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2002-04-01 12:00:15 Behinderte und nicht Behinderte lernen gemeinsam besserBoll - Katharina ist zwölf Jahre alt und geistig behindert. In die Schule geht sie gemeinsam mit nicht Behinderten: Das Mädchen besucht eine «Integrative Außenklasse» der Grundschule Boll im baden-württembergischen Landkreis Göppingen. «Die Kinder lernen so viel voneinander», berichtet die Lehrerin Margret Baumann. So werde die schwerst mehrfach behinderte Katharina gefordert, sich mit nicht behinderten Kindern auseinander zu setzen - und die übrigen Schüler lernen, aufeinander zuzugehen und sich gegenseitig zu helfen. Der Schultag der Klassen 4c und 4d in Boll beginnt mit Lockerungsübungen. Die Kinder sitzen im Kreis und klatschen im Takt zum Lied «Bruder Jakob, Bruder Jakob, schläfst Du noch». Anschließend wirft Klassenlehrer Harald Neuffer ein Blick auf den gemeinsamen Wochenplan - dieser legt fest, was die 21 Mädchen und Jungen in den insgesamt zwölf Stunden gemeinsamen Unterrichts in der Woche machen. «Wer hat das Spiel noch nicht fertig?» fragt er. Die geistig behinderte Laura meldet sich. «Also, dann spielen Constantin und Yannick mit Laura.» Ein Teil der Klasse geht in den Garten, ein anderer ins Zimmer gegenüber, um Kreuzworträtsel zu lösen. Außerdem pauken die beiden Klassen auch gemeinsam Musik, Sachkunde, Handarbeit und verausgaben sich beim Sport. Außenklassen, die in Zusammenarbeit von Sonderschulen mit Grund- und Hauptschulen eingerichtet werden, gibt es in Baden-Württemberg seit zehn Jahren. Insgesamt existieren derzeit 134 solcher Klassen in 113 Städten und Gemeinden. «Die Tendenz ist steigend», sagt Carsten Rabe vom Kultusministerium. Allein im laufenden Schuljahr gebe es 18 Klassen mehr als im Vorjahr. Wie hoch ihre Zahl in Zukunft sein wird, hänge allerdings weniger vom Kultusministerium ab als vielmehr von den Wünschen der Schulen: «Die Initiativen geht von Schulen aus.» Besonders die Eltern der behinderten Kinder sind über die Einrichtung der Außenklassen froh. «Ich schätze es so, dass meine Tochter gar nicht ausgesondert wird», berichtet eine Mutter. Der gemeinsame Unterricht biete eine «enorme Entwicklungschance». Außerdem habe ihre Tochter so auch nicht behinderte Freunde, die sie an einer Sonderschule gar nicht hätte kennen lernen können. Neben vielen positiven Reaktionen, gab es in den vier Jahren allerdings auch immer wieder kritische Stimmen. «Viele waren nicht sicher, ob durch die gemeinsamen Stunden nicht inhaltliche Dinge auf der Strecke bleiben», sagt der Direktor der Boller Grund- und Hauptschule, Thomas Schnell. Doch die Erfahrung beweist Schnell und dem Rektor der Göppinger Sonderschule, Rainer Scheel, das Gegenteil: Die nicht behinderten Schüler beherrschen Mathe und Deutsch mindestens genauso gut wie die Kinder aus den Parallelklassen. Nach dem Willen beider Rektoren soll es in Boll künftig auch eine Außenklasse in Stufe fünf geben. Allerdings sind dabei einige Umbauarbeiten in der Schule nötig. So muss die im Rollstuhl sitzende Katharina beispielsweise die Treppe zum Computerraum und in die Schulküche überwinden. Nach Beobachtungen Schnells fehlt es vielen Lehrlingen heute an Sozialkompetenz und Einfühlungsvermögen. Die Defizite sollen mit Hilfe der Integrativen Außenklassen beseitigt werden: «Ich will Schüler in die Berufswelt entlassen, die die Notwendigkeit erkennen, anderen zu helfen.» Eine Übersicht aller News gibts hier. |
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