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2001-06-18 09:38:57 Ehemalige Studenten helfen ihren UnisJährlich verlassen Hunderttausende Absolventen Deutschlands Hochschulen. Oft reißt die Verbindung zu Universität und Kommilitonen nach dem Diplom schnell ab. Absolventen-Netzwerke wollen das ändern, denn die Vorteile der Kontaktpflege sind zahlreich. Die so genannten Alumni-Initiativen gibt es im Ausland schon lange. «Wir erfinden da in Deuschland das Rad nicht neu», sagt Christian Kramberg, stellvertretender Vorsitzender des Absolventenvereins der Universität Mannheim. «In den USA sind solche Organisationen seit 350 Jahren gängige Praxis.» Hier zu Lande stehen die Vereine erst am Anfang. Der Verein AbsolventUM in Mannheim etwa wurde 1995 gegründet und ist damit eines der ältesten Netzwerke. Die Ziele sind vielfältig. «Wir wollen ein Netzwerk von Lehrenden, Studierenden und Ehemaligen knüpfen», erklärt Holger Impekoven, der zurzeit ein Alumni-Netzwerk an der Universität Bonn aufbaut. Geplant ist unter anderem eine Praktikumsbörse, wo Ehemalige den Studenten von heute beim Berufseinstieg helfen können. Eine solche Einrichtung gibt es im Fach «Sprachen, Wirtschafts- und Kulturraumstudien» in Passau schon lange. «Wir schicken jede Woche an alle Mitglieder des Netzwerks einen Newsletter mit bis zu 20 Praktikumsangeboten und Stellenanzeigen», sagt Anke Fehring, die stellvertretende Vorsitzende des so genannten KuWi-Netzwerks ist. «Ein großer Teil dieser Angebote kommt aus Unternehmen, in denen heute Absolventen des Studiengangs arbeiten.» Außerdem stellen die Mitarbeiter des Netzwerks jedes Jahr ein Absolventenbuch mit Lebensläufen zusammen, das an rund 600 Unternehmen gesandt wird. «Die Firmen wenden sich dann direkt an die Bewerber», erklärt Fehring. Auch dank dieser engen Verknüpfung von Hochschule und Berufswelt finden 95 Prozent aller Absolventen des Studiengangs innerhalb von sechs Monaten nach ihrem Abschluss eine feste Anstellung, fügt sie hinzu. Mit der Kumpanei der Burschenschaften, wo die so genannten alten Herren für Absolventen ihre Kontakte in das Berufsleben spielen lassen, hätten Alumni-Initiativen aber nichts zu tun, so Holger Impekoven. «Das funktioniert heute doch gar nicht mehr. Dafür sind die Hochschulen viel zu groß.» Im Vordergrund stehe bei Alumni-Netzwerken der Austausch von Hochschule und Praxis, sagt auch Christian Kramberg. Mannheim und Freiburg haben zudem in der ganzen Welt regionale Alumni-Clubs gegründet, um vor Ort Ansprechpartner für Studenten zu schaffen. «Wenn zum Beispiel jemand für ein Jahr zum Studieren nach Korea geht, kann er sich dort an einen ehemaligen Gaststudenten aus Freiburg wenden», erklärt Rudolf-Werner Dreier, Geschäftsführer des Alumni-Vereins der dortigen Uni. Ehemalige sollen sich aber nicht ohne Grund für ihre alte Hochschule engagieren. Ihnen bietet die Uni Freiburg wissenschaftliche Weiterbildungen mit Alumni-Rabatt an. «Wenn jemand fünf Jahre an einer Universität studiert hat, spürt er eine gewisse Verbundenheit zu ihr. Also ist er oft auch bereit, sich für seine alte Hochschule einzusetzen», so Dreier weiter. Darauf hoffen viele Universitäten in Deutschland. «Zurzeit schießen die Absolventennetzwerke in Deutschland wie Pilze aus dem Boden», sagt er. Auf der Internetseite der Alumni-Clubs sind bundesweit mittlerweile rund 100 Vereine verzeichnet. Die Gründe für den Zuwachs sind vielfältig. Einer ist der Imagegewinn für die Hochschule. «Die Zielgruppe sind zwar in erster Linie die Studierenden von heute», sagt Martina Krechel, die in Bonn am Aufbau des Alumni-Netzwerkes mitarbeitet. «Langfristig streben wir aber einen stärkeren Bezug zwischen Ehemaligen und ihrer Universität an. Dann schicken Ex-Studenten ihre Kinder vielleicht lieber nach Bonn als an eine andere Universität. Oder sie vergeben ein Forschungsprojekt vielleicht eher nach Bonn als nach München», so Krechel. Ein anderer Grund, Absolventen-Netzwerke einzurichten, ist der Wettbewerbsdruck, dem sich Hochschulen heute stellen müssen. «Universitäten müssten sich heute verstärkt voneinander, aber auch von anderen Bildungseinrichtungen abgrenzen», sagt Lars Tutt, der sich im Centrum für Hochschulentwicklung in Gütersloh mit Strategien und Marketing von Hochschulen beschäftigt hat. «Die Beurteilung der Hochschulen wird immer weniger Forschung und Lehre allein in den Mittelpunkt stellen. Auch die Betreuung von Studierenden während und nach ihrem Studium wird an Bedeutung gewinnen», sagt er voraus. Darüber hinaus erwarten sich viele Hochschulrektoren auch ein finanzielles Engagement von ihren Ehemaligen. In den USA etwa sind Spenden von Alumni ein fester Bestandteil im Jahresetat der Hochschulen. Auch in Deutschland geht die Entwicklung in diese Richtung. «Weil der Anteil der öffentlichen Hand an der Finanzierung geringer wird, müssen Universitäten sich andere Geldquellen erschließen», so der Hochschulberater. In Mannheim etwa kann in Zukunft ein Absolvent mit seinem Unternehmen Mitglied werden. Hochschulen erhoffen sich davon auf lange Sicht zusätzliche Geldmittel. Bis dahin ist es an den meisten Universitäten aber noch ein weiter Weg. Am Anfang steht das Erstellen einer Datenbank, die möglichst viele engagierte Ehemalige erfasst. «Das ist eine Sisyphus-Arbeit», so Rudolf-Werner Dreier. Informationen: Eine bundesweite Übersicht von Initiativen findet sich im Internet unter http://www.Alumni-clubs.de und http://www.Alumni-germany.de. Eine Übersicht aller News gibts hier. |
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