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2001-05-07 10:50:56

Orthopädieschuhmacher - Damit der Schuh nicht drückt



Falsche Schuhe, Krankheiten, Unfälle: Es gibt eine ganze Reihe von Gründen, die einen normalen und beschwerdefreien Gang beeinträchtigen. Wenn es mit dem Laufen dann nicht mehr so richtig klappt, weil jede Bewegung unangenehm und schmerzhaft ist, bringt der Orthopädieschuhmacher Hilfe zur Linderung.

Die wichtigste Aufgabe dieses medizinischen Handwerksberufs ist die orthopädische Versorgung für Füße und Unterschenkel. «Wir haben derzeit großen Bedarf an qualifiziertem Nachwuchs», sagt Hans-Peter Henseler von der Innung für Orthopädieschuhtechnik im nordrhein-westfälischen Frechen. «Ganz wichtige Voraussetzungen sind Interesse an medizinischen Zusammenhängen, handwerkliches Geschick und Hilfsbereitschaft.»

Die Arbeit in medizinischen Berufen bringt immer auch den Kontakt zu Krankheiten, Behinderungen oder Unfallfolgen mit sich: «Unsere Aufgabe ist es, Menschen zu helfen, die vorübergehend oder dauerhaft nicht voll bewegungsfähig sind», sagt Henseler. «Das reicht von Sportverletzungen über Klumpfüße bis hin zu Fußverkürzungen durch amputierte Zehen.»

In Aktion tritt der Orthopädieschuhmacher ausschließlich auf Anweisung des Facharztes: «Die Patienten kommen mit ihren Beschwerden zunächst zu uns», sagt Georg Holfelder von der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Traumatologie (DGOT) in Frankfurt. «Der Orthopäde stellt die entsprechende Diagnose und gibt dem Orthopädieschuhmacher eine detaillierte Therapie-Anleitung. Am häufigsten haben wir es zur Zeit in Deutschland mit angeborenen Behinderungen und Unfallverletzungen aus dem Straßenverkehr zu tun.»

Die enge Zusammenarbeit mit Ärzten und Patienten erfordert vom Orthopädieschuhmacher medizinisch-anatomisches Wissen und psychologisches Einfühlungsvermögen: «Der Erfolg einer Therapie hängt von der zuverlässigen Arbeit des Orthopädieschuhmachers ab», sagt Henseler, «dabei ist aber vor allem im Umgang mit Kindern oder Menschen, die durch einen Unfall sehr plötzlich eine Behinderung davongetragen haben, auch große Sensibilität gefragt.»

Seit 30 Jahren ist Wilfried Müller seinem Handwerk verbunden. Der heutige Obermeister der Innung für Orthopädie-Schuhtechnik in Köln begann 1970 mit der Lehre im elterlichen Betrieb, den er inzwischen selber leitet. «Vertrauen ist ein wichtiger Aspekt bei unserer Arbeit», sagt Müller, «der Kunde muß sofort spüren, dass er in guten Händen ist. Dieser Beruf kombiniert Kundenkontakt mit Kreativität und handwerklichem Geschick.»

Die fachliche Kompetenz der Orthopädieschuhmacher ist zum Beispiel gefragt, wenn es um das Anfertigen von Maßschuhen, Innenschuhen, Einlagen, Bandagen, Prothesen oder Kompressionstrümpfen geht. Außerdem können Orthopädieschuhmacher in weniger schweren Fällen von Fußerkrankungen auch Konfektionsschuhe so herrichten, dass sie therapeutisch wirken. Wer so viel mit den richtigen Schuhen zu tun hat, darf die Pflege der Füße nicht vernachlässigen. Die Orthopädieschuhmacher sind daher auch zur Ausführung medizinischer Fußpflege berechtigt.

Ganz besonders engagiert sich Wilfried Müller in der Sportversorgung. Mit elektronischer Laufbandanalyse kontrolliert er zum Beispiel die Bewegungsabläufe von Profisportlern und Hobbyläufern. «Für Sportler ist die optimale Schuhversorgung besonders wichtig, denn ihre Verletzungsgefahr ist sehr groß», sagt Innungsobermeister Müller, «schließlich gibt es für den Bewegungsapparat gravierende Belastungsunterschiede zwischen Stehen, Gehen und Laufen.»

Ein guter Hauptschulabschluss ist Voraussetzung für den Beginn der Ausbildung, die insgesamt dreieinhalb Jahre dauert. «Ebenso wichtig wie gute Noten in Mathematik sind höfliches Auftreten und Freude am Umgang mit Menschen», sagt Müller, der auch Mitglied der Prüfungskommission seiner Landesinnung ist. Die Innungen der Länder vermitteln den Kontakt zu Ausbildungsbetrieben. Der Lohn richtet sich später nach Bundesland und Arbeitsplatz, beträgt in den ersten Berufsjahren aber durchschnittlich etwa 3200 Mark brutto im Monat.

Friedhelm Röderstein, Auszubildender im dritten Lehrjahr bei Obermeister Müller, freut sich auf seinen künftigen Beruf: «Ein handwerklicher Job mit Kontakt zu ganz unterschiedlichen Menschen ist genau das, was ich möchte. Ganz besonders, weil ich mit meiner Arbeit Leuten helfen kann, ihr Leben wieder angenehmer zu machen.»

Informationen: Bei den Landesinnungen für Orthopädieschuhtechnik sowie den Berufsinformationszentren (BIZ) der Arbeitsämter.


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