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2001-11-06 11:55:56

Schulfach Physik sollte nicht abgewählt werden können



Münster (/lnw) - Die Möglichkeit, Physik-Unterricht in der gymnasialen Oberstufe abzuwählen, sollte der Staat nach Einschätzung des Münsteraner Physikprofessors Peter Boschan einschränken. Bei der Wahl der Leistungskurse sei das einfachere Fach häufig das beliebtere, sagte der Naturwissenschaftler im Vorfeld des "Tages der Schulphysik". "Viele denken, wenn ich keine Eins kriege, wähle ich eben ein leichteres Fach. Mit dieser Einstellung kann man aber nicht lernen."

Charakteristisch für das Fach Physik sei der systematische Aufbau. Um ein Gedicht zu verstehen, müsse der Schüler keine Kenntnis der gesamten Literaturgeschichte haben, sagte Boschan. "In der Physik ist das anders." Die einzelnen Erkenntnisschritte bauten aufeinander auf. Auch die Medien hätten dem Fach einen "dunklen Nimbus" verpasst. "Unter den Journalisten gibt es kaum Naturwissenschaftler, da sie überwiegend den sprachlichen Fächern zugeneigt sind und Physik und Mathe schon in der Schule nicht mochten", glaubt Boschan.

Darüber hinaus hält der Hochschullehrer, der in seiner Freizeit interessierten Gymnasiasten Physik-Unterricht erteilt, es für wünschenswert, dass Schulen verstärkt zum Studium der Physik motivieren. Boschan nannte ein Engagement für das Schulfach Physik sehr wichtig für den Industrie-Standort Deutschland. Daher sollte auch die Industrie als künftiger Arbeitgeber den Physik-Unterricht fördern. "Wenn sie Physiker brauchen, sollten sie Preise und Stipendien für gute Studenten und Physik-Lehrer ausschreiben", sagte Boschan. Beiträge, die der Physik wieder zu größerer Popularität verhelfen, sollten honoriert werden.

Bleibe die Physik schon als Schulfach unbeliebt, werde sich eine Kettenreaktion einstellen, die letztlich der Industrie erheblich schade. "Weniger Physiker bedeuten schwache Lehre und langsame Forschung. Dadurch leidet auch die Qualität der Ingenieure."


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