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2001-11-13 11:12:31 Viele Studenten haben psychische ProblemeMünster/Bonn (/lnw) - Das psychische Befinden seiner Studenten hat den Münsteraner Universitätsrektor Jürgen Schmidt sichtlich überrascht. Von rund 3800 befragten Studenten der Westfälischen Wilhelms-Universität (WWU) gaben 22 Prozent an, dass psychische Schwierigkeiten ihre Ausbildung beeinträchtigen. D ie Hälfte von ihnen klagte über Prüfungsangst, depressive Verstimmungen und mangelndes Selbstwertgefühl. Jeder zehnte Student mit psychischen Problemen dachte gar an Selbstmord. «Diese Werte hatte ich nicht erwartet», bekannte Schmidt bei der Veröffentlichung der Befragung. Doch weder die Anonymität der mit fast 45 000 Studenten drittgrößten deutschen Hochschule noch der berüchtigte Dauerregen in Westfalen drücken speziell den Studierenden in Münster auf das Gemüt. Vielmehr spiegeln die Zahlen das Seelenleben des gesamten akademischen Nachwuchses der Republik wider, bestätigt unter anderem das Deutsche Studentenwerk (DSW) in Bonn, das fast 21 000 Studenten im Jahr 1997 dieselben Fragen wie die Uni in Münster stellte. Damals gaben sogar 27 Prozent der Befragten an, dass ihr Studium von psychischen Krisen belastet wird. Jeder Zehnte fühlte sich erheblich beeinträchtigt, dabei wurden nahezu dieselben Probleme genannt. «Studenten leben prinzipiell in einer gewissen Labilität», sagt der Psychologe Peter Schott-Milde von der Studienberatung der WWU. Während gleichaltrige Berufstätige oft bereits ein «geregeltes Leben» mit Kindern, eigenem Haus sowie festem Einkommen führten, hätten die meisten Hochschüler noch keinen gefestigten Status. Viele müssten sich zum ersten Mal eigenständig in einer ungewohnten Umgebung orientieren, zugleich aber den oft hohen Ansprüchen des Studienfachs genügen. «Diese Faktoren verzögern den Eintritt in das Erwachsenenalter und erhöhen die Gefahr psychischer Konflikte». Spätadoleszenz nennen Psychologen diese verspätete Übergangsphase. Auch die Autoren der DSW-Studie umschreiben damit die ersten eigenen Schritte aus dem behüteten Elternhaus. Auf diesem Weg blieben jedoch viele Lebensumstände wie etwa Nebenjob und Wohnung provisorisch und damit ungewiss, manchmal beängstigend. Zugleich weisen die Autoren jedoch darauf hin, dass psychische Konflikte im Studium oft auch sinnvolle Abschnitte beim Entwickeln der eigenen Identität seien. Die Konflikte mehren sich jedoch mit steigendem Alter und höherer Semesterzahl. In beiden Untersuchungen klagten etwa doppelt so viele Langzeitstudenten über psychische Belastungen wie Anfänger. «Weder eine Fortsetzung noch der Abbruch des Studiums scheinen dem Betroffenen in dieser Situation sinnvoll», sagt Schott-Milde. Die notwendigen «Scheine» schaffen sie nicht, und außerhalb der Hörsäle und Mensen erwartet den Abbrecher unbekanntes berufliches Neuland. Den Studien zufolge leiden vor allem Frauen unter psychischen Problemen - zumindest auf den ersten Blick. In Münster etwa gaben das 26 Prozent der Studentinnen zu, aber nur 17 Prozent ihrer männlichen Kommilitonen. «Frauen stehen einfach häufiger zu ihren Problemen», rückt Schott-Milde die Zahlen zurecht. Zudem seien sie häufiger über die eigenen Leistungen verunsichert, nicht aber psychisch labiler. Die psychischen Probleme der Studenten in Münster sollen Schmidt zufolge mit Hilfe der Umfrage - falls möglich - künftig effektiver behandelt werden. Die gesammelten Aussagen zum Studium in Münster würden an alle Fachbereiche und Einrichtungen weitergeleitet. «Eine Patentlösung für psychische Probleme existiert aber nicht», sagt Schott-Milde. Ein wichtiger Ansatz liege im Kontakt der Studenten untereinander. Besonders wichtig sei aber auch das Gespräch mit den Dozenten. Das findet zurzeit nur selten statt: Nach der Münsteraner Umfrage ist für knapp 80 Prozent der Studenten die Beratung wichtig, jedoch bewerteten lediglich 29 Prozent diese als gut oder sehr gut. Eine Übersicht aller News gibts hier. |
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