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2003-02-03 09:48:45 Auslandsaufenthalte gründlich vorbereitenHamburg/Düsseldorf (/gms) - Der Alltag in England unterscheidet sich auch im Büro von dem in Deutschland stark. «Ohne eine gute Vorbereitung wäre uns die Integration sicher schwer gefallen», sagen Andrea Poócza und Michael Kostritza. Die Pädagogin und der Informatiker aus Hamburg haben im vergangenen Jahr während einer Fortbildung drei Monate in Birmingham gearbeitet. Ob Engländer höflicher sind als Deutsche, ist umstritten: «Sie sagen im Büro nicht "Guten Morgen"», sagt Poócza. «Aber sie unterhalten sich freundlicher mit Busfahrern», ist Kostritzas Erfahrung. «Wer in einem anderen Land arbeitet, muss sich vorher über die kulturellen Besonderheiten informieren», sagt Wanda Pierini vom Deutschen Bauernverband (DBV) in Bonn, der jährlich für mehr als 100 junge Land- oder Forstwirte einen mehrmonatigen Auslandsaufenthalt organisiert. «Man sollte die gültigen sozialen Normen des Landes kennen, in dem man lebt und arbeitet», empfiehlt auch Edwin Lüer vom Studien-Institut in Düsseldorf, der Menschen für eine Arbeit im Ausland oder in internationalen Teams trainiert. Im Arbeitsleben sei es wichtig zu wissen, was das Verhalten des Vorgesetzten bedeutet: «Wenn ein Chef in den USA sagt: "Bearbeiten Sie ein Projekt im Team", dann bedeutet das etwas anderes als in Deutschland», sagt Lüer. Hier zu Lande gehe es oft - anders als in den USA - trotzdem bei der Arbeit nicht gleichberechtigt, sondern hierarchisch zu. «Wir geben unseren Teilnehmern nicht nur Tipps, wie sie mit Unterschieden zwischen Deutschland und Großbritannien umgehen können», sagt Imme Bruß von der CBM Bildung und Managementberatung GmbH in Hamburg, die auch den Auslandsaufenthalt von Poócza und Kostritza organisiert hat. «Es geht vor allem darum, die Unterschiede zu hinterfragen und nicht gleich zu beurteilen.» Gerade weil Großbritannien so nahe liegt, würden die kulturellen Besonderheiten oft unterschätzt: «Einige Teilnehmer denken am Anfang: "Ich kenne die Sprache, und so anders wird das Leben schon nicht sein"», sagt Bruß. Tatsächlich gestalte sich der Arbeitsalltag aber sehr unterschiedlich: «In Großbritannien wird oft weniger detailliert geplant als bei uns.» Daran müssten sich die deutschen Praktikanten erst gewöhnen. «Menschen, die im Ausland arbeiten werden, sollten sich vorher Gedanken um die eigene und die Kultur im Gastland machen», sagt Jeanette Funke von der Weiterbildungs- und Entwicklungsgesellschaft InWEnt in Köln. «Die Betroffenen sollten sich darüber klar sein, dass es kulturbedingte Unterschiede gibt, damit sie angemessen reagieren können», so Funke, die das Heinz Nixdorf Programm entwickelt hat, in dem Nachwuchskräfte Praxiserfahrung in Asien und im pazifischen Raum sammeln. «Bei der "interkulturellen Sensibilisierung" geht es außerdem darum, den ständigen Vergleich zwischen den Kulturen zu vermeiden», sagt Funke. Statt sich immer zu fragen, ob die Werte und Gebräuche im Gastland besser oder schlechter sind als in Deutschland, sollten die Betroffenen diese möglichst gut kennen und sich erschließen können. «Diese Fragen stellen sich den meisten erst kurz vor der Abfahrt», so die Expertin. Deshalb gehören zum InWEnt-Angebot auch die Landeskunde und sprachliche Vorbereitung. «Vor allem bei Aufenthalten in asiatischen Ländern wird die Bedeutung von Sprachkenntnissen oft unterschätzt», sagt Funke. Viele Auslandsarbeiter verließen sich auf Englisch. Dabei gehe es nicht nur darum, sich im Unternehmen verständigen zu können: «Wer sich bemüht, auch die einheimische Sprache zu lernen, der signalisiert Offenheit, Interesse und nicht zuletzt Respekt», sagt Funke. Auch bei guten Sprachkenntnissen und Informationen zum Land sollte man sich auf «Reibungsverluste» in der Kommunikation einstellen, rät Lüer. «Vor allem Menschen mit hohem Wissensstand gehen zu perfektionistisch an die Sache heran.» Weil sie ihr Wissen manchmal überschätzen, wirkten sie unfreiwillig arrogant, könnten aber auf plötzliche Ereignisse oft nicht spontan reagieren. Der Experte rät auch zu einem möglichst offenen Umgang mit den eigenen Vorurteilen: «Dass wir Fremdes erstmal ablehnen, ist normal. Es geht aber dann darum, unsere Vorurteile zu sehen und in Frage zu stellen», sagt Lüer. Wichtig sei dabei auch die Erkenntnis, dass Kulturen «relativ» sind: «Besser oder schlechter sind einfach keine Kategorien», so der Experte, der selbst zwei Jahre in Korea gelebt hat. Reflexionen über die eigenen Gefühle könnten aber die Angst vor Unbekanntem nehmen und für die nötige Lockerheit sorgen: «Schließlich machen Überraschungen doch auch den Reiz des Lebens in einem anderen Land aus.» Eine Übersicht aller News gibts hier. |
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