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2002-11-04 10:58:34 Analphabetismus betrifft Millionen MenschenKöln - In Amtsdeutsch wird Michael Schneider als «funktionaler Analphabet» bezeichnet. Der 37- jährige Maschinenschlosser ist davon überzeugt, durch seine Legasthenie ein Behinderter zu sein. «Man will es immer verstecken, aber man kann es nicht», beschreibt der Kölner seine Lage. Micheals Problem: Er kann kaum lesen und schreiben. Michael Schneider ist einer von schätzungsweise vier Millionen «funktionalen Analphabeten» in Deutschland, deren Kenntnisse nicht für die alltäglichen Anforderungen im Lesen und Schreiben ausreichen. Laut Bundesverband Alphabetisierung in Münster sind das 6,3 Prozent aller Menschen, die in Deutschland die Schule besucht haben. Die Ursachen für die Versäumnisse sind ein Zusammenspiel von individuellen, familiären, schulischen und gesellschaftlichen Faktoren, heißt es beim Bundesverband. Briefe für Michael Schneider musste früher dessen Mutter lesen. Heute hilft ihm seine Freundin dabei. Mit dem Rechnen hat er aber keine Schwierigkeiten. Das ist nicht selbstverständlich. Der Grund: Auch im Mathematikunterricht haben die Schüler mit Texten zu tun, wenn es um die Lösung von Aufgaben geht, sagt Marion Döbert vom Bundesverband. Auch Computerkenntnisse fehlen nach den Erfahrung der Expertin meistens völlig. Das erschwert den Betroffenen den Einstieg in den Arbeitsmarkt. Dabei könnte ein Alphabetisierungskurs weiter helfen, doch vorher müssen Betroffene ihre Defizite eingestehen. «Es ist oft so, dass der Partner oder die Partnerin den Anstoß geben», berichtet Achim Barde, Dozent für Alphabetisierungskurse an der Volkshochschule (VHS) in Köln. «Vor dem Start schlafen die Teilnehmer mitunter nicht richtig», beschreibt Barde die Aufregung der Schüler angesichts des folgenschweren Schrittes. Das Altersspektrum reiche von 16 bis 60 Jahre. Ähnlich unterschiedlich sei auch der Kenntnisstand beim Lesen und Schreiben. «Es gibt Teilnehmer, die können gar nichts», schildert der Dozent. «Andere können lesen oder sogar schreiben, sind sich aber sehr unsicher.» Rund 7000 Menschen haben in Nordrhein-Westfalen im vergangenen Jahr die knapp 700 Alphabetisierungskurse besucht, schätzt der VHS- Landesverband. Das ist fast die Hälfte der bundesweit 20000 Erwachsenen, die laut Bundesverband Alphabetisierung derzeit in einem Kurs Lesen und Schreiben lernen. Ein Problem bei der Alphabetisierung sei das bundesweit lückenhafte VHS-Netz. Auf eine Million Menschen kämen in NRW rund 30 Kurse, in Bayern seien es nur fünf, sagt Peter Hubertus vom Münsteraner Bundesverband. Um ein Selbsthilfenetz voranzutreiben, hat der Verband mit den Volkshochschulen ein Internetportal für Betroffene ins Leben gerufen. Seit dem ersten Oktober wird nun daran gearbeitet. Einen Eröffnungstermin gibt es allerdings noch nicht. Eine Übersicht aller News gibts hier. |
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