![]() << Zurück zur JOBBER-Startseite >> |
|
2002-12-03 10:30:02 Kultur macht Firmen das Leben schwerAachen - Der belgische Unternehmer war sehr irritiert: Die deutschen Geschäftspartner hatten die Einladung zum Mittagessen nach einer Besprechung einfach ausgeschlagen. Für den belgischen Wirtschaftsförderer Oliver Raudszus nichts Ungewöhnliches: «Die Deutschen sagen: Wir haben keine Zeit und sind gleich weg.» Für einen belgischen Geschäftsmann ist das undenkbar. «Wenn ein Termin um 11 Uhr stattfindet, geht man natürlich gemeinsam zum Mittagessen.» Im westlichen Dreiländereck Belgien, Niederlande und Deutschland bei Aachen betonen die Menschen gerne, dass die nationalen Grenzen nur noch auf der Landkarte existieren. Raudszus von der Wirtschaftsförderungsgesellschaft im belgischen Eupen sieht das anders. Er hilft mittelständischen Unternehmen aus der wallonischen Region, sich auf dem deutschen Markt zu platzieren. Doch auf dem Weg dahin lauern kulturelle Unterschiede wie Stolpersteine, die jedes noch so glänzende Unterfangen zu Fall bringen können. So spielen Äußerlichkeiten bei deutschen Geschäftsleuten eine große Rolle. Der vergessene Schlips, der Firmeneingang im grauen Hinterhof oder das formlose Schreiben ohne Geschäftsbogen machten direkt einen schlechten Eindruck. «Für Deutsche muss das Drumherum stimmen», meint Raudszus aus Erfahrung. Seine Landsleute sehen das in vielen Fällen anders. «Die Kulturunterschiede in Europa werden oft schwer unterschätzt», sagt die interkulturelle Beraterin, Carla Seifert. Die Deutsche, die seit 30 Jahren in den Niederlanden (Muiderberg) lebt, setzt sich seit Jahrzehnten mit kulturellen Problemen in internationalen Unternehmen auseinander. «Ich sorge dafür, dass Manager sich verstehen», skizziert sie bei einem Vortrag an der deutsch-niederländischen Grenze in Kerkrade ihr Arbeitsfeld. Und das habe mit Sprachenkenntnis wenig zu tun. Es seien die vermeintlich kleinen Unterschiede, die den europäischen Nachbarn das Leben schwer machten. «Wenn ein Deutscher ja sagt, dann meint er ja. Wenn ein Belgier ja sagt, dann heißt das: Ja, ich habe gehört, was du sagst», nennt sie ein Beispiel. Prägend für den Umgang unter Nachbarn seien auch Vorurteile. Und die sollten Geschäftsleute ihrer Meinung nach kennen. «Die Holländer finden die Deutschen im Alltag nicht besonders nett», sagt sie. Die Deutschen gelten als detailbesessen, humorlos, fahren «fette» Autos und bauen Sandburgen. Die Deutschen fänden die Holländer zwar «niedlich», auf der anderen Seite auch unverbindlich, geizig und geschwätzig. Zum besseren Verständnis will die regionale Wirtschaftsförderungsgesellschaft AGIT in Aachen ein Seminar für belgische und deutsche Unternehmer anbieten - mit einem zweisprachigen Moderator. Denn manchmal hakt das Verständnis auch an der Sprache, sagt Victoria Appelbe von der AGIT. Da ist die Hemmschwelle für deutsche Unternehmer, in die Niederlande zu gehen, etwas niedriger, «weil viele Holländer dankenswerter Weise Deutsch sprechen.» Aber selbst hier ist nach Meinung Carla Seiferts Zurückhaltung angebracht. «Viele Deutsche denken, die Niederländer sprechen Dialekt und brauchen nur den Knopf umzulegen und schon sprechen sie Deutsch. Das wirkt bei Holländern arrogant», sagt sie - um dann aber zu beschwichtigen: «Ist es aber nicht.» Eine Übersicht aller News gibts hier. |
<< Zurück zur JOBBER-Startseite >> |