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2001-07-19 12:08:45 Nebenfächer in Grundschule wichtigTäglich eine Stunde Musik - so lautet die Empfehlung von Reinhard Horn für die Stundenplangestaltung an Grundschulen. «Denn Musik fördert die gesamte Persönlichkeit, vom Intellekt bis zur sozialen Kompetenz», sagt der Musiker und Studiendirektor in Lippstadt. In der Kombination mit Sport sei Musik ideal: «Bewegung, Rhythmus und Lernen gehören zusammen.» Der 45-Jährige beruft sich dabei auch auf neue lerntheoretische Erkenntnisse. Und er weiß, dass diese weit entfernt von der Realität des deutschen Schulalltags liegen. Nicht von ungefähr erklärt der allgemeine Sprachgebrauch Fächer wie Kunst, Werken, Textiles Gestalten, Musik und Sport zu so genannten Nebenfächern. Sie gehören zwar zum Pflichtprogramm der Grundschulen, doch ihre im Vergleich zu Deutsch, Mathematik und Sachkunde untergeordnete Stellung, zeigt ihre geringe Wochenstundenzahl und ihre hohe Ausfallquote. «Geradezu deprimierend», findet Renate Hendricks, Vorsitzende des Bundeselternrates in Bonn, dass Eltern viel zu wenig über neue Lerntheorien und Unterrichtsformen wissen. Elterliches Interesse, so ihre Erfahrung, konzentriere sich noch immer vorrangig auf die so genannten Lernfächer. Schließlich ist deren Benotung für die Aufnahme in die weiterführenden Schulen entscheidend. Aber wie wichtig sind musische und gestalterische Aktivitäten in der Grundschule wirklich? Experten meinen, dass diese Fächer in den ersten vier Schuljahren eine ganz entscheidende Rolle spielen. «Nicht nur, weil sie ein wesentliches Stück Kultur vermitteln», wie Christian Hoer vom Staatsinstitut für Schulpädagogik in München, Bereich Musik, betont. Auch Projekte und Untersuchungen, die vom Bundesministerium für Bildung und Wissenschaft in Berlin gefördert wurden, bestätigen den positiven Effekt: Danach fördern musisch-kreative Aktivitäten bereits in der Grundschule viel mehr als nur die kreative Begabung. Positiv beeinflussen sie die allgemeine Intelligenz und Lernfähigkeit, die soziale Kompetenz, die Konzentration, das Selbstbewusstsein und die Toleranz gegenüber anderen Menschen. Ein zukunftsgerichtetes, aber noch unterschätztes Argument rückt dabei in den Blickpunkt: Viele neue Berufsfelder, die sich etwa aus der Vernetzung neuer Technologien mit Kultur- und Unterhaltungsindustrie ergeben, erfordern neben technischer Kompetenz kreative Fähigkeiten. Musik unterstützt offenbar besonders viele Facetten geistiger Entwicklung der Sechs- bis Zehnjährigen. So raten Musikpädagogen auch deshalb zum Erlernen eines Instrumentes, weil schon das einfachste Musikstück ein komplexes Bündel an geistigen und motorischen Aktivitäten, an abstraktem Denken und feiner Wahrnehmung in Gang setzt. Aufmerksamkeit erregte im vergangenen Jahr die Veröffentlichung einer Studie von Professor Hans Günther Bastian, Musikpädagoge in Frankfurt. Sechs Jahre lang hatte Bastian an Grundschulen in Berlin einen erweiterten Musikunterricht angeboten, das Erlernen eines Instrumentes und das Musizieren im Ensemble eingeschlossen. Der Vergleich mit konventionellem Musikunterricht, der auf eine Wochenstunde begrenzt ist, fiel eindeutig aus: Der erweiterte Musikunterricht verbesserte den Untersuchungen zufolge langfristig die Intelligenzentwicklung der Kinder. Interessant war, dass der zusätzliche Zeitaufwand durch das Proben nicht zu Lasten der allgemeinen schulischen Leistungen ging. Dass ähnliche Ergebnisse auch durch den intensiven Umgang mit Farbe und Gestaltung erreicht werden können, bewies die Grundschule Osterholz in Bremen. Kunsttherapeutische Ansätze steigerten bei Mädchen und Jungen die in sozialen Brennpunkten der Stadt wohnen, Selbstwertgefühl und Kontaktfähigkeit. Aggressionen dagegen nahmen ab. Die Arbeitsgruppe Grundschule des Bundes Deutscher Kunsterzieher in Hannover betont, dass Grundschüler für die Ausbildung von Denken und Sprache Bilder und gestalterisches Arbeiten bräuchten, damit sich mit den Worten Sinn verbinde. Eine Übersicht aller News gibts hier. |
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