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2002-09-05 11:11:52

Immer mehr jüngere Analphabeten



Münster - Immer mehr junge Menschen sind nach Ansicht des Bundesverbandes Alphabetisierung von erheblichen Lese- und Schreibschwächen betroffen. Die Zahl junger Anrufer beim bundesweiten «ALFA-Telefon» habe seit Bestehen der Sorgenhotline 1995 stark zugenommen, sagte der Geschäftsführer des Bundesverbandes Alphabetisierung, Peter Hubertus.

In erster Linie seien schlechtere Schulausbildung und mangelnde Kommunikation in den Familien für die Entwicklung verantwortlich. Nach seinen Worten wenden sich heute auch mehr junge Menschen an das Sorgentelefon, weil der Leistungsdruck in der Gesellschaft größer geworden sei: «Früher fanden Jugendliche, die nicht Lesen und Schreiben konnten, eher eine Nische in der Berufswelt etwa als Hilfsarbeiter. Heute stehen sie auf dem Arbeitsmark vor verschlossenen Türen», sagte Hubertus. Bundesweit gebe es insgesamt rund vier Millionen so genannte funktionale Analphabeten, die über nur unzureichende Lese- und Schreibkenntnisse verfügen.

Auch die PISA-Studie habe die Verjüngung unter den Analphabeten bestätigt. Wenn rund zehn Prozent der 15-Jährigen gängige Alltagstexte nicht verstünden, sei das Ausdruck fehlender Lesekompetenz und ein Zeichen dafür, dass Schulen ihren Auftrag offenbar nicht erfüllt hätten. Laut Hubertus haben Fernseher und Computer in vielen Familien zwischenmenschliche Gespräche abgelöst. «Dabei ist die Kommunikation eine wichtige Voraussetzung für das Lernen von Lesen und Schreiben.»

Der Bundesverband Alphabetisierung mit Sitz in Münster verzeichnete nach eigenen Angaben bis Ende August bereits 4000 Anrufe, im gesamten vergangenen Jahr waren es knapp 2300. Die Zunahme ist laut Hubertus auf die verstärkt im Fernsehen ausgestrahlten Werbespots über das «ALFA-Telefon» zurückzuführen. Die Hotline vermittelt Schreib- und Lesekurse für Erwachsene in ganz Deutschland.

ALFA-Telefon: 02 51/53 33 44

ALFA-Telefon: http://www.alfa-telefon.de


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