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2002-12-17 09:43:02

Mit Umwelt-Studium bessere Berufsaussichten



Heidelberg - Mit einem bundesweit einmaligen Projekt will die Universität Heidelberg die auf viele Fachbereiche verteilte Erforschung der Umweltprobleme bündeln. Das interdisziplinäre Ergänzungsstudium Umwelt wird parallel zum eigentlichen Studium absolviert. Dafür müssen sich die Jungakademiker in vier umweltbezogenen Veranstaltungen anderer Fachbereiche prüfen lassen.

Alternativ können sie ein Praktikum im Umweltschutz und zwei Prüfungen machen. Am Ende ihres Studiums erhalten die Absolventen dann außer dem Examenszeugnis ein zusätzliches Zertifikat für Umweltwissenschaften. Die Idee dazu wurde 1995 geboren. Damit hat die Heidelberger Hochschule auf die wachsende Nachfrage nach Fachkräften mit breiter Umweltkompetenz reagiert. «So eine Ausbildung ist in der Industrie gefragt, weil man damit die Sprachen anderer Fachrichtungen verstehen kann», erklärt der Heidelberger Ökonomie-Professor Malte Faber, einer der Initiatoren des 1997 eingeführten Studiengangs.

Über eine Million Beschäftigte in Deutschland arbeiteten nach Angaben von Faber derzeit bereits im Umweltschutz. Wer heute in diese Sparte will, habe durch die Zusatzqualifikation bessere Chancen, betont der Ökonomieexperte. «Das Zertifikat ist in der Wirtschaft gefragt und ein beträchtlicher Vorteil bei der Bewerbung.» 160 Mal sei es bislang ausgestellt worden.

Alexandra Bültmann ist sogar der Berufseinstieg über das Ergänzungsstudium gelungen. Die Volkswirtin hatte 1997 am Studiengang teilgenommen und sich für ein Praktikum in einem ökologischen Forschungsinstitut entschieden. «Nach dem Praktikum konnte ich dann meine Diplomarbeit am Institut machen und bin schließlich dort hängen geblieben», erzählt Bültmann. Danach fand sie eine Stelle am Umweltforschungszentrum in Leipzig und promoviert jetzt mit einem umweltökonomischen Thema.

Das Ergänzungsstudium ist kein gesonderter Studiengang, die Studenten hören ohnehin angebotene Spezialvorlesungen in den unterschiedlichen Fachbereichen. Dadurch ergibt sich nur ein geringer finanzieller Aufwand für die Hochschule. Dazu gibt es einen weiteren Vorteil bei dieser offenen Koordinierung: «So wird die Interdisziplinarität nicht zu einem neuen Fach, sondern bleibt im übergreifenden Rahmen», erläutert Faber. Die Studenten können auf diesem Weg mit «echten Experten» auf ihrem Gebiet zusammenkommen.

Koordiniert wird das Projekt vom Interdisziplinären Institut für Umweltökonomik, wo der fächerübergreifende Ansatz Programm ist. Hier werden jährlich die meisten Promotionen des Faches Umweltökonomik in Deutschland vergeben. Die übergreifende Ausrichtung wird auch von der Politik begrüßt: «Ohne Interdisziplinarität kann es heute keine Diskussion mehr über Nachhaltigkeit geben», sagt der Heidelberger Umweltbürgermeister Eckart Würzner, der eng auf kommunaler Ebene mit dem Institut kooperiert. «Deswegen freut es mich, dass die Ausbildung hier auf so hohem Niveau stattfindet.»


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