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2002-11-04 12:57:43

Legastheniker in Berufsausbildung benachteiligt



Marburg - In der Berufsausbildung wird nach Ansicht des hessischen Landesverbandes Legasthenie zu wenig Rücksicht auf Jugendliche mit einer Lese- und Rechtschreibschwäche genommen. «Der Notenschutz, mit dem die Rechtschreibung von Legasthenikern nicht bewertet wird, gilt nur an Haupt-, Realschulen und Gymnasien», kritisierte die Landesvorsitzende Astrid Dietmann-Quurck in Marburg.

«Damit werden die Zukunftschancen der Betroffenen stark eingeschränkt.» Um Chancengleichheit bei Ausbildung und Studium zu gewährleisten, müssten Legastheniker mehr Zeit für Prüfungen haben und technische Hilfsmittel wie Rechtschreib-Programme benutzen dürfen. Zudem müsse der so genannte Notenschutz «in allen Schulformen und in allen Klassenstufen» gelten. Dietmann-Quurck forderte die Industrie- und Handelskammern sowie die Hochschulen auf, dies in ihren Prüfungsordnungen zu berücksichtigen. «Legastheniker haben einen lebenslangen Nachteil, der ausgeglichen werden muss.»

Viele Kinder und Jugendliche mit einer Lese-Rechtschreib-Schwäche seien sehr leistungsbereit, sagte die 39-Jährige. «Es wird häufig übersehen, dass sie enorme zusätzliche Leistungen erbringen, ob das der große Zeitaufwand für Hausaufgaben ist oder für Extra-Förderung.» Weil Legastheniker dennoch das Gefühl hätten, der Leistung ihrer Mitschüler hinterher zu hinken, bekomme ihr Selbstwertgefühl häufig einen Knacks: «Auf Dauer droht dann eine seelische Behinderung.»

Je früher die Störung erkannt werde, desto besser könne den Kindern geholfen werden, betonte Dietmann-Quurck. «Aber in der Lehrerausbildung sind Früherkennung und Förderung leider noch nicht verankert.» Die Symptome könnten mit Therapien allerdings nur abgeschwächt, nicht beseitigt werden. Unter Lese-Rechtschreib- Schwäche leiden Schätzungen zufolge rund fünf Prozent der Bevölkerung.

http://www.lvl-hessen.de


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