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2002-04-05 10:13:49

Schädlingsbekämpfer sind gefragt



Kempen/Kreis Viersen - Kakerlaken, Ratten, Läuse oder Wanzen: Wenn der Kammerjäger gerufen wird, ist er im Kampf gegen Ungeziefer oft die letzte Hoffnung. Der Job des Schädlingsbekämpfers hat dennoch nicht das beste Image und wird als Traumberuf äußerst selten genannt.

Für Hans-Günther Thelen (54) ist es trotzdem ein Beruf mit Zukunft, der von der Globalisierung profitiert: Weltweiter Transport und Tourismus verbreiten zwangsläufig auch unerwünschte Plagegeister. Als «Meister» der Kammerjäger bildet Thelen im niederrheinischen Kempen bei Krefeld seit 15 Jahren den Nachwuchs aus - in einer von nur drei Schulen für Schädlingsbekämpfer bundesweit.

Etwa 20 Aspiranten pro Kurs pauken ein halbes Jahr Schädlingsbiologie, Giftkunde oder ganz praktisch «Begasung im Erdreich» für ihre Abschlussprüfung zum Geprüften Schädlingsbekämpfer. Immerhin 95 Prozent beenden erfolgreich den Unterricht mit der ekligen Klientel. Und die meisten fänden hinterher eine Stelle. Viele von ihnen sind Umschüler und haben schon erste Einsätze hinter sich - denn der Job ist kein anerkannter Ausbildungsberuf, der eine Lehre voraussetzt.

Die meisten Teilnehmer sind eher zufällig auf den Beruf, so wie Alexander Fahrbach (33): Der gelernte Sporttherapeut musste wegen Schabenbefalls seiner Wohnung einen Profi rufen. Der kurze und kostspielige Einsatz am lebenden Objekt hat ihn nachhaltig beeindruckt: «Ich war sofort begeistert.»

«Antifloh», «Killgerm» oder «Ameisen-Buffet» als Spray oder Gel - im Keller des Kempener Bildungszentrums stehen Flaschen und Dosen: das Arsenal des modernen Kammerjägers. In einer Ecke ist ein Wohnzimmer nachgebaut - an Couch und Teppich wird der Ernstfall simuliert. In einer Extra-Halle stehen befallene Holz- und Steinwände bereit.

Besonders wichtig: Eine genaue Analyse von Art und Umfang der Plage - im Zweifel mit einem Mikroskop. Orientalische Schaben haben eine andere Schlupfzeit als gewöhnliche Küchenschaben - und benötigen andere Mittel. Wo Kinder spielen, sind viele aggressive Mittel tabu. Der eigentliche Angriff erfolgt oft erst beim zweiten Besuch.

Ausbilder Thelen legt Wert auf möglichst umwelt- und gesundheitsschonende Einsätze: Nur noch in Extremfällen müssen sich Schädlingsbekämpfer vor ihren eigenen Mitteln in Ganzkörper- Schutzanzügen in Sicherheit bringen. «Heute enthalten die Mittel im Vergleich zu früher noch 5-10 Prozent der Giftdosis», sagt Thelen.

Auf Insektengifte werde möglichst verzichtet: Mit Klebestreifen und Fallen ließen sich auch gute Ergebnisse erzielen. Selbst die gute alte Fliegenklatsche findet sich in der Ausrüstung.


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