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2003-03-24 09:31:07 Orgelbauer ist Meister für die «Königin der Instrumente»Hamburg/München (/gms) - Die «Königin der Instrumente», die Orgel, zeigt sich in der Werkstatt noch recht unansehnlich. Hier bearbeitet ein Mann einen langen Holzkasten, dort ein anderer silbrigmatte Metallröhren. Weiter hinten liegen Klaviaturen. Kaum vorstellbar, dass aus diesem scheinbaren Wirrwarr von Einzelteilen in wenigen Monaten Johann Sebastian Bachs Musik erklingen wird. «Dieser Auftrag stammt von einem Privatmann aus den USA», erklärt Holger Redlich, Geschäftsführer der Orgelbaufirma Rudolf von Beckerath in Hamburg. «Wir werden das Instrument dort auch aufbauen.» Redlich weist damit gleich auf eine Voraussetzung für den Beruf hin: Flexibilität. Die Teile der Orgeln werden zwar in den Werkstätten gefertigt, doch Aufbau und Wartung müssen vor Ort erfolgen. Und da der deutsche Orgelbau einen besonderen Ruf genießt, stehen Orgeln aus Deutschland auch in Amerika, Japan, Südkorea oder Russland. Für die Orgelbauer bedeutet dies häufiges und langes Reisen, dauert doch die Montage fünf bis sieben und die Intonation nochmals fünf bis sechs Wochen. Es mag merkwürdig klingen, doch das Beherrschen des Orgelspiels ist zwar von Nutzen, aber keine Voraussetzung für diesen Beruf. Gefragt sind allerdings verschiedene handwerkliche Fähigkeiten. Im Mittelpunkt stehen alle Arten der Holz-, Metall- und Kunststoffverarbeitung. Hinzu kommen Elektrik und Elektronik. Die Lehrzeit dauert dreieinhalb Jahre. Die Ausbildung wird in den Fachrichtungen Orgelbau sowie Pfeifenbau angeboten. «In traditionellen Handwerksbetrieben muss ein Orgelbauer auch Pfeifen bauen können», unterstreicht Redlichs für die Fertigung zuständiger Kollege Rolf Miehl. Nach Angaben von Anton Rösch, Geschäftsführer des Bundes Deutscher Orgelbaumeister (BDO) in München, gibt es in Deutschland rund 160 überwiegend mittelständische Betriebe mit 1900 Mitarbeitern. Die Zahl der Auzubildenden gibt er mit 180 bis 190 an. Orgelbau braucht Zeit: «Von der Planung bis zum Baubeginn vergeht mindestens ein Jahr», sagt Rösch. Die Akustik des Raumes, in dem das Instrument stehen soll, ist ganz entscheidend. Nach ersten Entwürfen zeichnet der Orgelbauer die Pläne. Er weiß, dass weiche Holzarten eine ganz andere Resonanz ergeben als harte und muss dies entsprechend berücksichtigen. Aus Holz werden auch die großen Pfeifen gebaut, die für die dunklen Töne sorgen. Bei den Metallpfeifen bestimmt die Legierung, überwiegend aus Zinn und Blei, den Klangcharakter. Die Tonhöhe entsteht durch die Länge einer Pfeife. Unabhängig von ihrer Größe müssen die Geräte regelmäßig gewartet und repariert werden. Die Blütezeit erlebte der Orgelbau im 17. und 18. Jahrhundert. Es gibt vor allem in Kirchen noch Instrumente aus dieser Zeit, deren Erhaltung recht aufwendig ist. Das Stimmen übernimmt dann der Intonateur, ein Orgelbauer, der sich auf den Klang spezialisiert hat. «Die Restaurierungen und Instandhaltungen machen heute sichert die Hälfte der Tätigkeiten aus», sagt Anton Rösch. Eine Generalüberholung komme fast einem Neubau gleich. «Das große Geld ist nicht zu verdienen», sagt Rolf Miehl. «Die Befriedigung liegt in der Arbeit. Bei der Bezahlung orientieren wir uns am Tischlertarif.» Der liegt nach Angaben der Arbeitsämter in der Ausbildung zwischen etwa 400 bis 600 Euro monatlich und beginnt beim Gesellen je nach Vereinbarung bei 2000 Euro. Eine Übersicht aller News gibts hier. |
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