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2001-10-29 23:35:14

Lebendiges Lernen beim Studium in Frankreich



Frankreich lockt mit Lebenskunst, Kultur und Wissenschaft. So träumen viele Deutsche davon, eine Zeit lang jenseits des Rheins zu studieren. Abwegig ist das nicht: Durch europäische Einigung und Globalisierung werden Sprachkenntnisse und Auslandserfahrung immer wichtiger.

Zwar mag sich mancher fragen, ob es nicht sinnvoller ist, die englischen Sprachkenntnisse zu verbessern und statt in Frankreich in England oder den USA zu studieren. Doch Experten sind anderer Meinung: «Auf dem Arbeitsmarkt ist man später viel interessanter, wenn man eine Sprache spricht, die nicht alle können und ein Land kennt, das nicht vielen vertraut ist», meint Achim Haag, Referatsleiter für Frankreich beim Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD) in Bonn.

Als Weltsprache sei Englisch zwar bedeutender, so Karl-Werner Hansmann, Professor für Betriebswirtschaftslehre an der Universität Hamburg: «Aber Frankreich ist Deutschlands wichtigster Handelspartner, und innerhalb der Eurozone hat Frankreich großes Gewicht.» Ein guter Zeitpunkt für einen Studienaufenthalt im Ausland sei nach der Zwischenprüfung, so Haag: «Da hat man schon eine fachliche Grundlage.»

Etwa ein Jahr vorher sollte die Planung des Aufenthaltes beginnen. Welche Hochschule in Frage kommt, lässt sich am eigenen Fachbereich oder über die Internetseiten der französischen Hochschulen ermitteln. Oft lohnt sich auch ein Besuch vor Ort. Zur Auswahl stehen Universitäten, Institute, Privathochschulen, Fachhochschulen sowie die renommierten Grandes Ecoles. Haag empfiehlt, eine Wunsch-Hochschule auszugucken und sich dann nach den Aufnahmemodalitäten zu erkundigen, da diese stark variieren.

Wer sein gesamtes Studium binational ausrichten möchte, sollte einen der 50 von deutschen Hochschulen angebotenen integrierten Studiengänge erwägen: Die Studieninhalte beziehen sich auf Deutschland und Frankreich, französisches Fachvokabular spielt eine große Rolle, und in der Regel werden drei Semester sowie Praktika in Frankreich verbracht. Absolventen erhalten die Diplome beider Partnerhochschulen. Für den Auslandsaufenthalt kann ein finanzieller Zuschuss von monatlich rund 600 Mark gewährt werden.

Integrierte Studiengänge gibt es in vielen Fachrichtungen: in Ingenieur-, Wirtschafts- und Naturwissenschaften ebenso wie in Informatik, Jura, Geschichte und Philologie. Gleiches gilt für Politik, europäische Medienkultur und bilinguales Lehramt. Auch das komplette Studium kann im Nachbarland absolviert werden. Abitur und erfolgreiche Teilnahme an einem Sprachtest sind Voraussetzung. Finanzielle Unterstützung von französischen Stellen können auch deutsche Studierende erhalten. Die Lebenshaltungskosten für Studierende in Frankreich veranschlagt der DAAD bei monatlich 1400 bis 2200 Mark, insbesondere Paris sei ein teures Pflaster.

Die Idee, sich in Frankreich durch Jobben den Studienaufenthalt zu finanzieren, solle man sich aus dem Kopf schlagen, warnt der DAAD. Eine höhere Wochenstundenzahl und zahlreiche Prüfungen ermöglichten höchstens kleine Nebenverdienste, zumal das französische Studienjahr keine Semesterferien kenne. BAFöG-Empfänger können ein Jahr Auslandsförderung beantragen. Sie wird nicht auf die Förderungshöchstdauer angerechnet und beinhaltet die Inlandsförderung, Studiengebühren und Reisekosten. Der DAAD vergibt Teilstipendien von monatlich 700 Mark plus Studiengebühren und Reisekosten an Studierende sowie Vollstipendien an Graduierte.

Das EU-Programm Sokrates umfasst einen monatlichen Zuschuss von 271 Mark sowie einen Platz im Studentenwohnheim. Plätze in Wohnheimen des französischen Studentenwerks oder privater Träger sind nicht leicht zu ergattern, aber die Mühe lohnt sich: «Ich hätte es leichter gehabt, Kontakte zu finden, wenn ich in einem Wohnheim gewohnt hätte», meint der Heidelberger Physikstudent Tobias Görlach, der als DAAD-Stipendiat ein Jahr in Grenoble verbrachte.

Um einen Wohnheimplatz sollte man sich schon ein Dreivierteljahr vor Abreise kümmern, insbesondere in Paris sind die billigen Unterkünfte begehrt. Paris als Studienort empfiehlt sich auf Grund des kulturellen Angebotes, bedeute aber auch Anonymität: «Lieber eine gute Provinzuniversität, statt in Paris als anonyme Nummer rumlaufen», spitzt Haag zu. Ob in Paris oder in der Provinz - ein Frankreich-Aufenthalt verändert, so Haag: Der Erfahrungshorizont wird erweitert, die fachliche und interkulturelle Kompetenz erhöht.

Nach einer oft nicht einfachen Eingewöhnungsphase mit emotionalen Höhen und Tiefen habe sie sich schließlich im Land heimisch gefühlt, so Romanistikstudentin Sandra Heidrich von der Universität Bielefeld Viele umgehen diese Probleme durch den häufigen Umgang mit anderen Ausländern. «Die Versuchung ist groß, denn am Anfang ist man oft einsam, und die Ausländer teilen mit einem das selbe Los», meint der Jurist Philipp Plog, der nach dem ersten Staatsexamen über ein DAAD-Jahresstipendium einen französischen Zusatz-Abschluss in Paris erwarb.

Das Studium in Frankreich sei tendenziell verschulter als in Deutschland, erläutert Haag: «Das ist aber auch ein Vorteil, denn es wird solides Grundwissen vermittelt, während in Deutschland oft ohne sichere Basis herumgefaselt wird.» Plog lobt die interessanten, ohne Skript gehaltenen Vorträge seiner französischen Professoren. Neben dem fachlichen Nutzen betont der Jurist den persönlichen Gewinn: «Frankreich ist ein tolles Erlebnis - sinnlich und lebensbejahend. Das hat mir sehr gut getan.»

Informationen: Ein «Studienführer Frankreich» kann angefordert werden beim Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD) in Bonn (Tel.: 0228/882-0, http://www.daad.de).


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