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2001-10-29 23:36:59 Orchestermusiker brauchen AusdauerTöne schwirren durch die Luft. Die Hornisten stimmen sich ein, die Geiger schrauben ihre Saiten noch einmal in die richtige Tonlage: Es sind nur noch wenige Minuten, bis sich der Vorhang hebt. Die Zuschauer nehmen ihre Plätze ein, es wird still, als der Dirigent an sein Pult tritt. Die Streicher stimmen die Ouvertüre von Wolfgang Amadeus Mozarts «Entführung aus dem Serail» an. «Lampenfieber kommt vor», gibt Ulrike Günther zu. «Aber nach über zehn Jahren in dem Job ist man schon sehr sicher.» Die Flötistin beim Philharmonischen Orchester der Stadt Dortmund spielte während des Studiums bereits in einem Kurorchester in Süddeutschland und nahm parallel zur Ausbildung eine einjährige Aushilfsstelle im Dortmunder Orchester an. Sie hat ihren Traumberuf gefunden. «Man kann sich ausdrücken und bleibt lebendig», schwärmt Günther. Auch die unregelmäßigen Arbeitszeiten - häufig am Wochenende - stören sie nicht. Je nach Größe gibt es A-, B-, C- oder D-Orchester. Zur A-Kategorie gehört das Leipziger Gewandhausorchester, das nach Angaben des Orchesterbüroleiters Frank Schneider mit 185 Planstellen das größte der Welt ist. Bei einem renommierten Orchester verdienten die Musiker recht gut. «Ein Tuttigeiger kann da durchaus auf über 100 000 Mark Jahresgehalt kommen», sagt Gerald Mertens, Geschäftsführer der Deutschen Orchester-Vereinigung in Berlin. Die Masse der fast 11 000 Orchestermusiker in Deutschland liege aber deutlich darunter. So verdiene ein Musiker des Filmorchesters Babelsberg rund 2500 Mark Brutto im Monat. Die Entscheidung für den Beruf des Orchestermusikers ist keine kurzfristige. «Wer Erfolg haben will, muss schon in jungen Jahren exzellente Fähigkeiten und ein gutes Nervenkostüm haben», so Verbandschef Mertens. Jahrelanger Unterricht in der Kindheit geht dem Studium voraus, und bereits bei der Hochschul-Aufnahme wird die Spreu vom Weizen getrennt. «Nie mehr als die Hälfte der Bewerber besteht die Eignungsprüfung», so Birgit Wenkel, Prüfungsamtsleiterin des Fachbereichs Musik an der Universität Mainz. An der Musikhochschule Köln komme sogar nur jeder Zehnte an, weiß Prorektor Gerhard Peters. Ein «Genieparagraf» ermöglicht auch Musikern ohne Abitur das Studium. Bedingung ist die Mittlere Reife und eine entsprechende Aufnahmeprüfung. Im meist achtsemestrigen Studium stehen neben der Perfektionierung des Instrumenten-Spiels unter anderem Hörschulung, Tonsatz, Musikgeschichte und Orchesterstudien auf dem Stundenplan. Das Musizieren in einem Hochschulorchester ist obligatorisch. Abgeschlossen wird mit einem Diplom auf dem jeweiligen Hauptinstrument. Mit dem Diplom in der Tasche hat der Orchestermusiker aber noch nicht die letzte Hürde genommen - meistens folgen viele Probespiele. «Und das ist eine ganz harte Geschichte», so Flötistin Günther. Zwischen 100 und 200 Bewerbungen gingen auf ihre Stelle ein, 20 Kandidaten wurden eingeladen. In mehreren Runden wird der Bewerber unter Beurteilung des gesamten Orchesters geprüft. Abgehört wird ein breites Spektrum, ob Klassik oder Romantik, Solistisches oder Orchesterstücke. Trotz des Überangebots sei es schwer, geeignete Musiker zu finden, so Orchesterbüroleiter Schneider. An die 40 Probespiele musste Bassposaunist Thomas Reifenrath bis zur festen Anstellung hinter sich bringen, bevor er einen Jahresvertrag bei der Philharmonia Hungarica in Marl erhielt. «Der Weg zum Orchestermusiker erfordert viel Idealismus und eine wirkliche Liebe zur Musik», sagt Schneider. Von 1993 bis 1997 sind Mertens zufolge knapp 5000 Orchestermusiker mit ihrer Ausbildung fertig geworden, dem stehen in den Jahren 1998 bis 2002 nur rund 850 freiwerdende Stellen gegenüber. Eine Übersicht aller News gibts hier. |
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