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2001-09-03 09:32:00

Puppenspieler werden gesucht



«Tri-tra-trullala, seid ihr alle da?» Wer kennt sie nicht, die Kasperle-Handpuppe. Überraschen mag es dagegen, dass auch Shakespeare-Dramen oder Mozart-Opern mit Puppen aufgeführt werden und dass man Puppenspiel studieren kann wie Schauspiel oder Operngesang.

In den vergangenen Jahren ist das Bewusstsein für die Möglichkeiten des Puppentheaters gewachsen. Immerhin rund 120 kommunale, freie und halbsubventionierte Puppentheater gehören dem Verband Deutscher Puppentheater an. Größere, kommunale Theater finden sich besonders im Osten der Republik - so in Halle, Erfurt, Chemnitz und Dresden - da die ehemalige DDR das Puppenspiel verstaatlichte.

Regisseur und Intendant am Puppentheater Halle ist Christoph Werner: «Das Mysterium der Puppe und der Prozess der Belebung ist immer wieder faszinierend». An drei Tagen der Woche spielt das Ensemble für Kinder das Märchen «Frau Holle» der Brüder Jacob und Wilhelm Grimm, Otfried Preußlers «Krabat» oder Hans Christian Andersens «Standhaften Zinnsoldaten». An vier Tagen öffnet sich der Vorhang für Erwachsene: derzeit stehen Johann Wolfgang von Goethes «Faust», Oscar Wildes «Dorian Gray» sowie Joseph Haydns «Feuersbrunst» auf dem Spielplan. Die Truppe reist quer durch Deutschland, in die Schweiz, nach Österreich, bis nach Irland, Indien und in die USA.

Die sechs Puppenspieler und ihre 14 Mitarbeiter setzen auf eine Mischform, bei der Puppen und Spieler gemeinsam auf der Bühne agieren. Obwohl dieses Konzept großen Anklang findet, sind die sechs nicht zu Stars avanciert: «Man muss sich darüber im Klaren sein, dass man als Puppenspieler nicht berühmt werden kann», betont der 37-jährige Intendant. Zwischen 3000 und 5000 Mark brutto verdienten die Ensemblemitglieder, je nach dem, wie gut sie sind. Bedarf an Nachwuchs bestehe gelegentlich. Auf die letzte Stellenausschreibung meldeten sich sechs Anwärter. Eine Chance hätten ausschließlich diplomierte Puppenspieler.

Puppenspiel-Studiengänge gibt es an der Hochschule Ernst Busch in Berlin, an der Staatlichen Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Stuttgart sowie ab Januar 2002 an der Bayrischen Theaterakademie August Everding im Prinzregententheater München. Erstes Hineinschnuppern und der Besuch weiterführender Seminare ist am Figurentheater-Kolleg in Bochum möglich, das allgemein zugängliche Puppenspiel-Kurse anbietet.

«Um das Lebendige am Beispiel der leblosen Puppe darzustellen, muss der Spieler seine Stimme und seinen gesamten Körper einsetzen», erläutert Professor Hartmut Lorenz, Abteilungsleiter des auf vier Jahre Ausbildungsdauer angelegten Studiengangs in Berlin. Daher durchliefen die künftigen Puppenspieler parallel eine Schauspielausbildung. Auf dem Stundenplan stehen Fächer wie Gesang, Sprechen, Puppenspieltechnik, Akrobatik, Pantomime, bildnerische Gestaltungslehre, Theatergeschichte, Puppentheatertheorie und Fremdsprachen.

Interessenten müssen das Abitur und eine gute körperliche Verfassung mitbringen. Bei der Aufnahmeprüfung gilt es, eine Schauspiel- und eine Puppenspielszene mit literarischer Vorlage sowie ein Lied und einen Sprechtext vorzutragen. Ausdruckskraft, Fantasie und echtes Mitteilungsbedürfnis zählten zu den Auswahlkriterien, so Lorenz, ebenso wie eine gute Stimme, die auch zum Singen taugt: «Man muss keine tolle Stimme haben, aber eine ausdrucksvolle, und die richtigen Töne treffen sollte man schon.»

Auf die vierzehn immer zum Wintersemester angebotenen Plätze kämen 80 bis 100 Bewerber. Nach dem Studium bestünden relativ gute Berufsaussichten: «An unserer Pinnwand annoncieren viele Puppentheater, die ihren Bedarf nicht gedeckt bekommen», berichtet Lorenz und ergänzt: «Arbeitslos muss niemand werden, der etwas kann und sich zu verkaufen weiß.»

Eine interne Ausbildung durchlaufen die Mitglieder der Augsburger Puppenkiste. Bewerber werden nach einwöchigem Schnupperpraktikum ausgewählt: «Wichtig ist, dass es mit den Bewerbern menschlich gut geht und Talent zum Marionettenspiel da ist», erklärt Peter Scheerbaum, Puppenspieler und Spielleiter der 53 Jahre alten Augsburger Institution. Erfolgreiche Bewerber erhielten ein Einstiegsgehalt von 1800 Mark. Je nach Begabung seien die Bewerber aber erst nach nach zwei bis vier Jahren voll einsatzfähig. Anders als am Halleschen Theater erfülle jeder Puppenspieler noch eine weitere Aufgabe, beispielsweise in der Werkstatt, im Tonstudio oder beim Inszenieren.

Eine Sechs-Tage-Woche mit Fernsehdrehterminen, Auftritten im Stammhaus in Augsburg und Tourneen bedeuteten harte Arbeit. Nicht zu vernachlässigen sei die körperliche Belastung: «Man steht in drei Metern Höhe auf einem Gerüst und beugt sich im 90-Grad-Winkel über eine Balustrade. Das ist wahnsinnig anstrengend für den Rücken.» Scheerbaum warnt vor einem zu romantischen Berufsbild: «Da ist viel Routine dabei, und 30 Prozent der Zeit hat man auch keinen Bock.» Dennoch urteilt der Autor: «Die Arbeit ist ausgesprochen vielseitig, und sicher ist Puppenspiel nicht die schlechteste Art, sein Geld zu verdienen.»

Informationen zum Beruf des Puppenspielers gibt es im Internet unter http://www.buehnenverein.de/berufe/info/puppensp.htm.


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