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2002-02-18 11:29:45 Lehrer sind nicht auf Hochbegabte vorbereitetNimwegen/Hofgeismar - Lehrer in Deutschland sind nach Einschätzung von Europas erstem Professor für Begabtenförderung bisher noch nicht auf hoch begabte Schüler vorbereitet. Didaktik und Lehrpläne fehlten noch, sagte Prof. Franz Mönks von der Universität Nimwegen in den Niederlanden. Viele hoch begabte Kinder blieben unentdeckt oder würden in der Schule unterfordert. «Das Thema Begabtenförderung muss in die Grundausbildung von Lehrern sowie in die Fortbildung», sagte Mönks. Erforderlich sei ein differenzierter Lehrplan, der es dem Lehrer ermögliche, auf das Niveau und die Lernbedürfnisse der Schüler einzugehen. «Der Lehrer muss das Kind dort abholen, wo es sich von seinem Lernniveau her befindet». Auf Grund ideologischer Gräben sei es bis vor zwei Jahren kaum möglich gewesen, diese Forderungen auszusprechen. Mönks ist Professor für die Psychologie und Pädagogik des begabten Kindes an der Katholischen Universität Nimwegen (KUN) und Inhaber des ersten und einzigen Lehrstuhls dieser Art in Europa. Das 1988 an der KUN gegründete Zentrum für Begabtenforschung hat ein Programm mit eintägigen Seminaren und Kursen für Lehrer entwickelt, die in Deutschland über ein vor einem Jahr an der Universität Münster gegründeten Partnerinstitut organisiert werden. Schulen müssten auch mit Hilfe von Zusatzangeboten auf hoch begabte Kinder eingehen, sagte der aus Deutschland stammende Mönks. Gymnasien in Nordrhein-Westfalen etwa sei die Möglichkeit gegeben worden, so genannte Profilklassen einzurichten, in denen Schüler zwei Klassen innerhalb eines Jahres absolvieren. Ein Erweiterungsprogramm werde an einem Gymnasium in Moers im Kreis Wesel erprobt. Leistungsstarke Schüler können dort auf einige Stunden in Fächern verzichten, in denen sie sehr gut sind, und stattdessen bereits Vorlesungen an der Universität belegen. Bis es in Deutschland ein adäquates Schulangebot für hoch begabte Kinder geben wird, werden nach Mönks Einschätzung noch fünf bis zehn Jahre vergehen. «Die DDR hat gezeigt, das Begabtenförderung flächendeckend möglich ist, aber sie hat auch gezeigt, dass man das missbrauchen kann.» Falsch sei es aber gewesen, alle in Ostdeutschland geschaffenen Strukturen mit der Wiedervereinigung wegzufegen. Nach Mönks Einschätzung sind 10 bis 15 Prozent aller Grundschüler begabt bis hoch begabt. Rund ein Fünftel aller Schüler leiste weniger, als es eigentlich im Stande wäre. Der Professor äußerte sich am Rande einer Tagung zur Förderung Hochbegabter am Wochenende in Hofgeismar aus dem Kreis Kassel. Eine Übersicht aller News gibts hier. |
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