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2001-04-23 09:51:05 Als Kirchenmusiker im Dienst der GemeindeSchon vor einem Vierteljahrtausend konnte sich ein Kantor nicht nur der hohen Kunst widmen. Der geniale Bach musste den Knabenchor unterrichten, sich mit Behörden herumärgern und um jeden Orchestermusiker kämpfen. Auch heute kommt ein Kirchenmusiker selten zum Komponieren. Stattdessen stehen Kinder- und Seniorenchor, Schulgottesdienste, Flötenkreis, Gremiensitzungen und Pressearbeit auf dem Programm. «Man muss mit Leib und Seele dahinter stehen», sagt Jutta Timpe, Kreiskantorin im nordrhein-westfälischen Lünen. Wie die Pastoren hat sie montags ihren freien Tag, «das Wochenende ist zu mit Terminen». Die meiste Zeit nimmt die Gruppenarbeit ein. Für Jutta Timpe hat ihr Job deshalb klar einen pädagogisch-therapeutischen Schwerpunkt. «Das Lob Gottes organisieren», so drückt Herbert Hildebrandt seinen Auftrag aus. Er will mit Musik vermitteln, was ihm im christlichen Glauben wichtig erscheint. Als Domkantor am Berliner Dom ist er ausschließlich für die Chorarbeit zuständig, sein Kollege für den Orgeldienst - eine der wenigen Ausnahmen in Deutschland. «Sowas kann man sich nicht wünschen - dass man eine reine Chorstelle kriegt, ist ein Wunder», schwärmt Hildebrandt. Die «Traumstelle», die jedem Kirchenmusiker gefallen würde, gibt es nach Ansicht von Bernhard Reich, Präsident des Verbandes evangelischer Kirchenmusikerinnen und Kirchenmusiker in Deutschland in Nürnberg, aber nicht. Bunt wie die Stellen sind je nach Arbeitgeber auch die Titel: Der häufigste ist der des Kantors beziehungsweise der Kantorin, daneben findet man aber auch den Domkapellmeister, Kirchenmusikdirektor oder Dom-Organisten. Insgesamt gibt es bundesweit auf katholischer und evangelischer Seite jeweils rund 1800 hauptberufliche Kirchenmusiker, viele davon allerdings in Teilzeitstellen. Sie alle haben an einer staatlichen oder kirchlichen Hochschule den Grad eines Diplom-Kirchenmusikers erworben. Die Studieninhalte variieren je nach Bundesland, Konfession und Hochschule, der Aufbau des Studiums ähnelt sich allerdings. Nach der Aufnahmeprüfung zu Studienbeginn stehen zum Beispiel Gesang, Gehörbildung, Chorleitung, Orgelimprovisation, Tonsatz, Kirchengeschichte und Liturgik auf dem Stundenplan. Nach acht Semestern folgt in der Regel mit der B-Prüfung der erste berufsqualifizierende Abschluss. Mit vier weiteren Semestern kann der höhere A-Abschluss erworben werden, der zum Einsatz in größeren Gemeinden befähigen soll. C- und D-Ausbildung zielen dagegen auf eine nebenamtliche Tätigkeit ab. Die Stellenaussichten für Kirchenmusiker sind mehr als gut. «In wenigen Jahren sind nicht mehr alle Stellen zu besetzen», prognostiziert Siegfried Bauer, Präsident der Konferenz der Leiter der kirchlichen und staatlichen Ausbildungsstätten für Kirchenmusik und der Landesmusikdirektoren in der EKD in Stuttgart. Trotz oder gerade wegen der Finanzprobleme und schwindender Mitgliederzahlen - die Kirchen brauchen die Kirchenmusiker. «Vom Kind bis zur Oma erreicht man jeden mit Musik, und das wissen die Kirchen», so die Erfahrung von Kreiskantorin Timpe. Für Matthias Kreuels, Vorsitzender der Konferenz der Leiter katholischer kirchenmusikalischer Ausbildungsstätten Deutschlands in Aachen, besitzen Kirchenmusiker sogar das Potenzial, die Kirche insgesamt wieder attraktiver zu machen: «Dass über Musik die Kirche wieder voll wird, so wie in dem Film Sister Act, das halte ich nicht für einen Traum.» Eine Übersicht aller News gibts hier. |
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