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2002-12-11 12:29:49 Privatuni «ebs» Sponsorenflaute und KonkurrenzWiesbaden - Zwischen den Vorlesungen sitzt der akademische Nachwuchs auf der Freiterasse vor dem neuen Hörsaalgebäude, den weinbewachsenen Burgturm im Rücken, die Rheinschifffahrt im Blick. Schloss Reichartshausen im Rheingau, Sitz der ältesten deutschen Privatuni für Betriebswirtschaft «European Business School», wurde in Urkunden erstmals 1123 erwähnt. Dass es in der Wirtschaft, für die hier jährlich knapp 200 Frauen und Männer ausgebildet werden, immer heftiger kracht, sorgt bei den Studenten der Elitehochschule bisher kaum für Unruhe. Strenge Aufnahmetests, ein straffer Studienplan über vier Jahre, zwei Auslandssemester und der enge Praxisbezug des Studiums machen die Absolventen interessant für Personalvermittler: Auch im Krisenjahr 2002 bekamen ebs-Betriebswirte durchschnittlich zwei Vertragsangebote, meist zu Einstiegsgehältern von 45000 Euro und mehr. Beim Blick in die Zukunft plagen den neu ins Amt gekommenen ebs- Rektor Prof. Manfred Timmermann dennoch Sorgen. Der ehemalige Verteidigungs-Staatssekretär unter Helmut Kohl und BWL-Ordinarius in St. Gallen schaut beim Spendensammeln für die zu gut 30 Prozent Sponsoren-finanzierte Privatuniversität immer öfter in das hässliche Gesicht der Rezession. «In den Vorstandsetagen wird gespart. Da zückt keiner mehr das Scheckbuch und sagt: Wie viel braucht Ihr denn?» Künftig, fürchtet Timmermann, könnten vielen Eltern auch die 9500 Euro Studiengebühr pro Jahr und Student zu viel werden. Wenn diese Haupteinnahmequelle wackeln würde, bekäme die ebs mit ihren 14 Millionen Euro Jahresetat und rund 60 Professoren echte Probleme. Mit gemischten Gefühlen hat Timmermann außerdem Ende Oktober die pompöse Gründungsfeier der European School of Management und Technology (ESMT) im früheren Staatsratsgebäude in Berlin beobachtet. 90 Millionen Euro Stiftungskapital hat die Wirtschaft für das «deutsche Harvard» schon bereitgestellt, zu den Berliner Sponsoren gehört auch die Deutsche Bank, die bei der ebs schon seit langem engagiert ist. «Auf Dauer werden die Großkonzerne nur eine Managerhochschule finanzieren und da dann natürlich auch ihre Leute hinschicken», sagt der ebs-Rektor nüchtern, «deshalb müssen wir umsteuern: Unsere Zielgruppe muss der Mittelstand sein, nicht die ganz Großen». Timmermann will nicht warten, bis der Wettbewerb die ebs überholt, sondern für die Hochschule werben und ihr Konzept erweitern: Möglichst bald will er eine neue «Masterschool» mit Management- Aufbaukursen für Akademiker eröffnen. Das berufsbegleitende Angebot soll erfolgreichen Ingenieuren, Juristen oder Naturwissenschaftlern die Tür zu den oberen Etagen ihrer Firma öffnen. Die ebs rechnet mit 35 000 bis 40 000 Euro Studiengebühr pro zweijährigem Kurs. Die ebs will mehr Forschungsmittel einwerben und Doktoranden intensiver in die Forschung einbinden. «Wir müssen in der Forschung eine Rolle spielen, sonst bekommen wir die jungen Spitzenprofessoren nicht.» Wenn in den nächsten acht Jahren die Hälfte der deutschen Professoren in den Ruhestand geht, wie Hochschulforscher vorhersagen, konkurriert die kleine ebs europaweit mit mächtigen Konkurrenten. Schließlich wirbt der neue Rektor um Studenten mit dem nötigen Leistungspotenzial, denn jeder besetzte Studienplatz bringt 9500 Euro im Jahr. Anfang des Jahres will Timmermann die mehr als 2000 Ehemaligen und die Studenten der unteren Semester losschicken, um an ihren Gymnasien Werbung für die ebs zu machen. Gleichzeitig laufen Werbeanzeigen. «Wir brauchen für unsere 200 Plätze mindestens 600, besser 800 Bewerber. Wenn wir anfangen, jeden zu nehmen, ist es mit uns bald vorbei.» Eine Übersicht aller News gibts hier. |
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