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2002-04-24 17:01:35 30 Jahre InformatikstudiumDarmstadt - Kein anderer Studiengang entwickelt sich so rasant wie die Informatik. Mussten die Gründerväter vor 30 Jahren in Darmstadt, Karlsruhe und München ihre Rechner noch mit Lochkarten füttern und eine Nacht auf das Ergebnis warten, so dauert dieser Rechenvorgang heute nicht länger als eine Sekunde. Die Technische Universität Darmstadt (TUD) lässt in einer Jubiläumsfeier am 29. und 30. April mit der Bundesforschungsministerin Edelgard Bulmahn die Erfolgsgeschichte Revue passieren. Dass die Informatik als eigener Studiengang eingerichtet wurde, ist der «Software-Krise» Mitte der 60er Jahre zu verdanken. Einige große Unternehmen in den USA und Europa «feierten spektakuläre Misserfolge, weil sie zwar über gute Rechner, aber über schlechte Programme verfügten», erinnert sich Professor Robert Piloty, der zu den Gründern des Fachbereichs in Darmstadt gehört. In den USA wurde daraufhin 1968 der Studiengang «Computer Science» gegründet. In Europa tauften die Wissenschaftler das Kind «Informatik». Obwohl die Bundesregierung Fördergelder zusagte, verzögerte sich die Einführung wegen der 68er-Unruhen. «In dem neuen Studiengang sollten alle revolutionären Ideen umgesetzt werden, von Mitbestimmung bis zum Verzicht auf Noten», erzählt Piloty. Allein die Besetzung der Berufungskommission musste in 16 Sitzungen ausdiskutiert werden. 1972 konnten dann vier Professoren mit 60 Studierenden ihre Arbeit aufnehmen. Der Fächerkanon war übersichtlich: Programmiersprachen, Betriebs- und Datenbanksysteme. Heute hat sich die Informatik aufgesplittert - von grafischer Datenverarbeitung bis zu interaktiven Systemen. Rund 25 Fakultäten in Deutschland bieten das Fach als Hauptstudium an. Seit Ende der 90er Jahre werden sie regelrecht überrannt. So haben sich in dieser Zeit die Anfängerzahlen in Darmstadt von 200 auf über 400 verdoppelt. Die Lochkarten sind durch Computer mit Bildschirmen ersetzt worden. Fast 90 Prozent der Studenten haben einen eigenen PC zu Hause, etwa die Hälfte verfügt über ein Laptop. «Von der technischen Ausstattung haben wir im Grundstudium keine Probleme mehr», erklärt der Darmstädter Dekan Wolfgang Henhapl. Zur Lösung umfangreicher Aufgaben bekommt die TUD jetzt einen Hochleistungsrechner, der 500 Milliarden Rechnungen pro Sekunde ausführen kann. Die 30-jährige Informatik-Geschichte hat allerdings auch Schattenseiten. Universitäten und Fachhochschulen bilden Jahr für Jahr rund 15 000 Informatiker aus, der Bedarf ist nach einer Studie der Bundesregierung jedoch vier mal so hoch. «In der Vergangenheit wurden die falschen Weichen gestellt», sucht Henhapl nach einer Erklärung. Weder Politik noch Arbeitsämter oder Schulen hätten die Nachfrage erahnt oder geweckt. Die «Technikfeindlichkeit an den Schulen» lässt für Professor Oskar von Stryk auch für die Zukunft nichts Gutes erwarten. Für die Lehrerausbildung im Fach Informatik seien kaum Interessenten zu gewinnen. Henhapl ärgert sich zudem über den geringen Anteil von 15 Prozent weiblicher Studenten. «Die Frauen begreifen nicht, dass die Berufe im IT-Bereich sehr flexibel sind und sich ideal mit Familie verbinden lassen.» Zum Problem werden auch die Lizenzen für die Software. Zwar muss die Wissenschaft nur zehn Prozent des Ladenpreises bezahlen, trotzdem bringt das die Universitäten schnell an ihre finanziellen Grenzen. Die TUD etwa muss jährlich etwa 25 000 Euro dafür einsetzen. «Wir suchen nach Finanzierungsmodellen mit der Industrie.» Gemeinsam mit den Unternehmen wird auch ein neuer Master-Studiengang geplant, in dem sich IT-Mitarbeiter auf den neuesten Stand bringen können. Der ständige Wissenszuwachs macht auch den Professoren zu schaffen. «Bei Basisvorlesungen müssen wir jedes Jahr etwa 30 Prozent der Inhalte erneuern», erklärt Henhapl. Lehrbücher sind meist schon bei ihrem Erscheinen veraltet. In 30 Jahren ist außerdem bei den Programmiersprachen eine babylonische Verwirrung entstanden. Diese Entwicklung macht nach Ansicht von Stryks ein neues Studienfach notwendig. Ab dem Wintersemester wird in Darmstadt «Computational Engineering» angeboten, an dem neben Informatik die Fachbereiche Mathematik, Mechanik, Maschinenbau, Elektrotechnik, Bauingenieurswesen und Geodäsie beteiligt sind. «Informatik spielt fast überall mit hinein», so von Stryk. «Wir sind erst am Anfang der digitalen Revolution.» Eine Übersicht aller News gibts hier. |
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