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2001-08-20 09:30:59 In 30 Tagen zum BetriebswirtLebenslanges Lernen und berufsbegleitende Weiterbildungsmaßmahmen: Schlagwörter, die seit langem als Rezept für einen guten Job, ein sicheres Gehalt und das Erklimmen der Karriereleiter gelten. Doch wer neben der Arbeit noch regelmäßig Fortbildungsseminare besucht, muss sehr viel Energie und Motivation aufbringen. Seminare kosten in der Regel Freizeit - und die verbringen viele Arbeitnehmer lieber mit der Familie als auf der Schulbank. «Die klassischen Weiterbildungskurse dauern etwa zwei Jahre, und das ist heute eine sehr lange Zeit», sagt Monika Matz, Leiterin der Abendschule der Deutschen Angestellten Akademie (DAA) in Köln. Teilnehmer, die tagsüber arbeiten müssen und sich nebenbei auch noch um Haushalt, Partner und Kinder kümmern, erfahren eine große Belastung, wenn sie abends noch voll konzentriert und lernfähig sein sollen. «Da kann es irgendwann zu Problemen im Beruf oder in der Partnerschaft kommen», so Matz. Viele Lernwillige - oder deren Angehörige - halten die langfristige Doppelbelastung nicht durch und brechen ihre Fortbildung ab: «Was nützt es, wenn das Diplom an der Wand hängt und der Partner ist weg», sagt Monika Matz. Die Deutsche Angestellten Akademie trägt dem Wunsch von Arbeitnehmern nach verkürzter Ausbildungszeit bereits seit einigen Jahren Rechnung. Neben dem klassischen Seminarangebot können daher seit einiger Zeit auch Kurse belegt werden, die in erheblich verkürzter Zeit zu einem Abschluss führen. So dauert zum Beispiel an den DAA-Standorten in Köln, Frankfurt Düsseldorf, Hamm und München die Fortbildung zum Betriebswirt (IHK) nur noch 30 Tage. Der Unterricht ist verteilt auf acht Monate. Zu den Lehrgangsinhalten zählen unter anderem Unternehmensstrategien, Marketing, Finanzierung, Organisation und Personalmanagement. Vorausssetzungen für die Teilnahme sind eine abgeschlossene Berufsausbildung und mehrjährige Berufserfahrung. Die Seminarkosten von etwa 5800 Mark zusätzlich Prüfungsgebühr von 900 Mark müssen die Teilnehmer selbst tragen. Auch hier gilt die in der Erwachsenenbildung übliche Regel, dass sich direkt zur Prüfung melden kann, wer die erforderlichen Kenntnisse nachweisbar bereits auf anderem Wege erworben hat. Neben dem Betriebswirt sind zur Zeit noch andere Kurzfortbildungen durch die DAA möglich. Der Fachkaufmann für Marketing in 18 Tagen, der Personalfachkaufmann und der Fachberater für Finanzdienstleistungen in jeweils 15 Tagen stehen auf dem Lehrplan. Auch bei diesen Seminaren ist der Unterricht auf mehrere Monate verteilt. Die extrem kurze Seminardauer basiert auf einem Konzept von Marius Ebert. Der Diplom-Kaufmann aus Königswinter hat sich auf die vereinfachte Vermittlung von betriebswirtschaftlichem Basiswissen spezialisiert. Das erste Seminar fand 1990 mit Studenten der Universität Münster statt. Unterrichtet wird nach der so genannten «Spaß-Lern-Denk-Methode»: «Unser Ziel ist es, den Lernstoff und die Seminarinhalte zu vereinfachen und auf das Wesentliche, das Wichtigste zu komprimieren», sagt Marius Ebert. «Gleichzeitig fließen aber auch motivierende Elemente wie zum Beispiel Bewusstseinstraining und Entspannungstechniken in diese Methode ein.» In einer Zeit, in der sich Lerninhalte ohnehin sehr schnell verändern und ständiges Weiterlernen erfordern, setzen Ebert und seine Mitarbeiter auf eine möglichst schnelle Basisfortbildung. Für detaillierte Spezialisierung sei dann später immer noch Gelegenheit. Doch die Crash-Kurse haben nicht nur Freunde - viele Kritiker halten eine derart reduzierte Wissensvermittlung für ausschließlich prüfungsorientiert und daher unseriös. «Auch wir befürworten verkürzte Seminardauer, straffe Organisation und überschaubare Stoffvermittlung», sagt Christian Olejnik vom Institut für Managementlehre in Essen. «Aber es gibt bei komplexen Themenbereichen wie der Wirtschaft eine Grenze der Vereinfachung, die man im Interesse der Seminarteilnehmer nicht unterschreiten sollte.» Als bedenklich empfindet Olejnik zum Beispiel auch die entstandene Diskrepanz zwischen Empfehlungen des Deutschen Industrie- und Handelstages (DIHT) und der Realität von Crash-Kursen: «Für die Fortbildung zum Technischen Betriebswirt empfiehlt der Prüfungsplan des DIHT 650 Stunden, aber bestimmte Lehrgangsanbieter ziehen das in 200 Stunden durch.» In einem Punkt herrscht in Fachkreisen jedoch Einigkeit: Die Bereitschaft, sich ein ganzes Berufsleben lang lernbereit zu halten, gilt heute als wichtiger denn je. Ob das im Bereich der Fortbildung mit Hilfe von komprimierten oder herkömmlichen Lehrgängen geschieht, ist letztlich eine Frage der persönlichen Neigung: «Es muss schließlich jeder selbst entscheiden, ob er in kurzer Zeit sehr intensiv lernen kann oder lieber über einen längeren Zeitraum ein etwas entspannteres Pensum bewältigt», sagt Sandra Hoffmann vom Geschäftsbereich Berufsbildung der Industrie- und Handelskammer (IHK) Köln. «Wer sich darüber nicht sicher ist, sollte die Möglichkeit nutzen, zunächst als Gasthörer entsprechende Seminare kennenzulernen. Diese Möglichkeit besteht fast immer - und macht die Wahl leichter.» Eine Übersicht aller News gibts hier. |
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