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2003-03-10 09:32:38

Schiffsausrüster liefern alles



Hamburg (/gms) - Vor den Fenstern des Bürogebäudes türmen sich die versandfertigen Container. Auf den Bildschirmen laufen neue Bestellungen für Proviantlieferungen ein, per Telefon verhandelt ein Mitarbeiter mit einem Luftfrachtspediteur. Routiniert agieren die Mitarbeiter des Hanseatic Marine Services (HMS), des größten deutschen Schiffsausrüsters in Hamburg.

«Die Ware muss exakt zum gewünschten Termin weltweit beim Kunden sein, sonst war es das letzte Geschäft», erläutert Geschäftsführer und Mitinhaber Jens Heyke. «Schiffe können nicht auf die Lieferung warten, jede Stunde überflüssige Liegezeit kostet Geld.»

Mitten im Hamburger Freihafen sitzt die Firma mit ihren 85 Mitarbeitern. Ihre Kunden sind auf allen Weltmeeren unterwegs. «Wenn die Proviant und Ersatzteile brauchen, dann erwarten sie, dass der Nachschub im nächsten Hafen bereit steht. Und dafür haben wir Schiffsausrüster zu sorgen», sagt Heyke, dessen Lieferprogramm als Generalausrüster ständig etwa 16 000 Artikel umfasst. «Bei uns steht der Dienstleistungsgedanke an erster Stelle. Die Lieferzuverlässigkeit muss hundertprozentig sein.»

Schiffsausrüster ist kein Ausbildungsberuf. Die Arbeit teilt sich in zwei Bereiche: das Kaufmännische und das Praktische. Wer sich für die überwiegende Arbeit im Büro entscheidet, muss Großhandelskaufmann/Außenhandelskaufmann werden. Für die Zusammenstellung der jeweiligen Ladung im Lager sind Packer verantwortlich. Sie erhalten ihre Ausbildung als Handelsfachpacker. «Flexibilität, Belastbarbeit, Zuverlässigkeit», nennt Heyke die beruflichen Anforderungen für beide Gruppen.

«Qualifizierte Ausbildung bietet sehr gute Perspektiven», sagt Thorsten Hüttmann von der Handelskammer Hamburg zu den Berufsaussichten im kaufmännischen Bereich der Schiffsausrüstung. «Bei der letzten Prüfung sind 14 Azubis erfolgreich angetreten.» Und er fügt hinzu, dass auch Frauen hier Jobs finden. Während der dreijährigen Ausbildungszeit - bei Abitur sind auch nur zwei Jahre möglich - steigt die Vergütung von knapp 600 Euro auf 720 Euro. Die Anfangsgehälter danach beginnen bei 1500 Euro. «Bei guter Leistung kommt man schnell höher», sagt Heyke, der von seinen Auszubildenden nicht zuletzt gute Englischkenntnisse verlangt.

Die in den 5000 Quadratmeter großen Lagerräumen der HMS tätigen Kräfte sind - wie auch in anderen Firmen - Handelsfachpacker, die mit gutem Hauptschulabschluss eine zweijährige Ausbildung in Betrieb und Berufsschule absolviert und die Prüfung vor der Industrie- und Handelskammer bestanden haben. Die Ausbildungsvergütung bewegt sich zwischen 580 und 646 Euro, der Anfangsverdienst zwischen etwa 1300 bis 1400 Euro.

In Deutschland gibt es derzeit etwa 150 Firmen, die die Versorgung von Schiffen mit Proviant und Technik sicherstellen. Die meisten sitzen in Hafenstädten an der Küste. «Einige sind so genannte Generalausrüster, die sämtliche für die Reise benötigten Waren liefern», sagt Monika Enticknap, Geschäftsführerin des Verbandes Deutscher Schiffsausrüster in Hamburg. «Andere Ausrüster spezialisieren sich auf einzelne Warengruppen von Fleisch über technische Ersatzteile für Reparaturen an Bord bis zur Seenotausrüstung.»

Es ist ein Privileg der Schifffahrt, außerhalb der Hoheitsgewässer unversteuerte und unverzollte Waren an Bord verbrauchen zu dürfen. Der Zoll hat deshalb ein besonders wachsames Auge auf den Handel im Hafen und verfolgt jeden Missbrauch unnachgiebig. Für eine korrekte Abwicklung der Geschäfte muss der Ausrüster stets die aktuellen Zollbestimmungen kennen und nachprüfbar strikt einhalten.

Er weiß auch um die Bezugsquellen für Waren und ermittelt die günstigsten Preise und Konditionen. Der perfekte Umgang mit dem Computer ist ebenso selbstverständlich wie das persönliche Gespräch mit den Kunden. Transportmethoden und Routen sowie der letzte Stand zur Situation in den Häfen gehören zum Standardwissen des Schiffsausrüster, dessen Geschäfte ohne eine ausgeklügelte Logistik nicht laufen. «Die meisten europäischen Häfen beliefern wir mit Lkw, nach Übersee versenden wir Container», sagt Heyke.

Der Kunde setzt die vollständige und sachgerechte Verpackung der Proviantlieferungen voraus. So ist es selbstverständlich, dass französischer Weichkäse, den eine Reederei für ein Kreuzfahrtschiff nach Rio de Janeiro ordert, in der richtigen Temperatur gehalten wird. Frischfleisch braucht Tiefkühlung. Getränkeflaschen dürfen auf der Reise nicht zu Bruch gehen. Beim Verpacken empfindlicher Schiffstechnik sind Einflüsse wie Luftfeuchtigkeit zu beachten. Auch «Papierkram» fällt an: Jede Ladung wird von Dokumenten begleitet.

Am Lagerausgang der HMS stehen auf einer kleinen Palette Lebensmittel und Getränke. Der Umfang erinnert eher an einen Großeinkauf im Supermarkt als an die Versorgung eines Schiffes: Bananen, zwei Kisten mit Salatköpfen, dazu Paprika, Äpfel sowie Fleisch, Konservendosen, Essig, Öl. «Geht für sechs Leute auf einen kleinen Frachter nach England», bemerkt ein Packer und fährt mit seinem Gabelstapler weiter.


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