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2003-05-28 10:11:51 Ältere Mitarbeiter haben es oft schwerKöln/Frankenthal (/gms) - Die Bundesbürger werden immer älter, und zugleich scheint der Ruhestand in immer weitere Ferne zu rücken: Schon werden in der Politik Stimmen laut, das Renteneintrittsalter auf 67 Jahre anzuheben. Doch schon jetzt ist die Situation älterer Mitarbeiter im Betrieb nicht immer einfach. Während manche mit dem Tempo von Veränderungen nicht mehr Schritt halten, sehen sich andere frühzeitig auf das Abstellgleis geschoben. Dabei bringen die Älteren oft wertvolle Erfahrungen und Kompetenzen mit. «Die Arbeitsverdichtung schreitet voran, der Leistungsdruck steigt stetig. Da ist es sehr wichtig, gerade ältere Mitarbeiter motiviert zu halten», sagt Armin Zisgen, Personalleiter der KSB-Aktiengesellschaft. Das Maschinenbauunternehmen aus Frankenthal in Rheinland-Pfalz hat vor rund einem Jahr gemeinsam mit dem Landesarbeitsministerium in Mainz die Initiative «Motivation älterer Mitarbeiter» gestartet. Workshops, offene Gespräche, altersspezifische EDV-Kurse und Führungsseminare sind in Frankental seitdem ebenso Programm wie ein kostenloser Gesundheits-Check des werksärztlichen Dienstes. Die älteren Mitarbeiter gehören für Zisgen keineswegs zum alten Eisen: «Wir wollen sie möglichst lange an Bord behalten und ihre langfristigen Erfahrungen nutzen.» Darüber hinaus verfügten sie über ein umfangreiches theoretisches Wissen und gute Kundenbeziehungen. «Menschen ab 50 sind vielleicht älter, sie verfügen aber auch über Führungsstärke und ein großes Beziehungsgeflecht», bestätigt Erhard Hackler vom Vorstand der Deutschen Seniorenliga in Bonn. Wie wichtig es ist, dass auch langjährige Betriebsangehörige durch positive Signale motiviert werden, zeigen Umfragen des Büros gegen Altersdiskriminierung in Köln: Demzufolge fühlen sich ältere Mitarbeiter oft regelrecht gemobbt. So hätten bei einer bundesweiten Beschwerdeaktion des Büros im Herbst 2001 rund 30 Prozent aller Anrufer Unmut über Diskriminierungen im Berufsleben geäußert - bis hin zu Chefs, die sie lieber heute als morgen vor die Tür setzen würden. «Für ältere Arbeitnehmer sind die allerschlimmsten Probleme oft diese völlige Perspektivlosigkeit und das ständige Damoklesschwert der Arbeitslosigkeit», so Hanne Schweitzer vom Büro gegen Altersdiskriminierung. Wer sich unfair behandelt fühle, sollte sich wehren: «Bei uns im Büro kann sich jeder informieren, welche Rechte er als älterer Arbeitnehmer hat», sagt Schweitzer. Wer über seine Rechte Bescheid wisse, brauche den Gang zum Personalrat nicht fürchten. «Ein erster wichtiger Schritt ist es, älteren Arbeitnehmern klar zu machen, dass nicht ihr persönliches Versagen die Ursache diskriminierenden Verhaltens am Arbeitsplatz ist.» Vielmehr handle es sich um ein gesellschaftliches und politisches Problem. Erhard Hackler von der Seniorenliga rät, sich rechtzeitig und intensiv auf die Rente vorzubereiten. «Wer nicht urplötzlich in ein großes Loch fallen möchte, sollte frühzeitig Vorsorge tragen», erläutert der Jurist. Vorbildliche Unternehmen hätten mittlerweile erkannt, wie wichtig die wertvolle Erfahrung ihrer langjährigen Mitarbeiter sei. Sie böten einen gleitenden Wechsel in den Ruhestand oder auch Zeitarbeit in den ersten Rentenjahren: «So geht wertvolle Erfahrung nicht von einem Tag auf den anderen verloren.» Probleme mit dem Ruhestand haben dabei vor allem die Männer, erläutert Anke Spillmann, Diplom-Psychologin aus der Nähe von Eckernförde (Schleswig-Holstein): Sie identifizierten sich oft weitaus intensiver mit ihrem Job als Frauen: «Und wenn der dann wegfällt, ist auch das eigene Selbstbild in Frage gestellt.» Es sei daher wichtig, sich schon vor der Pensionierung Gedanken über eine Neuorientierung zu machen, «sowohl im Bereich der Freizeit wie auch in der Partnerschaft.» Oft nehmen allerdings Frauen die psychologische Hilfe in Anspruch, da sie es nicht mehr ertragen, dass ihr Mann den ganzen Tag zu Hause sitzt. «Wer das ganze Leben schwer gerackert hat, sollte sich irgendwann bewusst werden, dass auch er ersetzbar ist - das macht den Arbeitsverlust leichter», so Spillmann. Schon im Berufsleben sei es daher wichtig, ein gutes Gleichgewicht zwischen beruflichen und privaten Aktivitäten und Lebensinhalten zu finden. Wer dann aber doch gegen Gefühle der Nutzlosigkeit oder des Ausgebranntseins ankämpfen muss, dem rät die Psychologin, Hilfe zu suchen: «Auch wer sich schwer tut, Schwächen und Gefühle zu zeigen, sollte sich einem Freund oder einem Therapeuten anvertrauen.» Von dem Gespräch mit Kollegen rät Spillmann jedoch ab: «Einige könnten die Situation ausnutzen.» Informationen: Büro gegen Altersdiskriminierung, Hölderlinstraße 1, 50968 Köln (Tel.: 0221/934 50 07); Deutsche Seniorenliga, Gotenstraße 164, 53175 Bonn (Tel.: 0228/36 79 30). Eine Übersicht aller News gibts hier. |
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