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2001-09-24 09:39:22 Berufe für Quasselstrippen«Ich lebe von guter Suppe, nicht von schöner Rede», schrieb der französische Komödiendichter und Schauspieler Molière im 17. Jahrhundert. Falsch, würden ihm heute viele Quasselstrippen entgegnen, die mit schöner Rede mehr als ihr täglich Brot verdienen. Wetterfrosch Jörg Kachelmann gehört dazu, Blödelbarde Stefan Raab oder die Politikerin Regine Hildebrandt. «Auch in weniger glamourösen Arbeitsgebieten sind Redetalente stark gefragt», sagt Uta Glaubitz, die in einem Ratgeber-Buch mehr als 70 Berufe für Quasselstrippen vorstellt. Ob Energieberater, Immobilienmakler oder Öffentlichkeitsarbeiter - sie alle müssen viel und gut reden. Da in der Wirtschaft weiterhin Arbeitskräfte von der Produktion in Dienstleistungsbereiche verlagert würden, hätten Menschen, die von Haus aus kommunikativ sind, «hervorragende Berufsaussichten», glaubt die Buchautorin aus Berlin. Eines der größten Berufsfelder für Vielredner ist das Call-Center. Mehr als 225 000 Bundesbürger verdienen nach Angaben des Deutschen Direktmarketing Verbandes in Wiesbaden ihr Geld am Telefon - Tendenz steigend. «Ein Ende des Call-Center-Booms ist nicht abzusehen. Die Nachfrage nach Mitarbeitern ist größer als das Angebot», sagt Thomas Lockert, Geschäftsführer der Call-Center Akademie Niedersachsen in Hannover. Der Weg zum professionellen Telefonisten kann zum Beispiel über einen berufsbegleitenden Lehrgang zum Call-Center-Agent führen, den die Akademie mit der Industrie- und Handelskammer Hannover-Hildesheim anbietet. «Voraussetzungen für den Beruf sind Spaß am Reden, ein reicher Wortschatz, gute Menschenkenntnis und Stressresistenz», erläutert Lockert. 75 Prozent dieser Fähigkeiten seien erlernbar. Erfahrenen Telefonisten gelänge dann häufig der Aufstieg zum Call-Center-Teamleiter. Durch sein Kommunikationstalent hat auch Tony Eisermann einen gewaltigen Aufstieg hingelegt. Begonnen hat die Kölner Frohnatur als Maler und Lackierer, war dann Textil- und Autoverkäufer, ehe er in die Partnervermittlung umstieg. Mittlerweile ist der 46-Jährige einer der gefragtesten Warm-Upper für Fernsehshows. Seine Aufgabe: Das Studiopublikum vor Beginn der Sendung mit allerlei Klamauk «aufzuwärmen». Für Hans Meiser, Ilona Christen und Margarete Schreinemakers hat Eisermann unter anderem gearbeitet. «Ich bin ein positiver Verrückter, der keine Scheu vor Menschen hat», beschreibt sich der Warm-Upper. Zu seinem Job als Stimmungskanone gehören vor allem Extrovertiertheit und ein Gefühl für das Publikum. Gelernt hat Eisermann das als Animateur auf Mallorca, wo er fünf Jahre lang in einem Ferienclub gearbeitet hat. Kaum zurück in Köln, saß das Kommunikationstalent als Zuschauer in der Spielshow «Geh aufs Ganze», gewann ein Auto und übernahm in der Pause vom Warm-Upper das Mikrofon, um dem Publikum einzuheizen. Show-Master Jörg Draeger sei daraufhin mit den Worten «Haltet mir den Mann fest» aus der Garderobe gestürmt und habe ihn quasi vom Fleck weg eingestellt, erzählt Eisermann. Selbst wenn der Aufstieg nicht derart kometenhaft verläuft, empfiehlt er, immer am Ball zu bleiben. «Am besten man beweist sein Kommunikationstalent an Ort und Stelle, stellt sich bei einem Sender vor und sagt: "Ich bin gut, ihr braucht mich".» Wer erst nach dem Warm-Upper die Bühne betreten will, kann sich auch als Quereinsteiger noch zum Moderator oder Show-Master ausbilden lassen. «Voraussetzung ist, dass man offen, selbstbewusst und kamerafähig ist und eine gute Stimme hat», sagt Julia Bruun vom Logo-Institut in Frankfurt, einer der ersten Moderatorenschulen in Deutschland. «Nicht zuletzt gehört auch eine Portion Selbstdarstellung dazu.» Weitere Fähigkeiten wie gute Körpersprache, richtiges Kameraverhalten oder Interviewtechniken seien allesamt erlernbar. «Zu uns kommen selbst Schuhverkäufer und Immobilienmakler, um ihr Kommunikationstalent in den Medien einsetzen zu lernen», erzählt die Institutssprecherin. Sogar die allabendliche Gute-Nacht-Geschichte für die Kinder kann als Karrieresprungbrett dienen. Bruun berichtet von einer Mutter, die aus ihrem Vorlese-Talent einen Beruf machen wollte und ein Sprechtraining absolvierte - mit Erfolg: «Mittlerweile arbeitet sie als Sprecherin für Hörspielkassetten.» Ob als Call-Center-Agent, Warm-Upper oder Hörspielsprecherin - die Lust am Quatschen ist Grundvoraussetzung für einen Kommunikationsberuf, sie reicht aber nicht aus. Wichtig sei die Frage «wie die Dinge, die man von sich gibt, ankommen», sagt Buchautorin Glaubitz und ergänzt: «Im Gespräch macht es ja auch keinen Sinn, wenn ich jemanden total zuquatsche.» Informationen: Logo-Institut Moderatorenschule, Frankfurt (Tel.: 069/49 00 47, E-Mail: info@logo-institut.de, Internet: http://www.logo-institut.de); Call-Center Akademie Niedersachsen, Hannover (Tel.: 0511/161 40 00, E-Mail: info@callcenter-akademie.de, Internet: http://www.callcenter-akademie.de). Literatur: Uta Glaubitz: Jobs für Kommunikationstalente und Quasselstrippen. Machen Sie Ihre Stärke zum Beruf. Campus Verlag, ISBN 3-593-36547-2, 31 Mark. Eine Übersicht aller News gibts hier. |
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