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2001-08-20 09:36:24

Schifffahrtskaufmann - Logistik-Beruf mit Zukunft



Kaufleute arbeiten nicht nur in Industriebetrieben oder Banken. Auch Schifffahrtsunternehmen brauchen Angestellte, die ein Auge auf das Geld haben. Sie organisieren den Güterverkehr über See und sorgen für den reibungslosen Ablauf im Hafen.

«Schifffahrtskaufleute beschäftigen sich mit allem, was mit dem Transport von Gütern und Fahrgästen auf Schiffen zu tun hat», erklärt Klaus Bültjer vom Zentralverband Deutscher Schiffsmakler in Hamburg.

Klassische Arbeitgeber sind Befrachtungsagenten und Schiffsmakler. Hier sind Schifffahrtskaufleute etwa dafür zuständig, Schiffe für eine zu befördernde Ladung zu suchen. Bei Reedereien verkaufen sie den zur Verfügung stehenden Transportraum an Unternehmen, die Frachtgut verschiffen wollen. So sorgt der Schifffahrtskaufmann für die Auslastung des Laderaums und achtet darauf, dass Güter reibungslos und kostengünstig von einem Ort zum anderen befördert werden.

Die Mehrzahl der Ausbildungsplätze ist in den Seehäfen zu finden. Auch in der Binnenschifffahrt sind aber viele Schifffahrtskaufleute beschäftigt. Beim Unternehmen Rhein-, Maas- und See-Schiffahrtskontor (RMS) in Duisburg durchlaufen die Auszubildenden laut Ausbildungsleiter Karlheinz Benke verschiedene Abteilungen. Dazu gehören die Befrachtung, die Buchhaltung sowie die so genannte Klarierung. «Darunter versteht man die Betreuung von Schiffen beim Hafenmeister, das Erledigen von Zoll- und Meldesachen», erklärt Benke. Dabei gehen Schifffahrtskaufleute an Bord, besprechen mit den Kapitänen die Ladeliste, koordinieren die Umschlagsarbeiten und überwachen den Weitertransport der Güter.

Die dreijährige Ausbildung, die Fachoberschüler auf zweieinhalb und Abiturienten auf zwei Jahre verkürzen können, umfasst neben kaufmännischen Inhalten auch Recht und Schifffahrtslogistik. Ob Ware über den Schiff- oder den Landweg transportiert wird - mit allen Verkehrsträgern muss sich der Schifffahrtskaufmann auskennen. Voraussetzung für den Beruf ist laut Gesetzgeber der Hauptschulabschluss. «Heute sind die Anforderungen in dem Beruf aber so groß, dass meist nur Realschüler, Fachoberschüler und Abiturienten eingestellt werden», fügt Klaus Bültjer hinzu.

Weil Englisch auch im internationalen Schiffsverkehr Weltsprache ist, sind gute Kenntnisse der Sprache für Schifffahrtskaufleute ein Muss. Wichtig sei auch, sich auf der Weltkarte auszukennen. Karlheinz Benke findet es wichtig, dass Bewerber Kundenorientierung und eine «gesunde Portion Menschenverstand» mitbringen. «Wir brauchen weltoffene Mitarbeiter. Wir arbeiten schließlich mit Menschen aus ganz Europa zusammen», fügt er hinzu.

Nach der Ausbildung spezialisieren sich die Kaufleute in der Regel auf einen Arbeitsbereich. Wolfgang Heinzel, Schifffahrtskaufmann beim Schifffahrts-Dienstleister Sartori und Berger, hat sich für die Vor-Ort-Betreuung der Schiffe im Hafen von Kiel entschieden. Heute leitet der 54-Jährige die Niederlassung im Vorort Holtenau. Er ist der Ansicht, dass Schifffahrtskaufleute kontaktfreudig sein müssen und sich für Schifffahrt interessieren sollen. Auch ein Verständnis von Zahlen und eine hohe Einsatzbereitschaft seien in dem Beruf wichtig. Weil Schiffe 24 Stunden am Tag und sieben Tage in der Woche fahren, müssen Schifffahrtskaufleute häufig abends und am Wochenende arbeiten.

In Hamburg verdienen Auszubildende im ersten Lehrjahr 1105 Mark, im zweiten und dritten je rund 160 Mark mehr. Die späteren Verdienstmöglichkeiten lassen sich Klaus Bültjer zufolge schwer einschätzen. Während manche Schifffahrtskaufleute überwiegend in der Sachbearbeitung tätig sind, wickeln andere eigenverantwortlich Geschäfte ab. Berufseinsteiger erhalten in der Regel aber mindestens 3500 Mark brutto.

Eine Weiterbildungsmöglichkeit für Schifffahrtskaufleute ist der Besuch einer Verkehrsakademie. Die Akademie Hamburger Verkehrswirtschaft (AHV) bietet etwa einen Abschluss als Verkehrsfachwirt im Güterverkehr an. Studiengänge für Verkehrwirtschaft, Verkehrsbetriebswirtschaft, Logistik oder Güterverkehr gibt es an zahlreichen deutschen Fachhochschulen. Auch ein Universitätsstudium zum Diplom-Kaufmann ist sinnvoll.

Nach der Ausbildung bieten sich Schifffahrtskaufleuten nicht nur Perspektiven an der Waterkant. Auch Reedereivertretungen im Inland, Speditionen und internationale Logistik-Dienstleister suchen Kaufleute, die organisieren können und international erfahren sind. Die Berufsaussichten sind laut dem Zentralverband Deutscher Schiffsmakler sehr gut. Logistik ist eine Wachstumsbranche, und die Verschiffung spielt immer noch eine wichtige Rolle im Güterverkehr. «Logistikunternehmen reißen sich um ausgebildete Schifffahrtskaufleute. Schifffahrtskaufmann ist also auf jeden Fall ein Beruf mit Zukunft», so Karlheinz Benke.

Informationen: In der Reihe «Blätter zur Berufskunde» ist der Titel «Schifffahrtskaufmann/frau» erschienen. Die Broschüre ist unter der Bestellnummer 1-IX A 202 bei allen Berufsinformationszentren der Arbeitsämter erhältlich.

Literatur: Günter Malchow und Dieter Schulze: «Güterverkehr über See. Ein Lernbuch für Schifffahrtskaufleute.» Herausgegeben vom Verband Deutscher Reeder und vom Zentralverband Deutscher Schiffsmakler, Stern Verlag, ISBN 3923603-00-2, 66 Mark.


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