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2003-01-13 10:14:28

Mentoring im Beruf sorgt für gemeinsamen Erfolg



München/Mannheim (/gms) - Seit fast zwei Jahren unterhalten sich Rainer Greifeneder und Michaela Damrich per E-Mail oder Telefon. Getroffen haben sie sich erst zweimal, ihr Verhältnis ist professionell: Damrich, Personalberaterin bei der Deutschen Bank in München, ist die Mentorin von Greifeneder, einem Psychologiestudenten an der Universität Mannheim.

Sie berät den Studenten mit ihren beruflichen Erfahrungen. Damit liegen die beiden im Trend: Auch immer mehr Unternehmen nützten das so genannte Mentoring als Qualifizierungsmaßnahme für ihre Mitarbeiter, sagt Gabriele Hoffmeister-Schönfelder, Geschäftsführerin der Personalberatung kontor5 in Hamburg.

«Mentoring bedeutet, zeitlich begrenzt von einem erfahrenen Menschen Informationen zur beruflichen und persönlichen Entwicklung zu bekommen», sagt Hoffmeister-Schönfelder, die selbst Mentoring-Programme organisiert. Im Unterschied zum Coaching gehe es dabei nicht in erster Linie um Psychologie, sondern um Taktik und Strategien in Unternehmen. «Das würde einen Coach komplett überfordern.» Das Mentoring ist für Unternehmen eine effiziente und kostengünstige Maßnahme zur Weiterqualifizierung von Mitarbeitern.

Dabei ist das Konzept eines persönlichen Ratgebers für den Nachwuchs alles andere als neu. Der Begriff Mentor stammt aus der griechischen Mythologie: Odysseus wählte, bevor er in den Trojanischen Krieg zog, Mentor zum Lehrer und Berater seines Sohnes. Auch Gelehrte, Generäle und Geistliche förderten begabte Nachwuchskräfte durch persönlichen Einsatz. Heute sind es vielfach Geschäftsführer, Direktoren und Prokuristen.

Der «Mentee» Greifeneder und seine Mentorin Damrich arbeiten im Projekt «Zukunftsjugend» zusammen, das seit Anfang 2001 bundesweit in einer Pilotphase läuft: Knapp 300 Studenten und etwa 40 potenzielle Mentoren wurden bisher erreicht. «Wir haben uns eine Frist von zwei Jahren gesetzt, um zu lernen, wie diese Arbeitsbeziehungen funktionieren», sagt Initiator Ralph Schlieper-Damrich, Inhaber der Perspektivenwechsel GmbH bei Augsburg. Demnächst sollen die Unternehmen ihre Fach- und Führungskräfte als potenzielle Mentoren sponsern: Das koste rund 35 Euro pro Mentoring-Beziehung im Jahr.

Am Anfang seines Mentoring-Programms hatte Rainer Greifeneder Bedenken: «Was wollen die von mir?», fragte sich der Student. Er konnte sich nicht vorstellen, dass jemand seine Zeit einfach so zur Verfügung stellt. Doch Michaela Damrich zerstreute die Ängste: «Ich handele nicht im Auftrag eines Unternehmens, sondern als Privatperson mit beruflichen Erfahrungen», sagt die Betriebswirtin. Auch für sie sei das Programm spannend. «Wer sein Wissen weitergibt, erkennt außerdem die eigenen Anliegen besser», so Damrich.

Meist ist es Rainer Greifeneder, der die Initiative zu einem Gespräch ergreift. Dann hat der 25-Jährige eine Frage, die ihn beschäftigt. Auf seine Fragen bekommt er als Antwort Einsichten in den Berufsalltag eines internationalen Konzerns: «Ich habe jetzt eine differenziertere Sicht auf das Geschehen und die Herausforderungen innerhalb des Personalbereichs eines Unternehmens», sagt Greifeneder.

Im «Cross-Mentoring Nord», einer Initiative für Unternehmen in Norddeutschland, treffen Führungskräfte alle sechs Wochen auf den Nachwuchs eines anderen Unternehmens. Die Expertinnen von kontor5 begleiten den Prozess von der Zielsetzung bis zur Auswertung und stellen auch die «Tandems», die Paarungen, zusammen: «Es geht nicht um Harmonie. Der Mentor muss dem Mentee auch unbequeme Fragen stellen», so Hoffmeister-Schönfelder. Plauderei und Fachsimpelei seien ebenfalls unerwünscht: «Je unterschiedlicher die Branchen umso interessanter die Gespräche.»

Pro Nachwuchskraft zahlen die Unternehmen 1500 Euro und haben ein zweijähriges Abwerbeverbot vereinbart. «Das ist keine Pöstchenschieberei», sagt Hoffmeister-Schönfelder. Die häufigste Konstellation bei den institutionalisierten Patenschaften sei die zwischen einem männlichem Mentor und einer weiblichen Nachwuchskraft. Viele Mentoring-Angebote richten sich ausschließlich an Frauen.

Nach diesem Prinzip arbeitet auch das Projekt «TWIN -Two Women Win» in Bottrop. Bis jetzt wurde 50 jungen Unternehmerinnen im Ruhrgebiet jeweils eine erfahrene Unternehmerin an die Seite gestellt. Die Mentorinnen werden über die Käte Ahlmann Stiftung im Verband Deutscher Unternehmerinnen mit Sitz in Berlin rekrutiert. In Zukunft sollen sie auch bundesweit beraten. «Es macht Spaß, Wissen weiterzugeben», sagt Ulla Böcker in Bochum, die das Projekt koordiniert. Und manch erfahrene Unternehmerin bekommt als Mentorin selbst neuen Schwung: So eröffnete eine Busreiseunternehmerin jetzt eine Fahrschule für Busfahrerinnen. Ihr Mentee hatte sie auf die Idee gebracht.


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