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2003-04-28 09:40:33

Arzthelferinnen brauchen gute Nerven und Übersicht



Köln/Magdeburg/Dortmund (/gms) - Sie nehmen Blut ab, sie warten medizinische Geräte, sie schreiben Rechnungen. Ganz nebenbei haben sie auch noch ein offenes Ohr für die Kümmernisse von kleinen und großen Patienten. Dementsprechend brauchen Artzhelferinnen nicht nur Fachwissen, sondern auch ein gutes Nervenkostüm und Freude am Umgang mit Menschen.

Mehr als 46 000 angehende Arzthelferinnen verzeichnete das Statistische Bundesamt Wiesbaden im Jahr 2001. Damit steht die Ausbildung in der Liste der beliebtesten Lehrberufe auf Platz fünf. Bei den Mädchen belegt die Ausbildung sogar Platz drei. «Männer bleiben in dem Job eine absolute Ausnahme», so Marlies Heber vom Referat Arzthelferin der Ärztekammer Sachsen-Anhalt in Magdeburg. Die wenigen Männer absolvierten die Ausbildung oft nur, um die Wartezeit bis zum Medizinstudium zu überbrücken.

Das Berufsbild der Arzthelferinnen hat sich in den vergangenen Jahren stark gewandelt: «Vor etwa 15 Jahren mussten Arzthelferinnen vor allem schreiben, schreiben und nochmals schreiben», sagt Frieder Götz Hutterer, niedergelassener Allgemeinarzt in Köln. Rezepte, Überweisungen und Abrechnungen wurden damals meist handschriftlich verfasst und ausgefüllt. Heute haben Computer-Programme die Arbeit übernommen. Aus den Schreibkräften von einst wurden unverzichtbare Assistentinnen des Arztes.

Von den Arzthelferinnen wird neben verwaltungstechnischem Verständnis auch medizinisches Wissen gefordert. Sie müssen medizinische Geräte pflegen, den Medikamentenvorrat überwachen und zum Teil auch Patienten impfen oder Elektrokardiogramme (EKG) vornehmen. Zudem müssen Arzthelferinnen laut Mediziner Hutterer ein Gespür für wirklich dringende Fälle entwickeln, damit nicht etwa ein schwer erkrankter Patient stundenlang im Wartezimmer sitzt oder Tage auf seinen Untersuchungstermin wartet.

Neben dem Fachwissen zeichnet gute Arzthelferinnen vor allem Flexibilität und Belastbarkeit aus, sagt Hutterer. Freundlichkeit und Geduld sind auch laut Expertin Heber wichtige Voraussetzungen für den Beruf: Arzthelferinnen müssten mit aggressiven Menschen umgehen können und auch einem missmutigen Patienten noch mit einem Lächeln begegnen können.

In der Berufsschule werden medizinische Fächer unterrichtet wie Pflege und Anwendung medizinischer Geräte, Hilfe in Notfällen, Arzneimittelkunde, Anatomie, Physiologie oder Pathologie. Gleichberechtigt stehen auf dem Unterrichtsplan Textverarbeitung, Abrechnungswesen und Sozialgesetzgebung. Im Jahr 2004 soll eine neue Ausbildungsordnung in Kraft treten, so Heike Rösch vom Berufsverband der Arzt-, Zahnarzt- und Tierarzthelferinnen (BdA) in Dortmund. Von diesem Zeitpunkt an sollen die Bereiche Praxismanagement und Patientenkommunikation stärker betont werden. Zudem werde sich wohl auch die Berufsbezeichnung ändern.

Wer sich für einen Ausbildungsplatz bewirbt, hat gute Chancen, wenn er die Mittlere Reife vorweisen kann. «Ärzte bevorzugen Azubis mit Realschulabschluss», sagt Rösch. Die Jobaussichten seien für die Arzthelferinnen-Azubis besser als in vielen anderen Berufen. «Doch seit einigen Monaten haben sich die Berufsperspektiven auch für Arzthelferinnen stark verschlechtert», so Rösch. Hingegen hat Ärztekammer-Mitarbeiterin Marlies Heber zumindest für Sachsen-Anhalt die gegenteilige Erfahrung gemacht: «Derzeit können wir nicht so viele Arzthelferinnen vermitteln, wie nachgefragt werden.»

In Westdeutschland verdienen Arzthelferinnen in den ersten drei Berufsjahren 1309 Euro pro Monat, in Ostdeutschland sind es 1113 Euro. Die späteren Fortbildungsmöglichkeiten sind beschränkt. «Es gibt nur ein begrenztes Angebot an Weiterbildungsmöglichkeiten», sagt Rösch. Möglich ist beispielsweise die Zusatzqualifikation als Arztfachhelferin. Die Weiterbildung bereitet darauf vor, in einer größeren Praxis verantwortliche Positionen auszufüllen.

Informationen: Berufsverband der Arzt-, Zahnarzt- und Tierarzthelferinnen (BdA), Bissenkamp 12 - 16, 44135 Dortmund (Tel.: 0231/556 95 90, Fax: 0231/55 35 59).

http://www.bda-online.com


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