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2001-07-17 09:55:56 Die Hauptschule behauptet sichFrüher hieß die Hauptschule noch Volksschule und verstand als Bildungseinrichtung für die breite Mehrheit aller Schüler. Nun hat der Konkurrenzkampf auf dem Arbeitsmarkt einen Run auf höhere Bildungsabschlüsse ausgelöst. Doch die Hauptschulen wehren sich gegen das Image des Schmuddelkinds in der Bildungspolitik. «Dass es immer weniger Hauptschüler geben wird, ist jedenfalls falsch», sagt Karl Spelberg, Leiter der Abteilung Berufliche Bildung beim Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) in Berlin. «So haben 1999 bundesweit 239 000 Schüler einen Hauptschulabschluss gemacht, im Jahr 2006 werden es 247 000 sein.» Die großen Verschiebungen innerhalb der Schulformen haben nach Spelbergs Beobachtung bereits in den siebziger und achtziger Jahren stattgefunden. «Mittlerweile tut sich da eher wenig.» Der Anteil der Hauptschüler hat sich zumindest in Westdeutschland auf 30 Prozent eines Jahrgangs eingependelt. Gegen die Formulierung von der «Hauptschule als Restschule» wehrt sich deswegen auch Hans-Jürgen Brackmann von der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) in Berlin und Vorsitzender der Initiative Hauptschule, einem Zusammenschluss von mittlerweile rund 30 Organisationen. Die Hauptschule ist nach Brackmanns Einschätzung «kein hoffnungsloser Fall». Zwar gebe es Probleme, gerade in sozialen Brennpunkten und in Schulen mit hohem Ausländeranteil. «Aber wir sehen Anzeichen für einen Imagewandel.» Damit Hauptschüler nach dem Schulabschluss bessere Karten beim Berufseinstieg haben, macht sich die Initiative Hauptschule für engere Kontakte zwischen Schulen und Unternehmen stark. Die vielfach noch üblichen, zwei Wochen kurzen Schnupper-Praktika seien keinesfalls ausreichend. Gerade Hauptschüler bräuchten die Praxisorientierung, sagt Brackmann. Sie sollten schon vor dem Schulabschluss möglichst viel Gelegenheit bekommen, Betriebe kennen zu lernen. Einen positiven Trend für die Hauptschule sieht auch Josef Kraus, Präsident des Deutschen Lehrerverbands in Bonn, der sich gleichfalls in der Initiative Hauptschule engagiert. «Die Hauptschule war der Verlierer der Bildungsreform der siebziger Jahre», «aber das hat sich konsolidiert.» In Bayern etwa liege der Anteil der Hauptschüler bei 40 Prozent eines Jahrgangs. «Und die kommen nach der Schule auch alle unter.» Die Einstellung «Hauptschüler nehmen wir nicht», die in den achtziger Jahren bei vielen Unternehmen zu beobachten gewesen sei, spiele keine so große Rolle mehr. Die Initiative Hauptschule hat sich zum Ziel gesetzt, der Schulform auch einmal positive Schlagzeilen zu verschaffen. Ein Beitrag dazu ist der Hauptschulpreis, der erstmals 1999 vergeben wurde. Am diesjährigen Wettbewerb, der Beispiele von Eigeninitiative gewürdigt hat, wurden 36 Schulen ausgezeichnet - mit einem Preisgeld der Hertie-Stiftung in Frankfurt von insgesamt 120 000 Mark. Den Hauptpreis konnten die Schüler der Hauptschule aus dem bayerischen Taufkirchen Anfang Mai im Schloss Bellevue in Berlin entgegennehmen. Alles eitel Sonnenschein also? «Gerade in vielen Großstädten ist die Hauptschule zur Problemschule geworden», sagt Karl Spelberg. Und in der Ausbildung haben Hauptschüler oft Probleme, gerade im theoretischen Teil der Prüfungen. In den Metall- und Elektroberufen etwa seien die Anforderungen in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen. Die anstehende Neuordnung dieser so genannten M- und E-Berufe werde das Problem noch verstärken. Hinzu komme, dass in vielen Berufen inzwischen auch Internetkenntnisse und zumindest fachbezogenes Englisch gebraucht würden. Hauptschüler haben es also auch künftig nicht leicht. «Aber es ist falsch zu sagen, mit dem Hauptschulabschluss kann man nichts anfangen», sagt Spelberg. «Nach der Lehre kann auch ein Hauptschüler den Meister machen. Und in Niedersachsen kann man danach sogar studieren.» Informationen: Im Internet unter http://www.ghst.de und http://www.lehrerverband de. Eine Übersicht aller News gibts hier. |
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