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2003-03-12 13:06:39 Sorgentelefon hilft LandwirtenBarendorf - Generationskonflikte und Schwierigkeiten in der Großfamilie sind das häufigste Thema am Sorgentelefon für Landwirte in Niedersachsen: Anonyme Berater helfen Bauern dort seit zehn Jahren, zwischenmenschliche Probleme und Schwierigkeiten auf dem Hof zu lösen. Häufigster Grund für verzweifelte Anrufe sind massive Konflikte zwischen den Generationen. Beispielhaft für viele andere ist etwa der Fall des 32-jährigen Jungbauern, der nach Jahren der Suche endlich eine Lebensgefährtin fand, die zu ihm und seinen Eltern auf den Hof zog. Erst unter einem Dach, entbrannte zwischen seiner Freundin und seiner Mutter jedoch Streit. «Die junge Frau drohte, wegen der Altbäuerin den Hof wieder zu verlassen», berichtet eine Beraterin. Hier war schnelle Hilfe notwendig. Landwirte haben oft keine andere Wahl, als die Familie zusammenzuhalten und mit vielen Generationen unter einem Dach auszukommen, weiß Psychologe Kurt Czerwenka. Der Professor für Erziehungswissenschaften und Diplom-Psychologe bildet die Telefonberater aus und begleitet sie mit ihren Fällen einmal monatlich in Supervisions-Sitzungen. Am Sorgentelefon in Barendorf im Kreis Lüneburg sitzen ausschließlich gelernte Landwirte, drei Männer und sieben Frauen. Weitere 25 ehrenamtliche Mitarbeiter sind in den Beratungsstellen Rastede im Landkreis Oldenburg und Oesede im Landkreis Osnabrück tätig. Insgesamt werden jährlich bis zu 300 Hilferufe angenommen. Ein weiteres großes Problem, das am Sorgentelefon immer wieder zur Sprache kommt, ist die Übergabe der Höfe an die jüngere Generation. Die Älteren möchten die zum Teil hoch verschuldeten Höfe als ihr Lebenswerk weitergeben, aber die Nachkommen sehen keine Perspektiven, weil der Ertrag zu gering und der Arbeitsaufwand zu hoch ist. «Die Auflösung des Hofes ist aber für einen Bauern häufig mit starken Schuldgefühlen verbunden, weil es sich nicht nur um die eigene Existenz, sondern um das Familienerbe handelt», sagt Czerwenka. Eingerichtet wurde das Sorgentelefon vor zehn Jahren von der Agrarsozialen Gesellschaft in Göttingen, den Auftrag dazu gab das niedersächsische Landwirtschaftsministerium. «Mit ihren Problemen durch den Agrarstrukturwandel sollten die Bauern nicht allein gelassen werden», berichtet Ines Fahning von der Agrarsozialen Gesellschaft über die Anfänge des Angebots. Allein zwischen 1989 und 1999 wurden rund 35 Prozent der 100 000 landwirtschaftlichen Betriebe im Land aufgegeben, geht aus dem Jahresbericht 2000 des Statistischen Bundesamtes hervor. Fahning sieht in dem Sorgentelefon eine gute Ergänzung zur Beratung der Landwirtschaftskammer in wirtschaftlichen Fragen. Doch die privaten Konflikte werden im Gegensatz zu den finanziellen Problemen anonym beredet. «Wirtschaftliche Schwierigkeiten sind häufig mit persönlichen Problemen gekoppelt. Viele Landwirte wollen damit anonym bleiben, weil Dinge besprochen werden, für die sie sich öffentlich schämen würden oder die als sozialer Makel angesehen werden könnten», sagt Psychologe Czerwenka. Der Wissenschaftler hat festgestellt, dass Landwirte das Familiensystem oft stabil halten müssen, weil sie nicht in der Lage sind, ein Mitglied auszuzahlen, das den Hof verlassen will. «Landwirtschaft ist ein Gegenmodell zur gesellschaftlichen Entwicklung unserer Zeit», bilanziert er. Eine Übersicht aller News gibts hier. |
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