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2001-05-28 10:17:45

Bankkaufleute verdienen an der Quelle Geld



Eine Bank-Ausbildung scheint für junge Leute oft der Garant für eine solide Karriere zu sein. Doch immer mehr Bank-Filialen schließen, und auch die Zahl der Auszubildenden ist nach Angaben der Bildungsakademie der Bankgesellschaft in Berlin leicht rückläufig.

Die Berufschancen für Einsteiger seien aber unverändert gut, sagt Gerd Benrath, Hauptgeschäftsführer beim Arbeitgeberverband des privaten Bankgewerbes (AGVBanken) in Berlin. «Wer flexibel ist und sich schnell in neue Themenbereiche einarbeiten kann, hat nichts zu befürchten», sagt Benrath.

In der Liste der am stärksten besetzten Ausbildungen ist der Bankkaufmann nach Angaben des Statistischen Bundesamtes in Wiesbaden regelmäßig unter den ersten zehn zu finden. «Eine Bankausbildung ist eine gute Grundlage», glaubt auch Kai Molkenthien, der im Sommer seine Lehre bei der Commerzbank in Frankfurt am Main abschließt. «Es gibt viele Möglichkeiten, sich weiter zu entwickeln», sagt der 22-Jährige.

Im Wertpapiergeschäft, an der Börse sowie im Controlling und Marketing bieten sich Bankkaufleuten nach ihrer Ausbildung Perspektiven. Die meisten Stellen sind hingegen immer noch im Filialbetrieb von Banken und Sparkassen angesiedelt. Hier arbeiten Kaufleute in allen Geschäftsbereichen.

Patrik Blödner ist Anlagenberater in einer Filiale der Dresdner Bank in Konstanz. Er berät etwa Kunden, die ein Auto oder neue Möbel anschaffen wollen, über Investitionskredite und führt Vorgespräche zur Baufinanzierung. In die Zuständigkeit des 32-Jährigen fällt aber auch die Arbeit als Kassierer. Vor seiner Tätigkeit in Konstanz hat Blödner in Geschäftsstellen in Mannheim und Saarbrücken unterschiedliche Aufgaben wahrgenommen. Er hat Buchungen abgewickelt, Überweisungen geprüft und Daueraufträge geändert oder gelöscht. Die Arbeit am Kundentresen hat er also ebenso kennen gelernt wie die im Hintergrund der Bank, seit er vor zehn Jahren seine Lehre bei der Dresdner Bank abgeschlossen hat.

Für die dreijährige Ausbildung, die Abiturienten und Absolventen der Handelsschule auf zwei, Realschüler auf zweieinhalb Jahre verkürzen können, ist kein bestimmter Schulabschluss vorgeschrieben. Abiturienten haben im Auswahlverfahren der Kreditinstitute nach Angaben des AGVBanken aber die besten Chancen: 1999 gingen 76 Prozent aller Ausbildungsverträge an Bewerber mit allgemeiner Hochschulreife.

Die Auswahl findet nicht nur nach schriftlicher Bewerbung und Vorstellungsgespräch statt. Banken und Sparkassen prüfen in einem Eignungstest auch Konzentrationsfähigkeit, Allgemeinwissen, rechnerisches Können und sprachliche Ausdrucksfähigkeit.

Wer einen der Plätze ergattert, lernt in der Ausbildung die Grundlagen des Geldgeschäfts kennen. Kontoführung, Zahlungsverkehr, Geld- und Vermögensanlage stehen auf dem Ausbildungsplan. «Im ersten Lehrjahr setzen wir die Azubis vornehmlich in den Geschäftsstellen ein», erläutert Dirk Hentschel, der bei der Sparkasse in Leipzig für die Einstellung von Lehrlingen zuständig ist.

Im zweiten Ausbildungsjahr durchlaufen Nachwuchsbanker verschiedene Bereiche in der Hauptstelle - so etwa die Kreditabteilung und die Personalentwicklung. «Gegen Ende der Lehrzeit gibt es noch eine Wahlphase, in der man sich aussuchen kann, welche Bereiche man genauer anschauen will», so Kai Molkenthien. Den Einblick in das Filialgeschäft, in die Betreuung von Privat- und Firmenkunden oder in das internationale Banking können Lehrlinge in diesem Ausbildungsabschnitt vertiefen.

Im ersten Lehrjahr verdienen Auszubildende rund 1300 Mark, im zweiten und dritten Jahr je 100 Mark mehr. Angestellte im Filialgeschäft verdienen später zwischen 4000 und 5000 Mark. Wer sich ständig weiter bildet, kann sich in einigen Geschäftsbereichen aber auch schnell für höhere Gehälter qualifizieren. Viele junge Bankkaufleute besuchen daher nach Feierabend oder am Wochenende die Kurse des Vereins Bankakademie mit Sitz in Frankfurt, die an rund 100 Studienorten in ganz Deutschland angeboten werden.

Wenn sie die Prüfung vor der Industrie- und Handelskammer bestanden haben, erhalten Teilnehmer Abschlüsse als Bankfachwirt oder Betriebswirt und sind damit für Fach- und Führungsaufgaben vorbereitet. «Bei der Bankakademie muss man aber richtig ranklotzen und Freund oder Freundin eine Zeit lang hinten anstellen», merkt Wolf von Uslar an, Leiter der Abteilung Personal- und Bildungspolitik beim AGVBanken.

Belastbarkeit ist eine der Voraussetzungen, die junge Leute für den Beruf des Bankkaufmanns mitbringen sollten. «Bankkaufleute müssen heute in sich investieren, wenn sie weiter kommen wollen», so von Uslar. Wichtig sind in der Bank auch ein Interesse an wirtschaftlichen Fragen, Zahlenverständnis und eine verkäuferische Grundeinstellung.

Patrik Blödner hält Verlässlichkeit, Kontaktbereitschaft, Kommunikationsfähigkeit und einen «Hang zur Akribie» für ebenfalls unverzichtbar. «Man sollte keine Scheu vor Verordnungen haben.» Auch die strikte Kleiderordnung im Bankgewerbe gibt es noch. «Seriöses Auftreten, Hemd und Krawatte gehören in dem Job dazu», so Blödner.

Informationen: Auf der Internetseite des AGVBanken unter http://www.agvbanken.de. findet sich ein ausführliches Porträt über das Berufsbild des Bankkaufmanns.


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