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2001-06-11 10:14:54 Segelmacher - Beruf mit RückenwindUm die Welt segeln und nebenbei das Schiff in Stand halten - diese romantische Vorstellung vom Beruf des Segelmachers entspricht in der Regel nicht der Wirklichkeit. Die meisten Segelmacher sind keine Wandervögel. Die Arbeit eines Segelmachers beschränkt sich nicht auf das Zuschneiden und Nähen von Segeln. Die kleine Zunft der rund 150 Segelmacher in Deutschland stellt Zelte, Planen für Lastkraftwagen, Markisen, Sonnenschirme, Persenninge, Eckpolster für Boxringe und Werbeplanen her. «Die Segelmacherei ist abwechslungsreich. Immer wieder stellen wir Einzelanfertigungen her, die speziell angepasst werden und den Wünschen der Kunden entsprechen müssen», erklärt Wolfgang Jagow, Vorsitzender des Prüfungsausschusses bei der Innung des Segelmacherhandwerks in Hamburg. In seinem Familienbetrieb gibt es außer den üblichen Markisen- und Yachtsegel-Bestellungen schon mal Spezialaufträge wie die Polsterung eines Fahrstuhls von innen und außen für den Transport oder eine Überdachung für die Hollywood-Schaukel. «Außerdem gibt es viele Möglichkeiten sich zu spezialisieren: Ein Betrieb in Hamburg stellt nur Zirkuszelte her. Die Produktion erstreckt sich auf ganz Europa.» Wer sich auf die Arbeit am Boot konzentrieren will, sollte auf jeden Fall ein passionierter Segler sein. «Nur mit praktischen Erfahrungen entwickelt man ein Gefühl dafür, wie ein schnelles Segel beschaffen sein muss und kann das in der Arbeit umsetzen», erklärt Werner Fritz, Segelmachermeister aus Prien am Chiemsee. Zudem sollte man Spaß am Segeln haben und ein wenig herumkommen wollen: «Gerade bei der Regatta-Betreuung ist viel Wochenendarbeit angesagt, mit Fahrten von der Ostsee bis ans Mittelmeer. Wer nicht mit Leib und Seele dabei ist, verliert schnell die Lust.» Auch Kati Jäger aus Schwerin hat mit der Segelmacherei ihr Hobby zum Beruf gemacht: «Ich habe bereits zu Schulzeiten Segeln als Leistungssport betrieben. Nach der Wende habe ich eine Lehre in Heiligenhafen gemacht.» 1992 kam sie nach Schwerin zurück und gründete ihre eigene kleine Werkstatt. Obwohl sie in ihrem Handwerk kaum reich werden wird, hat sie nach wie vor Spaß an der Sache. Die Arbeit als Segelmacher an der See ist körperlich anstrengend, trotzdem ist Kati Jäger als Frau keine Exotin in ihrem Beruf. «Wir haben einen Frauenanteil von rund 20 Prozent in unseren Berufsschulklassen», erzählt Joachim Steußloff, Abteilungsleiter des maritimen Bereichs an der Landesberufsschule für das Segelmacherhandwerk in Lübeck-Travemünde. Körperliche Fitness reicht nicht aus: «Geschickte Hände und Grundkenntnisse der Geometrie und Mathematik sollte man mitbringen», sagt Joachim Steußloff. Außerdem sind Computerkenntnisse von Nutzen: «Der Entwurf von Segeln wird heute hauptsächlich am Computer erarbeitet. Auch die Stoffe werden computergesteuert zugeschnitten, bevor es ans Nähen geht.» In drei Ausbildungsjahren lernt ein Segelmacher nicht nur, wie Schnittmuster für Segel und Zelte entworfen, auf die Stoffe übertragen und genäht werden. Genauso wichtig ist das Anbringen der fertigen Segel, bei dem man Kenntnisse von Knotentechniken und Takelungsarten benötigt. Zudem besteht ein ständiger Kontakt zu den Kunden - Begutachtung und Montage finden dabei oft vor Ort statt. In Travemünde treffen sich die Segelmacher-Lehrlinge aus ganz Deutschland: In der Ostsee-Stadt steht ihre bundesweit einzige Berufsschule. Während der dreijährigen Lehrzeit können Auszubildende im ersten Jahr mit einem Gehalt von 400 Mark rechnen, im zweiten Jahr sind es 480 und im dritten Jahr schließlich 570 Mark. «Der Unterricht findet in neun vierwöchigen Blöcken statt. Pro Jahr bilden wir etwa 30 Schüler aus», sagt Steußloff. Über 80 Prozent der Lehrlinge kommen aus dem Norden und Osten Deutschlands, nur wenige aus dem Süden. «Die meisten Segelmacher sitzen heute an der Waterkant, im Süden gibt es nur noch wenige», bedauert der Vorsitzende des Bundesverbands des deutschen Seiler-, Segel- und Netzmacherhandwerks, Ruppert Hutterer aus München. Eine Ausnahme ist der Familienbetrieb von Werner Fritz. Die Ferne zum Meer ist für ihn kein Problem: «Wir stellen nicht nur Regatten-Segel für die bayerischen Binnenseen her, wir liefern auch viel an die Adria.» Jagow hat noch von keinem Segelmacher gehört, der langfristig ohne Arbeit gewesen wäre: «Obwohl es ein Saisonbetrieb ist, sind die Aussichten gut. Spätestens im Frühling kommen alle wieder unter.» Wer also sein Herz an die See und das Segeln verschenkt hat, kann nach fünfjähriger Berufserfahrung die Meisterprüfung ablegen und als selbstständiger Segelmacher die Anker lichten. Informationen: In der Reihe Blätter zur Berufskunde ist unter der Bestellnummer 1-II E302 der Titel «Segelmacher/in» erschienen. Das Heft ist kostenlos bei allen Berufsinformationszentren der Arbeitsämter erhältlich. Auf den Internetseiten des Arbeitsamts gibt es zudem eine Berufskurzbeschreibung unter der Adresse http://www.arbeitsamt.de/hst1/services/bsw/biz/biz_online/bkb/ bkb_s/index.html. Auskünfte erteilt auch die Landesberufsschule für das Segelmacherhandwerk, Wiekstraße 5, 23570 Lübeck-Travemünde (Tel.: 04502/88 71 33. Eine Übersicht aller News gibts hier. |
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