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2002-08-19 12:07:29 Freiwillige brauchen PflegeSchmitten - Ein Rentner schwärmt von seiner Arbeit im Kasseler Stadtmuseum ,bei Veranstaltungen schießt er Fotos. Wenn irgendwo die Technik klemmt, springt er ein. Mädchen für alles sei er, berichtet der Mann, «Eine Rolle, die mir gut gefällt.» Vermittelt wurde er vom FreiwilligenZentrumKassel. Der Mann ist einer von rund 22 Millionen Deutschen, die sich nach Angaben des Bundesfamilienministeriums freiwillig in Verbänden, Vereinen und anderen Organisationen engagieren. Nach Ansicht von Sozialwissenschaftlern herrschen aber bei vielen Organisationen schlechte Bedingungen für Freiwillige. Zahlreiche neue Berater-Agenturen wollen Abhilfe schaffen. Freiwilliges Engagement sei nicht selten, berichtet der Münchner Sozialwissenschaftler Gerd Mutz. Aber die großen Verbände beklagten fast alle, dass ihnen die Leute fehlten. Bei den Kleinen stünden die Freiwilligen dagegen Schlange. Der Grund, die starren Hierarchien, die in vielen Verbänden noch vorherrschten. Freiwillige wollten sich aber in den meisten Fällen stärker einbringen und oft echte Mitbestimmungsrechte haben. «Hierarchien, davon haben sie doch im Berufsalltag genug», sagt Mutz. Außerdem wollten sich viele nur für begrenzte Zeit einspannen lassen. Viele Organisationen sehen in den Freiwilligen nach der Erfahrung von Vermittlern nur billige Arbeitskräfte. «Sie rufen bei uns an und sagen, ´Schickt uns mal zehn Freiwillige, die können wir gut brauchen.´ Und ich merke, die wollen sie als Lückenbüßer», berichtet Frank Gerhold vom FreiwilligenZentrumKassel. Dann frage er ganz deutlich, «Warum soll sich denn jemand ausgerechnet für Sie engagieren?» Manchmal merke er, wie am anderen Ende der Leitung daraufhin ein Denkprozess einsetze. Seine Hauptarbeit sei es, die Organisationen beim richtigen Umgang mit Freiwilligen zu beraten, sagt Gerhold. In einem Krankenhaus sei auf seine Initiative vertraglich geregelt, dass die ehrenamtlichen Besucherinnen den Kranken zwar Händchen halten dürften, dass sie aber keinesfalls der Krankenschwester helfen und ein Krankenbett über den Flur schieben müssten. «So was muss klar sein», betont Gerhold. «Sonst laufen die Leute auch in ein versicherungsrechtliches Fiasko rein.» Aber viel zu wenige Organisationen ließen sich auf derartige Regelungen ein. Nach Einschätzung des Sozialwissenschaftlers Mutz sollten sich auch Schulen und Unternehmen für freiwilliges Engagement einsetzen. Firmen beispielsweise könnten ihre Mitarbeiter für ein paar Stunden pro Woche freistellen oder ihnen Fax-Gerät, Kopierer oder Dienstwagen zur Verfügung stellen, «all die kleinen Dinge, die freiwilliges Engagement so schwer machen», sagt Mutz. Davon hätten die Unternehmen durchaus einen Nutzen. Schließlich seien ehrenamtlich Engagierte ausgeglichener als reine Berufsmenschen und oft sogar die engagierteren Mitarbeiter. Jugendliche sollten für ihr Engagement mit besseren Chancen auf einen Studienplatz oder freien Eintritt in Museen und Schwimmbäder belohnt werden. Die Vermittler-Agenturen selbst seien mit Freiwilligen kaum zu betreiben, beklagt die Bundesarbeitsgemeinschaft der Freiwilligen-Agenturen (bagfa) in Berlin. bagfa-Referent Ingolf Schwebe, «Wir selbst brauchen hauptamtliche Kräfte, das hat die Erfahrung gezeigt. Wenn wir selbst nur mit Ehrenamtlichen besetzt sind, klappt das doch hinten und vorne nicht.» Eine Übersicht aller News gibts hier. |
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