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2002-04-10 12:11:42

Der Imker-Beruf stirbt aus



Bad Segeberg - Bienenvölker betreuen, Honig ernten, Königinnenzucht oder Wabensortierung - Ole Paulick hat in den vergangenen zweieinhalb Jahren an der Imkerschule in Bad Segeberg im Kreis Segeberg viel gelernt. Der 21-Jährige ist der einzige Lehrling in Schleswig-Holstein, der das Interesse an Bienenhaltung und Honigproduktion zum Beruf macht.

Hauptberufliche Imker gibt es kaum noch, und selbst wenn das Interesse an dieser Tätigkeit wieder wachsen sollte, wird es schwierig werden, die Imkerei als Beruf zu erlernen. Wenn Paulick im August seine dreijährige Ausbildung beendet, wird es die Ausbildungsstelle der Landwirtschaftskammer zum «Tierwirt, Fachrichtung Bienenhaltung» wahrscheinlich nicht mehr geben. «Imker sterben aus, das ist schon so», sagt Paulick. «Es ist schade, dass es dann keine Ausbildung mehr gibt.»

Die Imkerschule in Bad Segeberg blickt auf eine lange Tradition zurück: Seit fast hundert Jahren werden hier Imker ausgebildet. Während des Zweiten Weltkrieges und in der Nachkriegszeit waren es vor allem Kriegsversehrte und Frauen, die hier die Schulbank drückten und Imkerei zur Selbstversorgung lernten. Inzwischen ist der Begriff «Schule» mehr Tradition als Programm, denn Schüler im eigentlichen Sinn gibt es nicht mehr. Auf dem Programm des Schulungszentrums stehen heute hauptsächlich Imkerberatung und Wochenendkurse für Erwachsene, die in ihrer Freizeit der Imkerei aus Interesse, aber eben nicht hauptberuflich nachgehen wollen.

Geert Staemmler arbeitet an der Imkerschule als Bienenzuchtberater und ist auch an der Ausbildung beteiligt. Zu den beruflichen Chancen der ausgelernten Berufsimker sagt er: «Die meisten werden arbeitslos und müssen irgendwann umschulen.» Für die guten Leute gebe es aber durchaus Möglichkeiten, entweder an Bienenforschungsinstituten oder als Imker mit eigener Zucht. «Mich interessiert schon die Laufbahn der Lehrlinge, da ist man ja stolz drauf», sagt Staemmler. Um den letzten Kandidaten Paulick macht sich der Bienenzuchtberater keine großen Sorgen, der sei top, und wenn die Imkerschaft in Deutschland zurückgehe, sei das möglicherweise ein Pluspunkt für ihn.

Als Paulick sich 1999 für die Stelle bewarb, stand für ihn nicht der Gedanke an den möglichen Verdienst im Vordergrund, sondern das Interesse an der Bienenhaltung. Dieses Interesse habe schon bestanden, bevor er über einen Imkerverein konkrete Informationen zu der Ausbildung erhielt. Die Zukunft der Imker und die «Nachwuchsfrage» sieht Paulick kritisch: «In der Vereinsstruktur, wie sie besteht, sehe ich kaum die Möglichkeit, junge Leute für Imkerei zu interessieren.»

Inzwischen liegt der letzte Theorieblock der Ausbildung hinter Paulick, von seinem Abschluss trennen ihn nur noch fünf Monate in der Praxis. Was dann kommt, ist ungewiss, aber der 21-Jährige hat einen persönlichen Zukunftstraum: ein eigener Imkerei-Betrieb. Eine Idee, von der er sich selbst fragt, ob sie realistisch sei. «Ich werde es versuchen - langsam und in kleinen Schritten.»


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