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2003-05-05 09:33:00

Schlechte Zeiten für Jobhopper



München/Frankfurt/Main (/gms) - Die Zeiten sind schlecht für Jobhopper, da ist sich Gerhard Bruns sicher. Er sollte es wissen. Seit mehr als 14 Jahren berät er Firmen bei der Personalauswahl oder Privatleute, die sich beruflich verändern wollen. «Dieses Jobhopping in den Boomjahren 1999 und 2000 ist aus der Not geboren».

Dies hat der Geschäftsführer des Geva-Instituts, einer Personal- und Karriereberatung in München, beobachtet. Vor allem im IT-Bereich hätten die Unternehmen damals zu wenig Personal gehabt und deswegen auch weniger Qualifizierte eingestellt.

«Die einstigen Jobhopper werden nun als erstes gefeuert», sagt Bruns. Bei der derzeitigen konjunkturellen Flaute setzten die Unternehmen auf Qualität und könnten oft aus einer ganzen Schar von hoch qualifizierten Bewerbern wählen. Doch auch in wirtschaftlichen guten Zeiten hält der Diplom-Psychologe und Karriereberater Bruns wenig von den Dauerwechslern: «Ich würde auch niemanden einstellen, der sich in fünf Jahren vier Mal einen neuen Job gesucht hat.» Jobhopper gelten seiner Einschätzung nach als selbstbezogene und wenig konfliktfähige Menschen. «Wer die Arbeitsstelle allzu oft wechselt, tritt stets die Flucht nach vorne an, anstatt sich auch mit Problemen auseinander zusetzen.»

Deswegen vermeidet auch die Karriereberaterin Monika Becht aus Frankfurt ganz bewusst diese Bezeichnung: «Das hat so etwas Flüchtiges.» Ein Jobwechsel könne dagegen grundsätzlich durchaus Sinn machen, wenn Arbeitnehmer das Gefühl haben, beruflich auf der Stelle zu treten. Dabei warnt die Gründerin der Karriereberatung YouCan jedoch vor Bauchentscheidungen und falschem Aktionismus: «Vor einem Jobwechsel sollte man genau abwägen, was man will und was man zu gewinnen und zu verlieren hat.»

Ebenso wie ihre Kollegin Becht empfiehlt auch Christine Öttl von der Beratungsfirma objektiv aus München, sich erst einmal im eigenen Unternehmen umzugucken. «Alle größeren Betriebe bieten Veränderungsmöglichkeiten, da kann man die Abteilung wechseln, Weiterbildungen machen oder sich am Job-Rotation-Programm beteiligen», sagt sie. Viele Unternehmen stellten ihre Mitarbeiter auch für Fortbildungen oder etwa eine Promotion frei - dann meist bei Lohnverzicht. «Manchmal reichen schon drei Monate, um die eigene Motivation wieder anzukurbeln», hat Becht beobachtet.

Einig sind sich die Karriereberater, dass ein Jobwechsel durchaus sinnvoll sein kann: «Ein Hochschulabsolvent sollte sich nach fünf bis acht Jahren schon nach etwas Neuem umgucken, sonst verpasst er einen Karrieresprung», sagt Gerhard Bruns. Dabei weiß auch er, dass es gerade bei älteren Arbeitnehmern nicht so einfach ist, eine neue Stelle zu finden. Karriereberaterin Becht ist entsprechend vorsichtig: «Momentan sind keine Zeiten für Träume, die sollte man lieber noch ein wenig aufschieben», rät sie.

Job-Coach Madeleine Leitner aus München hat gar eine Art Rückbesinnung auf die alte Tugend der «lebenslangen Betriebszugehörigkeit» entdeckt. «Der Sitzfleischbonus hat zwar nach wie vor wenig Akzeptanz», sagt sie. Doch der Wert «Sicherheit» steige stetig. «Gerade seit auch Hochqualifizierte immer stärker von Arbeitslosigkeit betroffen sind.»

Bei all den wirtschaftlichen Abwägungen sehen die Berufsberater jedoch auch fachliche Gründe, länger in einem Unternehmen zu bleiben. «Erst wer einige Zeit in einem Unternehmen ist, kann auch die Früchte seiner Arbeit ernten», sagt Monika Becht. «Häufige Jobwechsel sind nicht immer ein Gewinn für die fachliche Weiterentwicklung.»

«Wer lange in einem Unternehmen ist, kennt sich aus, hat den Respekt seiner Kollegen und übernimmt meist eine gewisse Verantwortung», ist sich Christine Öttl sicher. «Die fachliche Kompetenz muss allerdings stimmen.» Öttl hält nichts von Pauschalratschlägen, wann wie, welcher Job gewechselt werden sollte.

Ein gängiges Erfolgsmodell gebe es nicht. Oft würden sich Möglichkeiten ganz unerwartet ergeben, sagt sie und verweist auf die Modedesignerin Gabriele Strehle: Die ist nach ihrer Ausbildung als Schneiderin und dem Besuch der Münchner Meisterschule für Mode Anfang der siebziger Jahre zu dem Familienbetrieb Strehle gegangen. Mittlerweile ist sie dort Chefdesignerin, hat die Marke «Strenesse» zu einem weltweit renommierten Modelabel gemacht - und den Juniorchef geheiratet.


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