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2002-06-04 10:09:43

Auch nach Pisa-Studie kaum Leseförderung



Mainz - Das schlechte Abschneiden Deutschlands bei der Bildungsvergleichsstudie Pisa hat nach Einschätzung der Stiftung Lesen noch nicht zu einer verstärkten Leseförderung geführt. «Es gibt viele Sonntagsreden, aber keine konkreten Taten», sagte der Geschäftsführer der Stiftung Lesen, Heinrich Kreibich, der Deutschen Presse-Agentur in Mainz.

«Es ist lächerlich, wie wenig Geld die Länder zur Leseförderung aufwenden.» Dabei sei die Lese- und Ausdrucksfähigkeit von immenser Bedeutung. «Wo nicht geredet wird, entsteht Gewalt.»

Viele Erkenntnisse lägen vor, würden aber nicht umgesetzt, beklagte Kreibich. So müssten nach einer Rechnung der Stiftung Lesen bundesweit innerhalb von drei Jahren rund 50 Millionen Euro in die Medienausstattung der Kindergärten investiert werden. «Dazu gehört die ideale Vorlesebibliothek für Kinder, die auch den Eltern Orientierung bietet.» Aber auch die Anschaffung von Fernsehern und die Beschäftigung mit Hör- und Video-Cassetten oder DVDs sei für die Medienerziehung von Bedeutung. «Heutzutage ist es wichtig, dass die Kinder nicht nur Lesen und Schreiben lernen, sondern auch den richtigen Umgang mit den Medien. Das ist eine enorme Herausforderung für Eltern, die dem fast hilflos gegenüber stehen.»

Nachholbedarf gebe es auch bei der Ausbildung der Erzieherinnen. Medienkompetenz spiele dort kaum eine Rolle. «Da müsste ein Weiterbildungsangebot aufgebaut werden. Wir können das Vorlesen nicht auf eine Stunde in der Erzieherausbildung reduzieren.»

Allerdings werde der Grundstock für die Lesekompetenz in der Familie gelegt. «Wir können das nur in der Familie initiieren, wenn die Kinder zwei bis sechs Jahre alt sind. Darauf muss die Schule aufbauen, sie kann die Defizite der Erziehung zu Hause nicht ausgleichen.» Die Sprachlosigkeit in vielen Familien sei ein Problem. Gewaltszenen im Fernsehen könnten von aktiven Lesern besser eingeordnet werden. Auch Familienväter müssten sich mehr in der Medienerziehung engagieren und sollten von den Bildungsinstitutionen dazu angeregt werden. «Man kann die Kinder gewinnen, zu Hause Druck zu machen.» Eltern sollten Vorlesen und Erzählen, Bücher auswählen, die die Kinder interessieren und Fernsehen nicht verteufeln.

Als Hilfestellung bietet die Stiftung Lesen die Broschüre «Die besten Medien für ihr Kind» an. Die erste Ausgabe erschien im Dezember 2001, nun liegt das neueste Heft vor. Bundesweit werden rund 350 000 Exemplare verteilt, viele davon bei Kinderärzten. Auf 32 Seiten erhalten Eltern, Lehrer und Erzieher Tipps, welche Filme, Bücher oder Hörcassetten sich besonders gut für Kinder eignen. Die Stiftung Lesen will Spaß am Lesen vermitteln. Sie steht unter der Schirmherrschaft der Bundespräsidenten.

(Internet: Stiftung Lesen: http://www.stiftunglesen.de/index_html.html)


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