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2003-06-09 10:47:53 Musiktherapeuten heilen mit KlängenBerlin/Heidelberg (/gms) - Jeder, der schon einmal unter der Dusche gesungen oder in der Disco getanzt hat, weiß es. Musik weckt Gefühle, und Menschen drücken Gefühle durch Musik aus. Musiktherapeuten nutzen das, um Menschen zu heilen. «Es geht in der Musiktherapie um die Förderung und Erhaltung von geistiger, körperlicher und seelischer Gesundheit unter dem Einsatz von Musik», erklärt Antje Dieckmann vom Vorstand der Deutschen Gesellschaft für Musiktherapie in Berlin. Musiktherapeuten kommen Dieckmann zufolge bei ganz unterschiedlichen Krankheiten zum Einsatz. Psychische und psychosomatische Störungen, Sucht- und neurologische Erkrankungen gehörten dazu. In der Behandlung verwenden sie eine breite Palette von Musikinstrumenten. Susanne Heinze, die seit dreieinhalb Jahren in der Universitätsklinik Dresden als Musiktherapeutin angestellt ist, arbeitet etwa viel mit Schlaginstrumenten, Rasseln und Flöten. «In der Therapie mit Kindern können zusätzlich Malutensilien, Tücher oder Bälle zum Einsatz kommen», so Antje Dieckmann. «Welches Instrument wählt ein Patient? Und wie spielt er darauf?» Das sind Susanne Heinze zufolge Fragen, die sich der Therapeut in seiner Arbeit stellt. Die Beobachtungen geben Heinze Aufschluss auf die Probleme des Patienten. Sie helfen aber auch dem Patienten, über den eigenen musikalischen Ausdruck etwas über sich selbst zu erfahren und die Verbindung zur Krankheit herzustellen. Ausgebildet werden Musiktherapeuten vor allem an Hochschulen. Studiengänge mit Diplomabschluss für Musiktherapie gibt es etwa in Heidelberg, Magdeburg und Wien. Die Regelstudienzeit beträgt acht Semester. Darüber hinaus ist es an einigen Hochschulen möglich, sich im Hauptstudium einiger Studiengänge der Sozial-, Sonder- oder Heilpädagogik auf Musiktherapie zu spezialisieren. In Berlin, Hamburg, Münster und an der Universität Witten-Herdecke werden zudem Aufbaustudiengänge für Musiktherapie angeboten. Voraussetzung für die Zulassung sind in der Regel Abitur oder Fachhochschulreife. In Heidelberg ist auch ein sechswöchiges Praktikum in einer «Einrichtung mit klinischem Charakter» gefordert. Einige Hochschulen verlangen außerdem eine Aufnahmeprüfung. Das Studium teilt sich in Inhalte aus Medizin, Psychologie, Musikwissenschaft und Pädagogik. Auch auf die musikalische Weiterbildung wird Wert gelegt. In Heidelberg etwa umfasst die musikalische Ausbildung Tasten- und Saiteninstrumente sowie Perkussion und Stimme, berichtet Volker Bolay, Dekan des Fachbereichs Musiktherapie an der dortigen Fachhochschule. Zwei Praktika, beispielsweise in einer Klinik, einer Alten- oder Behinderteneinrichtung, sind Bolay zufolge ebenfalls vorgeschrieben. Die DGMT rät angehenden Studenten, die verschiedenen Ausbildungsangebote sorgfältig zu vergleichen. Die Anforderungen an die musikalischen Fähigkeiten der Studienbewerber seien unterschiedlich. Meist werde verlangt, dass Bewerber ein Instrument gut beherrschten und mit einigen weiteren umgehen könnten. Vor allem sei es aber notwendig, sich über die Kosten für ein Studium klar zu werden. Neben staatlichen Ausbildungen gibt es auch privatwirtschaftlich getragene. Einige Ausbildungsträger verlangten Studiengebühren oder hohe Eigenbeteiligungen von Seiten der Studenten: «Da kommen mitunter zwischen 15 000 und 20 000 Euro für das Studium zusammen», so Volker Bolay. Die Berufsperspektiven nach dem Studium sind nach Bolays Worten nicht schlecht. Laut einer Absolventenbefragung der FH Heidelberg arbeiten mehr als 80 Prozent der ehemaligen Musiktherapie-Studenten vier Jahre nach dem Examen im angestrebten Beruf. Rund die Hälfte aller Absolventen sei im klinischen Bereich tätig. Ein Fünftel lasse sich in einer eigenen Praxis für Musiktherapie nieder. Auch nach Antje Dieckmanns Worten sind trotz aller Sparmaßnahmen im Gesundheitswesen immer mehr Einrichtungen bereit, Geld für Musiktherapie auszugeben. Die Verdienstmöglichkeiten sind Dieckmann zufolge hingegen schwer einzuschätzen. Sie hängen etwa davon ab, ob man im öffentlichen Dienst oder bei einem privaten Träger angestellt ist. Auch könne ein Freiberufler in der Regel höhere Stundensätze verlangen als ein Angestellter. «Man wird nicht unbedingt reich damit», so Dieckmanns Fazit. Dennoch sei die Berufszufriedenheit unter Musiktherapeuten sehr hoch. Susanne Heinze nennt als wichtige Voraussetzungen ein Talent, mit Menschen umzugehen und sich auf mindestens einem Instrument gut ausdrücken zu können. Auch eine Liebe zur Musik sollte ein Musiktherapeut mitbringen, sagt Elina Gleich, die an der Universität in Köln kurz vor ihrem Abschluss in Heilpädagogik mit Schwerpunkt Musiktherapie steht. Informationen: Deutsche Gesellschaft für Musiktherapie, Libauer Straße 17, 10245 Berlin, Tel.: 030/29 49 24 93, Fax: 29 49 24 94. Eine Übersicht aller News gibts hier. |
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