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2001-07-09 09:59:26

Leben heißt Lernen



Vorbei scheint die Zeit, in der man den Beruf für das ganze Leben wählt. Wissen veraltet schnell, wirtschaftliche Entwicklungen fordern ständig neue Qualifikationen. Wer mithalten will, muss sich bilden - und zwar lebenslang. Doch wer sich zu einer Weiterbildung entschließt, steht vor einer Vielzahl von Angeboten und Anbietern.

«Der Einzelne ist überfordert, die ständig wechselnden Trends auf dem Arbeitsmarkt einzuschätzen», sagt Thomas Krüger von der Weiterbildung Hamburg, einem Trägerverein von mehr als 200 Bildungseinrichtungen. Allein die Volkshochschulen und Einrichtungen der beiden Kirchen bieten nach Angaben des Deutschen Instituts für Erwachsenenbildung (DIE) in Frankfurt mehr als 800 000 Kurse an.

Wer sich aktiv an Weiterbildungen beteiligt, hängt nach dem aktuellsten Weiterbildungs-Bericht des Bundesbildungsministeriums (BMBF) in Berlin auch vom Schulabschluss ab: Insgesamt wurden rund 7000 repräsentativ ausgewählte Deutsche befragt. Unter denen mit Abitur hatten 65 Prozent sich weitergebildet, bei den Menschen mit Haupt- oder Sonderschulabschluss waren es nur 34 Prozent. Um die Beteiligung von weniger Qualifizierten zu fördern und sich auf dem unübersichtlichen Markt zu orientieren, ist also Beratung gefragt.

Als erstes sei es wichtig, die individuellen Voraussetzungen für Förderungen und die Zugangsbedingungen zu klären, so Krüger. «Häufig werden auch die eigenen Fähigkeiten überschätzt und aus der Lust am Lernen entsteht Frust», hat der Weiterbildungsfachmann beobachtet.

Allgemein verbindliche Richtlinien zur Sicherung von Qualitätsstandards fehlen. Wer eine Bildungseinrichtung aufbauen will, braucht nur einen Gewerbeschein. Beratungsstellen empfehlen, sich vor Ort umzuschauen und vorab Unterrichtsform und -zeiten, Qualifikation der Dozenten, Lehrpläne, Zertifikate, Zielgruppe, Zugangsvoraussetzungen und Kosten zu klären.

Nach den Erfahrungen des Vereins Weiterbildung Hamburg hakt es bei neuen Trägern oft an den Geschäftsbedingungen. «Verträge gleichen einem wilden Kuddelmuddel und sind nicht unbedingt zu Gunsten der Teilnehmer gestaltet, sondern auf die eigene Einrichtung zugeschnitten», sagt Krüger. Rücksichtslose Geschäftspraktiken, bei denen Interessierte unter Druck einen Vertrag unterzeichneten, seien oft legal. Aus einem Sonderangebot «Englisch lernen» könne schnell eine einjährige Verpflichtung entstehen, kritisiert Krüger. In diesen Fällen könnten dann auch die Verbraucherverbände nicht weiter helfen.

Informationen: BIBB - Bundesinstitut für Berufsbildung, Hermann-Ehlers-Straße 10, 53113 Bonn (Tel.: 0228/10 70, Internet: http://www.bibb.de). Dort gibt es kostenlos die Broschüre «Checkliste Weiterbildung». Die Weiterbildungsdatenbank des Arbeitsamtes im Internet findet sich unter http://www.arbeitsamt.de. Bundesweite Beratungsangebote stehen unter http://www-wisy.aww.uni-hamburg.de.


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