtem Abschluss verschieden: Beamtenanwärter für den gehobenen Dienst beginnen ihre dreijährige Ausbildung nach dem Abitur und verdienen zunächst einen Grundbetrag von rund 1600 Mark im Monat. Nach der Verbeamtung kann ein Archivinspektor die Karriereleiter bis zur Besoldungsgruppe A13 aufsteigen.

Die Ausbildung von Anwärtern des höheren Dienstes dauert zwar nur zwei Jahre, doch die Anforderungen sind hoch: Voraussetzungen sind ein abgeschlossenes Studium und eine Promotion, für gewöhnlich in den Geschichtswissenschaften. Während der Referendarzeit verdient man ungefähr 2000 Mark. Im Laufe der Berufskarriere können Archivdirektoren maximal ein Gehalt der Gruppe A16 erreichen.

Eine Alternative zur klassischen Ausbildung an staatlichen Archiven bietet seit 1992 der Studiengang zum Diplom-Archivar an der Fachhochschule in Potsdam. Die Zulassung der 21 Studenten pro Semester wird durch einen hochschulinternen Numerus clausus geregelt, der zwischen 2,0 und 2,5 schwankt. Professor Hartwig Walberg betont die Ausrichtung des Studiums an den neuen Medien: «Das Studium soll sich neben klassischer Archivwissenschaft auch intensiv an den Herausforderungen der Informations- und Webtechnologie orientieren.»

Der Erhalt des digitalen Erbes werde künftige Archivare vor komplexe Probleme bei der Aufbereitung elektronischer Quellen stellen. Neben einem Vorpraktikum sollten deshalb auch Englisch- und Softwaregrundkenntnisse als Eingangsvoraussetzungen für das Studium eingeführt werden. Der Abschluss nach acht Semestern ermöglicht den Absolventen ein Angestelltenverhältnis im öffentlichen Dienst.

Wer jedoch nicht in einem staatlichen, parlamentarischen, kommunalen oder kirchlichen Archiv arbeiten will, kann nach jedem der aufgeführten Ausbildungswege sein Glück auch auf dem freien Markt versuchen. Die verschiedenen Adels-, Wirtschafts-, Medien- oder Wissenschaftsarchive bieten mit den öffentlichen Archiven viele Möglichkeiten, den eigenen Vorlieben gerecht unterzukommen. Der Verband Deutscher Archivare und Archivarinnen geht davon aus, dass die Beschäftigungssituation in den nächsten Jahren vor allem für Abgänger der gehobenen Laufbahn und für Diplom-Archivare günstig sein wird.

Informationen: In der Reihe «Blätter zur Berufskunde» ist unter der Bestellnummer 2-XA30 der Titel Diplom-Archivar/in (Fachhochschule), Archivar/in (gehobener Dienst) erschienen. Die Ausgabe Archivar/in (höherer Dienst) hat die Bestellnummer 3-XA01. Beide Hefte sind kostenlos bei den Berufsinformationszentren (BIZ) der Arbeitsämter erhältlich.

Informationen gibt es auch im Internet unter http://www.arbeitsamt.de. Unter http://www.vda.archiv.net erreicht man den Verband deutscher Archivare im Netz. Die Fachhochschule Potsdam und die Archivschule Marburg haben folgende Internetadressen: http://www.fh-potsdam.de/ und http://www.archivschule.de.


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