![]() << Zurück zur JOBBER-Startseite >> |
|
2001-07-23 09:40:36 Gemeinsam lernen oder getrennt fördernGetrennten Unterricht kennen die meisten Schüler heute höchstens aus der Sportstunde. Ansonsten drücken Mädchen und Jungen zusammen die Schulbank. «Koedukation» nennt sich der gemeinsame Unterricht im Fachbegriff. Doch in den Augen vieler Experten hat die Koedukation keine wirkliche Gleichberechtigung gebracht. Gerade wenn es um die Benachteiligung der Mädchen in naturwissenschaftlichen Fächern geht, kommt deshalb auch die Wiedereinführung getrennten Unterrichts ins Gespräch. «Mein Wunsch ist eine echte Koedukation, die haben wir aber noch lange nicht erreicht», sagt Elisabeth Frank, Mitglied im Arbeitskreis «Koedukation» des Kultusministeriums Baden-Württemberg und selbst Studiendirektorin am Otto-Hahn-Gymnasium in Ostfildern bei Stuttgart. «Heute werden zwar Jungen und Mädchen gemeinsam unterrichtet, die Inhalte und Methoden sind allerdings häufig noch sehr einseitig auf die Interessen und Bedürfnisse der Jungen zugeschnitten», so Frank. Der Grund hierfür sei ein historischer: «Koedukation bedeutete bei ihrem Aufkommen Mitte der 60er Jahre vor allem, dass die bestehenden Jungenschulen ihre Pforten auch für Mädchen öffneten.» Der Unterricht sei jedoch in der Regel nicht an die neue Situation angepasst worden. Auch für Hannelore Faulstich-Wieland, Professorin für Erziehungswissenschaften an der Universität Hamburg, liegt in der Ausrichtung des Unterrichts auf beide Geschlechter die zentrale Bedeutung der Koedukation: «Egal, ob man Jungen und Mädchen zusammen oder vielleicht in einigen Fächern auch getrennt unterrichtet, es muss immer darum gehen, sich das Geschlechterverhältnis bewusst zu machen, also zu "reflektieren". Der Unterricht muss an die Interessen und Erfahrungen der Schüler anknüpfen, und die sind nun mal häufig bei Jungen und Mädchen verschieden.» Andrea Litzenburger ist stellvertretende Schulleiterin der katholischen Maria Ward-Schule für Mädchen in Mainz und glaubt, dass sich getrennt unterrichtete Schülerinnen besser entwickeln können: «Bei uns fehlt das dominante Verhalten der Jungen im Unterricht. Die Mädchen können sich freier entfalten, werden nicht zurückgedrängt.» Ganz automatisch finde in Mädchenschulen ein rollenspezifisches Verhalten gar nicht erst statt: «Bei uns müssen Mädchen eben alles machen, das gilt genauso für den naturwissenschaftlichen Unterricht wie für das Orchester.» Ganz anders sieht dies Willi Nikolay, Schulleiter des Clara-Schumann-Gymnasiums in Bonn: «Wir haben an unserer Schule eine Reihe von Versuchen mit getrenntem Unterricht gemacht, große Unterschiede haben wir dabei jedoch nicht festgestellt.» Allein ein Projekt bestehe weiterhin: «In den fünften und sechsten Klassen bieten wir eine Internet-Arbeitsgemeinschaft nur für Mädchen an. Dies hat sich als sinnvoll und notwendig erwiesen, da die Mädchen in der gemischten AG schon mal zu kurz kommen können.» Grundsätzlich hält Nikolay den gemeinsamen Unterricht auch deshalb für besser, weil sich ein normales, unverkrampftes Verhältnis zwischen den Geschlechtern entwickele. Auch das Spannungsverhältnis, das sich während der Pubertät aufbaue, lasse sich im Unterricht nutzen: «Man sollte die Unterschiede zwischen den Geschlechtern, ihre Rollen und bestehende Vorurteile thematisieren. So kann man zu einem respektvollen Umgang erziehen, den "Mini-Machos" auf die Sprünge helfen», findet der Schulleiter. Auch Elisabeth Frank kommt es darauf an, nicht nur die Mädchen im Blick zu haben. Jungen bräuchten viel stärker eine «emotionale Erziehung». Der Unterricht müsse auch thematisieren, dass es nicht nur darum ginge, cool und abgeklärt zu sein. Eine Übersicht aller News gibts hier. |
<< Zurück zur JOBBER-Startseite >> |