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2002-06-10 11:17:45

Protest gegen Uni-Gebühren wird schärfer



Düsseldorf - Die Düsseldorfer Prachtstraße der Reichen und Schönen nahmen die Studenten im Sturm: Wo sonst Manager und Models auf der Königsallee flanieren, lag am Samstag ein Hauch von Anarchie in der Luft. Fast 18 000 Studenten, aus dem ganzen Land angereist, wetterten in Sprechchören gegen die geplanten Studiengebühren der rot-grünen Landesregierung.

Ganz freche Jung- Akademiker marschierten schnurstracks in die piekfeinen Boutiquen und drückten den verdutzten Kunden ihre Flugblätter in die Hand. Darin konnten die Bürger nachlesen, was die 500 000 Studenten in Nordrhein-Westfalen auf die Palme bringt. Geht es nach dem Willen von Finanzminister Peer Steinbrück (SPD), muss jeder Student vom Sommersemester 2003 an 50 Euro Rückmeldegebühren je Semester auf den Tisch legen. Wer sein Studium um mindestens fünf Semester überzieht, soll mit 650 Euro zur Kasse gebeten werden. Auch ein Zweitstudium wäre gebührenpflichtig. So sollen rund 120 Millionen Euro zur Sanierung des Haushalts zusammenkommen.

«Das ist asozial. Bald studieren in NRW nur noch die Kinder reicher Eltern», schimpfte die Germanistikstudentin Annika (23) aus Köln. Eine ihrer Mitstreiterinnen wollte Landesvater Wolfgang Clement (SPD) ganz persönlich in die Pflicht nehmen. «Ich brauche einen reichen Pappi. Wolfgang, adoptier mich!», hatte sie sich auf ihr T- Shirt gepinselt. Der Ministerpräsident und sein Kabinett litten an Realitätsverlust, schimpften die Demonstranten. «Wir wollen studieren und nicht am Existenzminimum leben, um das Haushaltsloch zu stopfen», sagte eine Studentin aus Bochum.

Andere formulierten ihre Wut drastischer: «Das Land der Dichter und Denker führt seine Bildung zum Henker», stand auf einem Spruchband. In der Düsseldorfer Altstadt flitzte ein nackter Student durch die Straßen, die Scham nur durch ein Pappschild verhüllt: «Einem nackten Studenten kann man nicht in die Taschen greifen!»

Anders als in der Vergangenheit wollen die Studenten dieses Mal ihren Protest bis zum Ende durchhalten. Seit Wochen boykottieren tausende Nachwuchswissenschaftler an den Hochschulen die Vorlesungen und Seminare. Rückendeckung erhalten sie von den Gewerkschaften. «Eine Einschreibgebühr ist ein bildungspolitischer Irrweg», sagte der DGB-Bezirksvorsitzende Walter Haas.

Bei symbolischen Bettelaktionen oder Beerdigungen in der Innenstadt soll es nach Angaben der Studenten nicht mehr bleiben. «Wir werden die Abgeordneten und Minister in Düsseldorf Tag und Nacht anrufen, bis sie zur Vernunft kommen», kündigte ein Studentenvertreter am Rande der Demo eine verschärfte Gangart an. Der fußballbegeisterte Ministerpräsident schieße ein Eigentor, wenn sein Kabinett die Gebührenpläne absegne. «So blöd kann man doch nicht sein, direkt vor den Wahlen Studiengebühren einzuführen.»


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