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2003-01-09 11:14:54 Deutschland beim Austausch aus erster Hand erlebenHamburg - Sie gehören zu den talentiertesten Köpfen ihrer Heimatländer und sehen sich als Botschafter einer jungen Generation zwischen Baltikum und Kaukasus: die Gaststudenten der Hamburger Hochschul-Initiative «Copernicus». Jedes Jahr lädt der Verein rund 25 Nachwuchs-Akademiker aus den Staaten Mittel- und Osteuropas zu einem Auslandssemester an einer deutschen Universität ein. Die Stipendiaten kommen aus Polen und Litauen, Tschechien und Russland, aus Georgien und Aserbaidschan - eine bunte Truppe, motiviert, weltoffen und neugierig auf das Studieren in Deutschland. Im Juni 2002 feierte «Copernicus» seinen zehnten Geburtstag. Ihren Namen wählte die Initiative nach dem Astronomen Nikolaus Kopernikus (1473 bis 1543). Nachdem die damalige Jura-Studentin Friederieke Ahlers den Verein 1992 gemeinsam mit Kommilitonen aus der Taufe gehoben hatte, entwickelte sich ein Stipendienwerk, das sich fast ausschließlich aus ehrenamtlichem Engagement und studentischer Initiative speist. Hilfe bei der Beschaffung von Visa, Studienberatung für die Gäste, Finanzierung und Anwerbung von Sponsorengeldern erledigen die Studenten in eigener Regie. Über 250 Stipendiaten aus 19 Ländern haben seither einen Platz in dem Programm gefunden. Viele Kontakte blieben bestehen: 80 Ehemalige reisten Ende Mai nach Hamburg, um an der Jubiläumsfeier teilzunehmen. «Es ist vor allem eine große Leidenschaft für Osteuropa sowie der Wunsch, den interkulturellen Austausch zwischen Ost und West voranzubringen», beschreibt Michael Gwosdz die Grundidee, die hinter «Copernicus» steht. Seit drei Jahren ist der Politologe dabei; als Mitglied des Vorstands kümmert sich der 28-Jährige unter anderem um die Auswahl der Stipendiaten - bei rund 200 Bewerbern pro Semester keine leichte Aufgabe. Allein in Hamburg vergibt «Copernicus» alle sechs Monate 12 Stipendien. Die Gaststudenten durchlaufen ein komplettes Uni-Semester und haben bei einem anschließenden Betriebspraktikum Gelegenheit, die Arbeitswelt in deutschen Unternehmen, Behörden und Organisationen kennen zu lernen. Von den meisten Auslandsstipendien unterscheidet sich «Copernicus» dadurch, dass die Gaststudenten während ihres sechsmonatigen Aufenthalts in deutschen Gastfamilien leben. So können Berührungsängste abgebaut, Heimweh überwunden und persönliche Beziehungen aufgebaut werden. «Diese jungen Leute ermöglichen einen wirklichen Dialog zwischen Kulturen und Generationen», sagt die Gastmutter Iris von Hänisch. Zusammen mit ihrem Ehemann Rüdiger hat die Blankeneserin seit 1993 regelmäßig «Copernicus»-Stipendiaten bei sich aufgenommen. Die 22- jährige Kroatin Ana Brumnjak ist die 15. «Tochter auf Zeit» der Familie. Neulich erhielten die beiden Post aus Georgien: Ein früherer Gaststudent lud die Familie zu seiner Hochzeit nach Tiflis ein - die von Hänischs packten prompt die Koffer und setzten sich ins Flugzeug. Der Aserbaidschaner Ülwi Abasgulijew betont in der Festschrift zum 10jährigen Bestehen des Vereins, er habe seine Betreuer «nicht als Gasteltern, vielmehr als Großeltern» wahrgenommen. Persönlichkeiten wie Ex-Bundespräsident Richard von Weizsäcker oder der ehemalige EU-Administrator im serbischen Mostar, Hans Koschnick, würdigten die Verdienste von «Copernicus» als «hervorragenden Dialog von gleich zu gleich». Preise der Hochschulrektoren-Konferenz (1997) und des Auswärtigen Amtes (2001) kamen hinzu. Viele «Copernicaner» der ersten Stunde arbeiten heute für deutsche Firmen und Organisationen im Ausland, etliche sind in Führungspositionen aufgestiegen und möchten ihre Erfahrungen aus Deutschland nicht missen. So besteht etwa die Aufgabe der Bulgarin Mika darin, im Justizministerium von Sofia die EU- Beitrittsverhandlungen ihres Heimatlandes vorzubereiten. Dass die Zeit in Deutschland bei späteren Bewerbungen oft von entscheidender Bedeutung war, bestätigen nahezu alle «Copernicaner». Der Tscheche Oldrich Hrádek, heutiger Marketing-Experte, ist sicher: «Ich hätte nie machen können, was ich heute mache, wenn ich die Erfahrungen aus Hamburg nicht hätte.» Eine Übersicht aller News gibts hier. |
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