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2003-02-26 11:44:29

Rhetorikclubs lehren selbstsicheres Sprechen



Frankfurt/Main - Donnerstag, kurz nach 20.00 Uhr, Toastmasterabend und Redezeit für Matthias Döring: Kurz zuckt der Doktorand auf seinem Stuhl in einer Kneipe im Frankfurter Studentenviertel Bockenheim zusammen, als er eine Rede aus dem Stegreif halten soll. Die Toastmaster, ein internationaler Rhetorikclub mit amerikanischem Dachverband, bieten ihm die Gelegenheit dazu.

Die Vereinsgründer reagierten auf die in vielen Berufen gewachsenen Anforderungen, sich zu präsentieren. Seit Mai vergangenen Jahres gibt es die deutschen Toastmaster in Frankfurt. Auch manche Hochschulen haben Handlungsbedarf entdeckt und organisieren Debattierclubs, in denen die Studenten lernen sollen, frei zu sprechen.

Längst gelte mündliche Kommunikation als eine «Schlüsselkompetenz», meint etwa die Leiterin der Abteilung Sprechwissenschaft an der Marburger Philipps-Universität, Christa M. Heilmann. Das sieht auch Döring so: «Als Nachwuchswissenschaftler muss ich meine Ergebnisse auf Konferenzen präsentieren können», sagt der Biologe. Jüngst habe er vor Kollegen seine Forschungserkenntnisse über Pilzwurzeln an Heilpflanzen vorgetragen und sei «dank der Übung bei den Toastmasters sicher aufgetreten».

Diese Sicherheit hat der 29-Jährige am Donnerstagabend bei seiner Stegreifrede nicht: Er muss vor rund 20 Teilnehmern unvorbereitet über die Reaktion eines Familienvaters auf einen geplatzten Sommerurlaub sprechen. Ihm fällt zwar wenig dazu ein, er bekommt aber trotzdem ein Lob von Joachim Schledt, der an diesem Abend die Stegreifredner bewertet: Mit zwei Minuten Rededauer liegt Döring wenigstens in der Soll-Zeit. «Ohne Zeitlimit geht es bei acht Reden am Abend nicht», erklärt Toastmaster-Vorstandsmitglied Carola Feller. Die Strukturen sind immer die gleichen: Vorbereitete und Stegreifreden, Bewertungen und Verbesserungsvorschläge füllen 90 Minuten, durch die ein «Toastmaster des Abends» führt.

Im nationalen Verband der Debattierclubs an Hochschulen (VDCH) sind seit 2001 Debattierclubs deutscher Universitäten nach britischem Vorbild organisiert. In England und den USA gibt es derartige Clubs schon seit Jahrzehnten. Privatdozentin Heilmann hofft, dass sich der Trend zum bewussteren Umgang mit Reden verstärkt: «Rhetorik hat es in Deutschland schwer».

Als Vorsitzende der Wissenschaftskommission der Deutschen Gesellschaft für Sprechwissenschaft und Sprecherziehung (DGSS) setzt sie sich auch für die Entwicklung der Debattierkultur noch jüngerer Lernender ein: Gemeinsam mit den Initiatoren, der Hertie-Stiftung, forciert die DGSS das Projekt «Jugend debattiert». An fünf Samstagen können hessische Schüler lernen, Vorträge zu halten. Nach Ansicht der Sprechwissenschaftlerin ist diese Arbeit «dringend notwendig», um gegen das in der deutschen Geschichte entstandene Stigma anzukämpfen, mit Reden «andere über den Tisch ziehen zu wollen».

Der Mitte 2001 gegründete «Debattierclub Cicero» der Frankfurter Wirtschaftsjunioren hat ausschließlich Führungskräfte im Blick: Unternehmer, die nicht älter als 40 Jahre sind. Gerade für sie sei es sehr wichtig, sicher und sprachgewandt aufzutreten, sagt der Leiter der Projektgruppe, Matthias Prinz. Anders als bei den Toastmastern halten die Wirtschaftsjunioren keine Reden, sondern liefern sich als Fürsprecher und Opposition Wortgefechte. Weil beide Frankfurter Gruppen voneinander lernen wollen, sind gegenseitige Besuche geplant.

http://www.wj-frankfurt.de


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