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2001-11-05 09:54:14 Die Green Card als Karrierestart in den USAHamburg/ Silicon Valley (gms) - Für viele Menschen in aller Welt sind die Vereinigten Staaten trotz schlechter Nachrichten noch immer das Einwanderungsland Nummer Eins - auch für viele Deutsche. Doch um als Ausländer legal in den USA leben und arbeiten zu dürfen, ist die so genannte «Green Card» erforderlich, die offizielle Arbeits- und Aufenthaltserlaubnis. Sich um sie zu bewerben, ist fast schon zur Mode geworden. Was der Gewinn tatsächlich bedeutet, wissen jedoch nur wenige. «Viele deutsche Bewerber sind schlecht informiert, schlecht vorbereitet und beteiligen sich nicht aus ehrlichem Interesse am Auslosungsverfahren», sagt Helga Kunkel-Müller von der Evangelischen Auslandsberatung für Auswanderer, Auslandstätige und Ausländer-Ehen in Hamburg. «Auf diese Weise werden die Teilnehmerzahlen unnötig in die Höhe getrieben und die Gewinnchancen für ernsthafte Kandidaten sinken in den Keller.» Und rund um den Globus ist der Andrang groß: fast zehn Millionen Menschen aus der ganzen Welt haben sich nach Angaben des US-Generalkonsulats in Frankfurt/Main im Jahr 2001 an der Green-Card-Lotterie beteiligt. Lediglich etwas mehr als 3000 Gewinner entfielen auf die Bundesrepublik. «Abgesehen vom Porto wird bei der offiziellen Green-Card-Lotterie keine Teilnahmegebühr erhoben», sagt Kathleen Cayer, Leiterin der Konsular-Abteilung im US-Generalkonsulat Frankfurt. «Es ist dem Bewerber überlassen, ob er sich zur Hilfestellung an kommerzielle Vermittler oder staatliche Organisationen wenden will. Qualifizierte Teilnehmer haben unabhängig davon die gleichen Chancen. Es besteht ebenfalls kein Vorteil durch frühes Einsenden oder das Absenden der Bewerbung von einem bestimmten Ort.» Zahlen müssen lediglich die Gewinner, nämlich derzeit 75 Dollar (etwa 150 Mark/84 Euro) Bearbeitungsgebühr und 325 Dollar (etwa 650 Mark/364 Euro) für das Einwanderungsvisum. Dieses wird aber ohnehin nur erstellt, wenn der Gewinner eine ganze Reihe wichtiger Unterlagen präsentieren kann. Dazu gehören unter anderem ein Jobnachweis in den USA, ein polizeiliches Führungszeugnis und ein Unterhaltsnachweis. «Wenn ihnen das alles klar wird, erscheinen etwa 20 Prozent der deutschen Green-Card-Gewinner leider gar nicht erst zum notwendigen Interview bei uns», sagt Kathleen Cayer, «ein anderer Teil kann die erforderlichen Dokumente nicht präsentieren.» Damit ernsthafte Kandidaten wissen, wie man sich bewirbt und was bei einem Green Card-Gewinn auf sie zukommt, haben die amerikanischen Behörden Info-Seiten im Internet eingerichtet: http://www.usembassy.de, http://www.travel.state.gov und http://www.ins.gov. All diese Probleme hat Johannes Meerjanssen längst hinter sich gelassen. Vor zehn Jahren war der Geschäftsmann aus Niedersachsen mit einem Career-Training-Programm der Carl-Duisberg-Gesellschaft zum ersten Mal beruflich in den Vereinigten Staaten: «Ich hatte ein Visum für 18 Monate», sagt Meerjanssen, «eigentlich ging es mir seinerzeit nur darum, durch Auslandserfahrung meinen Horizont zu erweitern. Ich hatte nicht daran gedacht, dauerhaft zu bleiben.» Johannes Meerjanssen kam zurück nach Deutschland und heiratete hier 1996 eine Amerikanerin. Zwei Jahre später zog die Familie aus beruflichen Gründen wieder nach Kalifornien: «Durch die Heirat hatte ich Anspruch auf eine Green Card», sagt Meerjanssen, «die erste war allerdings auf zwei Jahre begrenzt. Um Missbrauch vorzubeugen, überprüfen die US-Behörden in bestimmten Abständen, ob man wirklich mit dem amerikanischen Partner zusammen ist.» Bei Meerjanssens hängt der Haussegen nicht schief, und die Green Card gilt inzwischen für zehn Jahre. Vor kurzem hat sich Johannes Meerjanssen selbstständig gemacht und im Silicon Valley eine Unternehmensberatung gegründet. Sie ist darauf spezialisiert, deutschen Firmen bei der Niederlassung in den USA zu helfen. Seine Entscheidung für ein Leben in den Staaten hat Meerjanssen bislang nicht bereut: «Ich bin der Meinung, dass beide Gesellschaften ihre Stärken und Schwächen haben. Auf Grund ihres Wirtschaftssystems sind aber die USA ein Land mit wirklich sehr vielen beruflichen Möglichkeiten.» Bessere Karrierechancen, positives Denken und die Herzlichkeit der Menschen waren auch für Dirk Michels Grund genug, 1995 seinen Wohnsitz in die USA zu verlegen. Nach einer kleinen Durststrecke bekam der Rechtsanwalt aus Hamburg seine erste Anstellung, heute ist er bereits Partner in einer der größten US-Kanzleien mit 650 Anwälten: «Dieser Karriereschritt wäre in Deutschland in so kurzer Zeit nicht möglich gewesen», sagt Dirk Michels, «in den USA sind die Strukturen durchlässiger, beruflicher Erfolg hängt hier allein von der persönlichen Leistung ab.» Die Voraussetzung für eine erfolgreiche Umsiedlung sieht Dirk Michels in wohlüberlegter und realistischer Planung: «Erste Kontakte sollten von Deutschland aus gemacht und durch mehrere Reisen in die USA und persönliche Treffen vertieft werden. Auf alle Fälle sollte man nichts überstürzen.» Auch ein persönlicher Zeitplan, der gesteckte Ziele festlegt, kann hilfreich sein. Geduld und langer Atem sind wahrscheinlich erforderlich. Und falls der Erfolg trotzdem ausbleibt, hilft nur noch eines: «Für diesen Fall sollte man Plan B zum Rückzug nach Deutschland in der Tasche haben.» Eine Übersicht aller News gibts hier. |
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