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2003-01-20 09:46:42 Verbreitete Redeangst lässt sich therapierenKöln/Berlin (/gms) - Manche Menschen haben vor nichts so viel Angst wie davor, eine Rede zu halten. Und das gilt nicht nur für blutige Anfänger: Sogar hoch qualifizierte Spezialisten mit vielen Jahren Berufserfahrung oder Führungskräfte, die es gewohnt sind, den Ton anzugeben, bekommen weiche Knie, wenn sie ans Mikrofon treten müssen. Doch Redeangst ist kein Schicksal - und an der eigenen Vortragskunst lässt sich feilen, sagen Experten. «Reden zu können, wird im Berufsleben immer wichtiger», sagt Dirk Werner, Leiter des Referats Qualifikationsforschung beim Institut der deutschen Wirtschaft (IW) in Köln. «Es gibt immer häufiger Teams mit Kollegen verschiedener Fachrichtungen. Da müssen dann Informatiker den Ökonomen vermitteln können, was sie vorhaben.» Die Aufforderung, einen Vortrag zu halten, treffe daher längst nicht nur Vorgesetzte, sondern auch Mitarbeiter aus dem Mittelbau, «beispielsweise wenn ein Projekt vorgestellt werden soll», so Werner. Doch das ist nicht selten ein schwieriges Unterfangen: «Es gibt Leute, die sich für begnadete Redner halten, aber reine Dampfplauderer sind. Die sind für die Zuhörer nicht sehr glaubwürdig», so die Erfahrung von Jürgen Goldfuss, Führungskräfte-Coach aus Spaichingen. «Andere mühen sich ab, aber keiner versteht etwas von dem, was sie sagen wollen.» Ein Kardinalfehler sei, dass viele Redner in geschraubten Sätzen sprechen und zu viele Worthülsen benutzen, so der Beratungsexperte. «Dabei sollte man sich an der Sprache der Zuhörer orientieren und sich bei der Wortwahl nicht verbiegen.» Davon wie etwas gesagt wird, hängt viel ab: «Manche Dinge muss man nur falsch angehen, schon machen die Zuhörer die Schotten dicht», warnt Meike Müller, Kommunikationstrainerin aus Berlin. Entscheidend sei es deshalb, zunächst die Aufmerksamkeit der Zuhörerer zu wecken, durch einen originellen, verblüffenden Einstieg, etwa mit einem ungewöhnlichen Zitat oder der Schilderung eines eigenen Erlebnisses, das Bezug zum Redethema hat. Falsch sei dagegen, beim Reden nur die linke Gehirnhälfte anzusprechen, sich also auf das Rationale, Faktische zu beschränken. «Auch die rechte Hälfte, die für das Bildliche, Sinnliche, Plastische zuständig ist, sollte nicht vergessen werden», mahnt Meike Müller. «Der Vortrag darf aber nicht zur Show verkommen», warnt die Kommunikations-Expertin. «Effekthascherei schreckt die Zuhörer ab.» Redner sollten auch nicht versuchen, ein Feuerwerk an technischen Spielereien abzubrennen, zumal Pannen nie auszuschließen sind. Wenn gestandene Firmenvertreter dann hilflos an Laptop und Beamer herumdrücken, wirke das wenig überzeugend, so die Karriereberater Christian Püttjer und Uwe Schnierda aus Achterwehr bei Kiel. Unbedingt verzichtet werden sollte auf das wortwörtliche Ablesen des Textes auf der Projektionsfläche. Wenn sich die Leistung auf Vorlesen und Betätigen der Fernbedienung beschränkt, frage sich der Zuhörer zu Recht, wozu der Redner überhaupt gekommen ist, warnen die beiden Experten. Viel hängt schon von der Planung ab: «Man muss sich klar machen, wie der Vortrag aufgebaut sein sollte», rät Dirk Werner. «Das Methodenrepertoire kann man sich anlesen und den Vortrag selbst vor Freunden oder Bekannten ausprobieren.» Das empfiehlt auch Meike Müller: «Nicht ratsam ist es, den Text auswendig zu lernen.» Stichwortkarten seien besser als ein ganzes Manuskript. «Das ermöglicht auch, Blickkontakt zum Publikum zu halten», sagt die Kommunikationstrainerin. Zur guten Vorbereitung gehöre, sich auf mögliche Fragen einzustellen. «Das ist oft die größte Angst.» Und wer tatsächlich einmal die Antwort nicht weiß, müsse nicht gleich ins Stottern kommen: «Die Frage kann man schließlich auch an die Zuhörer weitergeben», lautet Meike Müllers Tipp für solche Situationen. Literatur: Christian Püttjer & Uwe Schnierda: Reden ohne Angst, Campus Verlag, ISBN 3-593,37073-5, 19,90 Euro; Meike Müller: Der starke Auftritt, Eichborn Verlag, ISBN 3-8218-3909-0, 14,90 Euro. Eine Übersicht aller News gibts hier. |
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