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2002-11-05 11:19:20

PISA-Studie: Experten gegen «überhastete Schritte»



Flensburg - Vor «überhasteten Schritten» als Konsequenzen aus der PISA-Schülerstudie haben Schleswig-Holsteins Kultusministerin Ute Erdsiek-Rave (SPD) und Bildungsexperten der Flensburger Universität gewarnt. Bei der Lehrerausbildung und in den Schulen müsse aber etwas geändert werden, lautete das Fazit einer Referats- und Diskussionsrunde zu PISA in der «Lehrerhochschule».

Erdsiek-Rave unterstrich, vieles sei nach Beratungen mit den Fachleuten bereits auf den Weg gebracht worden. Die flächendeckende Einführung von Ganztags-Gesamtschulen lehnte sie jedoch kategorisch ab. Es wäre nicht legitim, eine solche Forderung aus PISA abzuleiten. Diese Forderung ist nach Ansicht der Ministerin nicht durchsetzbar, da die Bildungsdiskussion in Deutschland allzu sehr parteipolitisch und ideologisch geführt werde. «Das jetzige System völlig umzukrempeln, traut sich in Deutschland niemand; eine solche Diskussion endet im bildungspolitischen Grabenkampf.»

«Wir sind gar nicht so schlecht, wir haben aber ein Systemproblem», meinte Prof. Gerd Jürgen Müller, Institutsleiter für Sachunterricht der Uni. Aus den Reihen der anderen Professoren kam die selbstkritische Forderung, es sei nicht nur die lehrende Schule gefordert, sondern auch «die lernende Universität». Die gegenwärtige Lehrerausbildung bestimme die PISA-Ergebnisse der nächsten 40 Jahre, «und das sollte uns nachdenklich machen». Dabei sei kein radikales Umdenken nötig, sondern ein Nachdenken über Studienstrukturen, Lehr- und Lernprozesse sowie Angebote, die mehr Raum beispielsweise für Projekte und mehr Schulpraxis schaffen.


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