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2001-12-10 09:42:25 Lernen mit HandicapHamburg (gms) - Ihr Studium ist der Lebensmittelpunkt für Sabine Wonka. Doch für die junge Frau, die an der Ruprecht-Karls-Universität in Heidelberg Anglistik und Germanistik studiert, ist jeder Tag an der Hochschule mit Schwierigkeiten verbunden. Seit ihrer Geburt ist sie durch eine Spastik gehbehindert, auch die Motorik der Hände ist eingeschränkt. Eigentlich sollten behinderte Studenten an deutschen Hochschulen die gleichen Chancen haben wie ihre Kommilitonen ohne Handicap. Doch auch wenn sich die Situation behinderter Studenten bessert - ihre Belange werden längst nicht immer berücksichtigt. Seit Sabine Wonka wegen der allmählichen Verschlechterung ihres Hüftleidens auf den Rollstuhl angewiesen ist, besucht die junge Frau kaum noch Vorlesungen. Die Stufen vor fast allen Gebäuden versperren ihr den Weg. «Hätte ich zu Beginn meines Studiums bereits einen Rollstuhl benötigt, hätte ich mich gar nicht erst in Heidelberg eingeschrieben», sagt sie. Sie müsse nun die Hochschule wechseln. Wer auf eine behindertengerechte Umgebung angewiesen ist, sollte die favorisierte Hochschule und den Hochschulort besonders gut unter die Lupe nehmen, rät Renate Langweg-Behörster vom Deutschen Studentenwerk in Bonn. Sie leitet dort die Informations- und Beratungsstelle Studium und Behinderung. Die Voraussetzungen an deutschen Hochschulen seien ausgesprochen unterschiedlich. Daher sollte man sich vor Beginn des Studiums bei der Hochschule kundig machen, etwa durch ein Gespräch mit dem Behindertenbeauftragten. Zwei Prozent der Studenten an deutschen Hochschulen leben mit einer Behinderung. Weitere 13 Prozent gelten als chronisch krank, so die Zahlen des Deutschen Studentenwerks. Einige Hochschulen haben sich darauf eingerichtet: Zum Beispiel wurde 1989 an der Universität Hamburg der so genannte Betty-Hirsch-Raum eingerichtet. Dort können vor allem Blinde und Sehbehinderte an speziell ausgestatteten Computern arbeiten. «Das Angebot wird von den Studierenden gut angenommen», sagt Professor Klaus-Burkard Günther, Behindertenbeauftragter der Universität Hamburg. Das bestätigt auch der blinde Informatikstudent Christian Gerhard, der als studentische Hilfskraft im Betty-Hirsch-Raum arbeitet. Zur Zeit bereitet er sich außerdem auf sein Vordiplom vor. Dabei hat er zwei Möglichkeiten, sich die Studienliteratur zugänglich zu machen: Entweder eine Kommilitonin spricht sie ihm auf Kassette oder er besorgt sie sich in elektronischer Form aus dem Internet. Eine Sprachausgabe am Computer liest ihm den Lernstoff dann vor. Finanzielle Unterstützung für diese behinderungsbedingten Mehrkosten vom Sozialamt, die so genannte Eingliederungshilfe, erhält Gerhard im Gegensatz zu vielen seiner behinderten Kommilitonen nicht. Der Grund ist die Tatsache, dass er vor dem Studium bereits eine andere Ausbildung abgeschlossen hatte. Behinderte, die sich für ein Studium interessieren, sollten sich wegen der Finanzierungsfragen vor dem Studium beispielsweise durch das Arbeitsamt individuell beraten lassen, rät deshalb Christel Lendrat vom Arbeitsamt Hamburg. Auch die Wohnungssuche gestaltet sich für behinderte Studenten nicht immer einfach. Nur einige örtliche Studentenwerke unterhalten behindertengerechte Zimmer. Und nur wenige Wohnheime bieten auch Unterstützung bei der Pflege oder der Fahrt zur Universität. Weil Behinderte neben dem Studium so viele andere Aufgaben bewältigen müssen, kommt Lendrat zu dem Schluss: «Wer als behinderter Hochschüler sein Studium beendet, hat mehr geleistet als andere». Eine Übersicht aller News gibts hier. |
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